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  • 13.06.2014, 09:35 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Architektur und Klima

Entsiegelte Flächen und runde Gebäude für besseres Stadtklima

Entsiegelte Flächen und runde Gebäude tragen zu einem besseren Stadtklima bei. Das sind zwei von vielen Erkenntnis, die ein Symposium an der Fachhochschule zu Tage förderte.

Stickige Luft in überhitzten Straßenschluchten: Wer daran denkt, der kennt auch gleich den Übeltäter – und zwar den Autoverkehr. Der münsterische Klimaforscher Prof. Otto Klemm würde dem niemals widersprechen, doch bei einem Architekten-Symposium der Fachhochschule Münster nannte er auch noch ganz andere Stichworte: Regenrinnen, Straßeneinläufe, unterirdische Entwässerung.

Der Grund: Das Regenwasser, das in den Untergrund abgeleitet wird, kann nicht verdunsten. Verdunstung bindet aber Sonnenenergie – und beugt damit einer Überhitzung vor. Klemms ganz praktische Empfehlung für ein gutes Stadtklima: möglichst wenig versiegelte Flächen.

Architektur, Stadtplanung und Wetterkunde

Das von dem münsterischen FH-Professor Joachim Schultz-Granberg organisierte Symposium stand unter dem Anspruch, Architektur, Stadtplanung und Wetterkunde ganzheitlich zu betrachten. Dabei stellte sich schnell heraus, dass dem Wind eine Schlüsselrolle zukommt. Nicht ohne Grund wies Prof. Klemm darauf hin, dass in Großstädten wie Münster die Schadstoffbelastung in der Luft nachts höher sei als am Tag, obwohl tagsüber mehr Autos fahren. Der Grund: Nachts weht weniger Wind.

Das Credo aller Referenten: Wer ein gesundes Stadtklima will, muss dafür sorgen, dass der Wind wehen kann, wo er will. Der Strömungsforscher Prof. Hans-Arno Jantzen empfahl den Architekten sogar den Bau runder Gebäude, denn Experimente im Windkanal hätten ergeben, dass eine Durchlüftung von Quartieren dann besser funktioniere.Prof. Schultz-Granberg zeigte derweil am Beispiel einer skandinavischen Neubausiedlung, wie man örtliche Windverhältnisse geschickt ausnutzen kann. Die Städteplaner berücksichtigen, dass die vorherrschende Windrichtung je nach Jahreszeit wechselt.

All wichtigen Straßen wurden daraufhin so angelegt, dass die milden Frühjahrs- und Sommerwinde ungehindert das Quartier durchströmen können, während die eisigen Winterwinde, die aus einer anderen Richtung kommen, durch querstehende Häuserriegel blockiert werden.

Und was sollen die jungen Architektur-Studenten, die das von LBS und Westfälischen Nachrichten unterstützte Symposium miterlebten, mit alledem anfangen? Prof. Klaus Daniels, einer der Erfinder des ökologischen Bauens, drückte es so aus: Zu jedem guten Gebäudegrundriss gehöre nicht nur der Nordpfeil, sondern auch eine Übersicht der örtlichen Klimadaten.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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