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  • 11.04.2014, 08:50 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Auf Fusionskurs

RWGV und Genossenschaftsverband e.V. streben Verschmelzung an

Die Weichen sind gestellt: Nach Monaten der Sondierung streben der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband e.V. (RWGV) in Münster und der bereits in 13 Bundesländern vertretene Genossenschaftsverband e.V. (GV) mit Hauptsitz in Frankfurt die Verschmelzung an.

In Münster gaben die Fachräte Mitte der Woche grünes Licht für die Fusionsverhandlungen. Der Verbandsbetriebsrat des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV) in Münster zeigte sich unterdessen "entsetzt“ über das neuerliche Versagen in der internen Kommunikationspolitik des Vorstandes.

Am Donnerstagnachmittag wurden die Mitarbeiter über die Planung informiert. Der RWGV-Sitz Münster, im vergangenen Jahr bereits durch Verlagerung von zentralen Dienstleistungen nach Düsseldorf spürbar beschnitten, dürfte mittelfristig nur noch eine eher untergeordnete Rolle im neuen Großverband spielen.

Mit zusammen über 3.000 Mitgliedsgenossenschaften - von den Volksbanken- und Raiffeisenbanken über die landwirtschaftlichen bis hin zu den gewerblichen Genossenschaften - würde sich der fusionierte neue Verband mit weitem Abstand an die Spitze der aktuell noch fünf regionalen Prüfungsverbände setzen. Der Druck auf die Verbände Bayern, Baden-Württemberg und Weser-Ems, sich bei Prüfung und Beratung ebenfalls neu zu formieren, würde deutlich wachsen.

Sondierungsgespräche seit Dezember

Seit dem vergangenen Dezember hatten der RWGV und der GV vorrangig auf Vorstandsebene Sondierungsgespräche geführt. Mit einbezogen wurden auch die Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Klaus Kalefeld (Hamm) und Michael Siegers (Hildesheim).

Ganz fremd war man sich nicht, denn die Regionalverbände arbeiten schon heute auf verschiedenen Gebieten zusammen. Der RWGV und der GV kooperieren intensiv auf dem Bildungssektor. Und Anfang April schlossen sich die Frankfurter der WKGT Revisionsunion an.

Wenig überraschend: Denn das erst in 2013 gegründete Gemeinschaftsunternehmen der international tägigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton und des RWGV ist in der Lage, Expansionen großer Genossenschaftsunternehmen von Westfleisch bis Noweda ins Ausland zu begleiten.

Hintergründe für die geplante Fusion

„Die Unterstützungsbedarfe unserer Mitglieder werden komplexer. Die fachlichen Anforderungen nehmen zu und werden differenzierter“, erläutert auf Nachfrage Asmus Schütt, Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Verbandsmarketing, Hintergründe für die geplante Fusion. Genossenschaftsbanken und landwirtschaftliche Genossenschaften wachsen, die Geschäftstätigkeiten einiger Mitglieder werden immer internationaler, die Anforderungen der Bankenaufsicht nehmen zu, die Interessenvertretung muss verstärkt werden. Und Neugründungen führen zu einer immer größeren Vielfalt in der Mitgliederstruktur. Schütt: „Eine Fusion muss auf diese Herausforderungen Antworten geben.“

Allerdings soll hier nach Verbandsangaben die Regel „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ gelten. Deshalb gab es am Donnerstag auf Nachfrage keine Informationen zum zeitlichen Ablauf der Verhandlungen. Nur soviel: Die Gespräche sollen zügig geführt werden, um dann wiederum eine Basis für die Gespräche mit den Mitgliedern zu haben. Am Ende muss der Verbandstag als Vollversammlung aller Mitglieder einer Verschmelzung mit einer 75-Prozent-Mehrheit zustimmen. Andernfalls können die Pläne wieder eingerollt werden.

Verhandlungen auf allen Ebenen

Verhandelt wird laut Schütt auf allen strategischen und operativen Ebenen. Es gibt dabei keine Bereiche, die ausgeklammert werden. Und auch keine Fragen: Denn welchen Namen der fusionierte Verband tragen wird, ob das Kürzel „RWGV“ darin noch eine Rolle spielen wird, welchen Stellenwert am Ende die RWGV-Standorte Münster, Düsseldorf, Koblenz und Forsbach haben werden, welche Dienstleistungen und Arbeitsplätze wo zu finden sind, muss im Rahmen der Fusionsgespräche geklärt werden.

Die Nähe zu den Mitgliedern und ein entsprechendes Betreuungskonzept sollen nach Auskunft des RWGV nicht verloren gehen. Schütt: „Ein fusionierter Verband wird auch im größten Bundesland Deutschlands fest verankert sein.“

Unerfahren mit Fusionen sind beide Verbände nicht. Der RWGV in seiner heutigen Form entstand erst im Jahr 2002 aus dem Westfälischen Genossenschaftsverband und dem Genossenschaftsverband Rheinland. In der weit über 150-jährigen Geschichte gab es immer wieder Zusammenschlüsse. Der Verband in Frankfurt hat seit 2002 gleich drei Fusionen hinter sich gebracht und sich im Jahr 2008 mit dem Genossenschaftsverband Norddeutschland zusammengeschlossen.

Die fünf regionalen Prüfungsgenossenschaften

Fünf große regionale Prüfungsgenossenschaften existieren in Deutschland. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, dem Deutschen Raiffeisenverband, dem Mittelstandverbund ZGV, dem Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften, zahlreichen Fachverbänden, Zentralunternehmen und Regionalzentralen tragen sie den Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGVR). Mit 18,7 Millionen Menschen ist die Genossenschaftsorganisation die mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland.

Entsetzen beim Betriebsrat

Der Verbandsbetriebsrat des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV) in Münster zeigte sich unterdessen "entsetzt“ über das neuerliche Versagen in der internen Kommunikationspolitik des Vorstandes. Der Betriebsratsvorsitzende Herbert Meese forderte den Verbandsvorstand am Donnerstag auf, die Arbeitnehmervertretung ab sofort in die Beratungen eines möglichen Fusionsprozesses mit dem Genossenschaftsverband e. V. einzubeziehen. Nur so könne frühzeitig die Mitbestimmung in Standort- und Mitarbeiterfragen gewährleistet werden.

Gerade vor dem Hintergrund der 2013 realisierten massiven Standortverlagerung von Münster nach Düsseldorf und Forsbach bei Köln mit zahlreichen betroffenen Mitarbeitern sei eine solche Vorgehensweise nicht tolerabel, so Meese.

(Wolfgang Kleideiter, Jürgen Stilling, WN)


 


 

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