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  • 11.08.2014, 11:07 Uhr
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  • Osnabrück / Westerkappeln
Aufrüstung

Osnabrück drängt auf die Prüfung alternativer Stromtrassen

Im Osnabrücker Rathaus wächst die Skepsis, die Aufrüstung der Freileitung durch Voxtrup, Nahne und Hellern auf 380 Kilovolt (kV) noch verhindern zu können. Erdkabel will der Gesetzgeber nicht. Jetzt drängt die Stadt darauf, alternative Trassen zu prüfen. Von der geplanten Aufrüstung der Hochspannungsleitung zwischen Lüstringen und Velpe ist auch die Gemeinde Westerkappeln betroffen. Hier gibt es bislang allerdings keine Bedenken.

Das Verfahren kommt in diesem Monat einen konkreten Schritt weiter: Die Planfeststellungsunterlagen werden noch im August der Landesbehörde übergeben und ab Mitte September in Osnabrück und Hasbergen öffentlich ausgelegt.

Die Leitung ist höchst umstritten, weil sie vor allem in Hellern eng bebaute Viertel überspannt. Nach Angaben der Stadt Osnabrück sind 8.600 Menschen betroffen, die weniger als 400 Meter von der Hochspannungsleitung entfernt wohnen. Deshalb drängt der Rat darauf, andere Trassen zu prüfen.

Im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) firmiert diese Stromleitung als Projekt 18. Geplant ist eine Aufrüstung der Leitung – Fachleute nennen das „Zubeseilung“. In den bestehenden Masten, die heute eine 220-kV-Leitung tragen, muss eine zusätzliche 380-kV-Leitung eingezogen werden. Außerdem sind sechs der etwa 60 Meter hohen Masten zu ersetzen. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen seit 1982 vor, doch Netzbetreiber Amprion lässt in einem Planfeststellungsverfahren prüfen, ob die 32 Jahre alte Genehmigung noch zeitgemäß ist.

Die Unterlagen werden nach Angaben von Amprion-Pressesprecher Andreas Preuß noch im August offiziell bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover eingereicht. Nach Prüfung der Planunterlagen ist die öffentliche Auslegung vorgesehen. Wie der Sprecher der Landesbehörde, Jens-Thilo Schulze, mitteilt, sollen die Unterlagen „nach gegenwärtiger Planung ab Mitte September öffentlich ausgelegt werden“. Die Landesbehörde werde den Termin rechtzeitig auf ihrer Internetseite
(www.strassenbau.niedersachsen.de ) bekannt geben.

Jeder wird dann die Möglichkeit haben, die Unterlagen einzusehen und Bedenken und Anregungen zu Protokoll zu geben. Die Auslegung dauert vier Wochen. Bis zwei Wochen nach Ende der Auslegung sind Einwendungen möglich. 

Der Rat der Stadt Osnabrück hat im September 2013 eine Resolution verabschiedet, in der eine Erdverkabelung im Stadtgebiet gefordert wird. Doch daraus wird wohl nichts, wie die Bauverwaltung meint. Sie sieht „keine Möglichkeiten, eine Erdverkabelung im Sinne der Resolution durchsetzen zu können, weil hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen“, wie es in einer Vorlage für den Rat heißt.

Erdkabel werden nur als Pilotprojekte in vier Trassen eingesetzt

Kürzlich scheiterte eine Initiative im Bundesrat zur Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes. Es bleibt dabei: Erdkabel werden nur als Pilotprojekte in vier Trassen eingesetzt. Die Strecken Lüstringen–Westerkappeln (18) und Wehrendorf–Gütersloh (16) gehören nicht dazu.

Der Stadtrat hat deshalb einstimmig der Verwaltung das Mandat erteilt, die Planfeststellung „sehr kritisch zu hinterfragen“, aber nicht pauschal an der Forderung nach einem Erdkabel festzuhalten. Das wäre „nicht zielführend“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Und weiter: „Vielmehr muss es darum gehen, insbesondere auch alternative Streckenverläufe für eine Freileitung zu prüfen, die nicht eine solch umfangreiche Betroffenheit dort lebender Menschen hervorrufen.“ Die Bauverwaltung der Stadt kann diese Prüfung nicht vornehmen. Eine entsprechende Raumempfindlichkeitsanalyse würde die personellen und fachlichen Kapazitäten der Verwaltung überfordern.

Ohne Prüfung von alternativen Trassen wäre eine Aufrüstung der Leitung Lüstringen–Westerkappeln „nicht akzeptabel“, heißt es in der Begründung zum einstimmig gefassten Beschluss des Stadtrates. Und geradezu trotzig pocht der Rat entgegen den rechtlichen Hindernissen auf eine „zumindest teilweise Erdverkabelung“. Läuft das Verfahren reibungslos, kann nach Einschätzung der Bundesnetzagentur die 380-kV-Leitung 2015 ans Netz gehen.

Der Neubau der Stromtrasse 16 von Wehrendorf bei Bad Essen über Voxtrup, Borgloh, Borgholzhausen bis Gütersloh ist planungsrechtlich erheblich aufwendiger. Ein Raumordnungsverfahren wird nach Angaben von Amprion-Sprecher Jörg Weber nach den Sommerferien eröffnet. Eine Inbetriebnahme wäre laut Bundesnetzagentur 2020 möglich.

Keine Bedenken in Westerkappeln
Über das Verfahren sei die Gemeinde Westerkappeln bislang regelmäßig von Amprion informiert worden, sagt die Westerkappelner Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Aber wir sind ja nur am Rande betroffen. Bedenken gebe es auch Westerkappelner Sicht bislang nicht. Im Zuge der Planfeststellung werde die Gemeinde die Möglichkeit haben, eine Stellungnahme abzugeben.

Leitungsbau
Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG). Das im Mai 2009 vom Bundestag verabschiedete Gesetz regelt den beschleunigten Ausbau der Leitungsnetze, die nötig sind, um Windenergie von der Nordsee in den Süden Deutschlands zu transportieren. Der rasche Ausbau ist Teil der Energiewende. Das Gesetz schreibt vor, dass neu zu bauende Höchstspannungsleitungen in bewohnten Bereichen 400 Meter Abstand und in Außenbereichen 200 Meter Abstand zu Wohngebäuden halten müssen.

(Wilfried Hinrichs, WN)


 


 

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