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  • 03.03.2015, 11:15 Uhr
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  • Münster / Köln
Augenschutz im Beruf

Tragekomfort genauso wichtig wie Funktionalität

Der schnelle Griff zum Winkelschleifer, zum Hobel oder zur ätzenden Chemikalie - im Arbeitsalltag ist die Versuchung groß, bei diesen kleinen Handgriffen die elementaren Sicherheitsvorkehrungen auszublenden. Statt auf der Nase bleibt dann die Schutzbrille in der Hemdtasche oder auf der Werkbank.

Nicht zuletzt deshalb verzeichnet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung jedes Jahr mehr als 25.000 Arbeitsunfälle, bei denen die Augenpartie betroffen ist. Das größte Risiko ist nicht der qualitativ schlechte Augenschutz, sondern der Verzicht darauf.
Fehlverhalten nicht stillschweigend tolerieren

„Das Risiko einer Augenverletzung wird unterschätzt. Das gilt insbesondere, wenn Vorgesetzte ein falsches Verhalten wie einen fehlenden Augenschutz zwar registrieren, es aber tolerieren“, sagt Werner Lüth, Fachgebietsleiter für Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland. In Unternehmen werde außerdem oft ein weiterer wichtiger Aspekt vernachlässigt, der wesentlich zur Verbesserung beitragen könne: der Tragekomfort. Zwar erfüllen viele Schutzbrillen die gesetzlichen Vorgaben und tragen das CE-Kennzeichen , dem eine Prüfung beispielsweise durch TÜV Rheinland vorausgeht, doch muss die Schutzbrille auch zum jeweiligen Träger passen. „Wenn die Schutzbrille unangenehm drückt, rutscht oder das Sichtfeld zu weit einengt, ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Mitarbeiter lieber darauf verzichtet“, erklärt Lüth. Er empfiehlt deshalb, in einer Pilotphase mehrere Modelle verschiedener Hersteller in der Praxis zu testen und die Rückmeldungen der Mitarbeiter ernst zu nehmen.

Konkrete Vorschläge nach der Gefährdungsbeurteilung

Im Rahmen einer gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung wird die benötigte persönliche Schutzausrüstung, zu der auch der Augenschutz gehört, ermittelt und festgelegt. TÜV Rheinland unterstützt dabei Unternehmen durch kompetente Beratung mit konkreten Vorschlägen für den Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung im Betrieb. Die wesentlichen Gefährdungen lassen sich dabei in Gruppen einteilen:

  • Mechanische Risiken: Staub, Splitter, Späne oder Flüssigkeitsteilchen, die zum Beispiel bei Schleif-, Strahl- und Trennarbeiten sowie Stemm- und Meißelarbeiten entstehen.
  • Chemische Risiken: Ätzende oder reizende Arbeitsstoffe, etwa beim Arbeiten mit Säuren und Laugen, beim Mischen und Aufbringen von Klebern und Beschichtungsstoffen im Spritz- und Sprühverfahren.
  • Optische Risiken: Hitze, blendendes Licht oder schädigende Strahlung wie bei Schweiß- und Laserarbeiten. Weitere Gefährdungen können sich beispielsweise aus thermischen, biologischen oder elektrischen Risiken ergeben.

Eine normale Brille bietet keinen ausreichenden Schutz

Der Augenschutz sollte stets an die jeweiligen Risikoklasse angepasst sein. Dazu gehört beispielsweise eine entsprechende Bruchsicherheit und Schutz vor schädigender Strahlung. Viele Hersteller bieten inzwischen auch Brillen mit geschliffenen Gläsern entsprechend der individuellen Sehstärke des Trägers an. Dr. Patrick Niklaus, Experte für Augenschutz bei TÜV Rheinland, prüft und zertifiziert die Qualität von Schutzbrillen. Er appelliert vor allem an Brillenträger: „Es fehlt ein echtes Risikobewusstsein, denn eine normale Brille bietet keinen ausreichenden Schutz. Wer diese Tatsache auch bei einem noch so kleinen Handgriff verdrängt, setzt sein Augenlicht aufs Spiel.“

(Quelle: TÜV Rheinland)


 


 

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