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  • 06.03.2015, 09:19 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Ausbildungsbotschafter in Schulen

Harter Wettbewerb um Azubis, neue Methoden der Nachwuchs-Suche

Der viel beschworene Fachkräftemangel ruft die Unternehmen im harten Wettbewerb um gute Nachwuchskräfte immer früher auf den Plan. Ob Berufswahlmessen, die Aktion „Schule und dann“, bei der die Zahl der teilnehmenden Betriebe stetig steigt, das Azubi-Speed-Dating in der Halle Münsterland mit rund 3000 Schülern oder die Aussendung von Ausbildungsbotschaftern in weiterführende Schulen – das Buhlen um geeigneten Nachwuchs nimmt neue Dimensionen an.

„Das Potenzial an Azubis schmilzt in den nächsten zehn Jahren um rund 25 Prozent“, erklärt Carsten Taudt, Bildungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen.

Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst sind bereits mit der Akquise für 2016 beschäftigt, weiß Klaus-Peter Franke, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „Für dieses Jahr gibt es noch offene Stellen in allen Bereichen. Die Situation für Bewerber wird immer besser.“

In einigen Sparten gibt es schon mehr Stellen als Bewerber. Dies korrespondiert nicht mit dem vor allem in Münster stark verbreiteten Hang zum Hochschulstudium. Um gut qualifizierten Abiturienten für eine Lehre in Industrie oder Handwerk zu gewinnen, haben IHK und Handwerkskammer im Januar die Initiative „Ausbildungsbotschafter“ gestartet. In Münster beteiligen sich bereits 13 Unternehmen mit 41 Ausbildungsbotschaftern, resümiert Carsten Taudt. „Unser Ziel sind 200 Ausbildungsbotschafter“ Diese Azubis sollen auch in Gymnasien über Ausbildungsinhalte berichten, Interesse wecken und Fragen auf Augenhöhe mit den Schülern beantworten.

Erster Ausbildungsbotschafter Münsters

Als erster Ausbildungsbotschafter Münsters ging Markus Schmitz, angehender „Fachinformatiker für Systemintegration“ bei der Armacell GmbH, Marktführer für flexible technische Dämmstoffe, an den Start. „Ein spannender Ausbildungsberuf“, sagt der 19-jährige Abiturient. „Endlich etwas Praxisnahes – das kommt am Gymnasium viel zu kurz“. 24 junge Leute bildet Armacell derzeit aus – in kaufmännischen und gewerblichen Berufen, darunter Elektroniker, Verfahrensmechaniker und auch Bachelor of Science, die Ausbildung und Studium kombinieren, erklärt Geschäftsführer Malte Witt. „Um gute Fachkräfte zu akquirieren, kooperieren wir auch mit den Hochschulen in Münster und Steinfurt.“ Nicht selten seien Praktikanten eingestellt und betreute Bachelorarbeiten für das international arbeitende Unternehmen weiterentwickelt worden.

Viele Betriebe legen zudem ihren Fokus auf die große Zahl der Studienabbrecher – laut Taudt etwa 30 Prozent. „Für viele wäre der Weg über eine Ausbildung der bessere gewesen“. Betriebe besetzten oft ihre Führungspositionen lieber mit Leuten, die im Unternehmen nach eigenen Erfordernissen ausgebildet wurden. Für besonders leistungsfähige Schulabgänger kann ein duales Studium ein Karriere-Sprungbrett sein. „Die Zahl dieser Studiengänge, bei denen in drei Jahren eine Berufsausbildung und ein Studienabschluss erworben werden, nimmt zu“, berichtet Klaus-Peter Franke von der Arbeitsagentur. Um gezielt Studienabbrecher für eine Ausbildung in Handwerk und Industrie zu gewinnen, arbeite die Arbeitsagentur mit dem Programm „Und morgen Meister“.

(Karin Höller-Zwilling, WN)


 


 

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