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  • 25.01.2013, 15:37 Uhr
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  • Münster/Berlin
Ausbildungsmarkt

Abbrecherquote bei Azubis bei 10 Prozent

Als „falsch und irreführend“ bezeichnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen, „die vermeintliche Abbrecherquote bei Auszubildenden“, die heute (25. Januar) veröffentlicht worden ist

„Es stimmt nicht, dass jeder vierte Auszubildende aufgibt und für immer die Brocken hinwirft“, kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Er fordert eine differenziertere Betrachtung und Interpretation, „statt mit einer solchen Zuspitzung die betriebliche Ausbildung, die die wichtigste Säule der deutschen Wirtschaft ist, zu beschädigen.“ Die IHK Nord Westfalen hat anhand eigener Zahlen für ihren Bezirk „eine tatsächliche Abbrecherquote“ von unter zehn Prozent in IHK-Ausbildungsberufen errechnet.

„Abbruch ist nicht gleich Abbruch“, so Schulte-Uebbing, der kritisiert, „dass hier alles in einen Topf geworfen wird“. Echter Abbruch, Wechsel des Ausbildungsberufes oder des Betriebes – „selbst wenn sich ein Abiturient trotz des bestehenden Lehrvertrages noch in letzter Minute entschließt, doch lieber ein Studium anzufangen, wird das unter dem Begriff Abbruch bilanziert“, erläutert er.

Differenziertere Betrachtung notwendig

Tatsächlich, so bestätigen die Zahlen der IHK, wird die Ausbildung in der Hälfte der Fälle direkt fortgeführt. Oft wechseln die Auszubildenden in einen anderen Beruf, bleiben aber im selben Betrieb oder sie führen ihren Ausbildungsberuf in einem anderen Betrieb fort. „Dabei verlieren die Auszubildenden nicht einmal Zeit“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, „da absolvierte Ausbildungsabschnitte häufig angerechnet werden“.

Die meisten Ausbildungsverhältnisse werden im ersten Ausbildungsjahr und besonders in der Probezeit aufgelöst. „Die Gründe liegen auf der Hand“, so Schulte-Uebbing. Zum einen sei die Probezeit ja gerade dafür da, zu prüfen, ob alles zueinander passt: Beruf, Betrieb und Auszubildender. Zum anderen sei der Übergang in die Ausbildung für viele die erste Begegnung mit der Arbeitswelt und häufig ein Praxisschock. „Da hilft dann manchmal nur, sich durchzubeißen“, rät der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Berufsorientierung ausbauen

Dass ein Jugendlicher wegen falscher Vorstellungen die Ausbildung abbreche, hofft die IHK, werde in Nordrhein-Westfalen bald seltener vorkommen. Deshalb unterstütze die IHK auch aktiv den Ansatz des Landes, die Berufsorientierung für alle Schüler systematisch auszubauen. Es sei erfreulich, dass sich die meisten Kreise und kreisfreien Städte im IHK-Bezirk bereits auf den Weg gemacht hätten, dieses neue Übergangssystem umzusetzen.

Die IHK selbst setze sich schon lange für eine praxisnahe Berufsorientierung ein, etwa durch Lehrerseminare. „Spürbare Impulse“, so Schulte-Uebbing, gingen aktuell von der Initiative Partnerschaft Schule-Betrieb aus. Inzwischen sind rund 100 Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen vereinbart worden. Gleichzeitig setzt die IHK verstärkt auf konkrete Unterstützung und Überprüfung von Betrieben, die bewusst oder unbewusst gegen die Regeln guter Ausbildung verstoßen. „Unsere Ausbildungsberatung ist da, wenn es kritisch wird und hilft Auszubildenden und Betrieben, damit jede Ausbildung zu einem erfolgreichen Abschluss führt“, versichert Schulte-Uebbing.

(Redaktion)


 


 

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