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  • 23.04.2014, 08:50 Uhr
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  • Peking
Automobil-Boom in Fernost

Volkswagen-Marken profitieren von 30 Jahren Aufbauarbeit in China

Wer in China nicht sehr früh aufsteht, kommt erst spät zum Markt. Oder gar nicht. Das registrierten jetzt Tausende von Fachbesuchern der Pekinger „Auto Show“ buchstäblich, als ihre Limousinen und Busse Kilometer vor dem Ziel im Megastau stecken blieben – und die Ingenieure und Manager, Journalisten und Analysten zu Fuß ans Ziel hetzten.

Das Verkehrschaos um die Messe ist ein Sinnbild für den weltgrößten Automobil-Markt. 22 Millionen Fahrzeuge wurden 2013 hier verkauft.

Volkswagen ist früh genug aufgestanden, nicht nur zur Messe in Peking. Vor 30 Jahren gründeten die Wolfsburger das erste Joint Venture im Reich der Mitte. Längst profitieren die Volkswagen-Marken von VW über Audi bis Porsche vom frühen Einstieg. Der deutsche Konzern ist Marktführer. 2013 verkaufte er knapp 3,3 Millionen Autos in China – jedes dritte der 9,7 Millionen Autos, die irgendwo auf der Welt vom VW-Band liefen, landete in China.

Die Tendenz ist weiter steigend, berichtete VWs chinesischer Statthalter Jochem Heizmann in Peking: Im ersten Quartal 2014 stieg der Absatz der beiden Hauptmarken VW und Audi wiederum um satte 16 respektive 21 Prozent.

Gefragt sind vor allem große, Chauffeurs-taugliche Fahrzeuge. So gibt es zu den Mittelklassemodellen von VW Passat und Audi A4 bis zum A6 für den chinesischen Markt eigens Lang-Versionen – oft an Ort und Stelle entwickelt und angepasst. Kein Wunder, dass der überarbeitete Touareg im fernen Osten seine Weltpremiere feiert – auch für ihn ist China der wichtigste Markt.

Nun schwächelt Chinas Wirtschaft – und die Hersteller fürchten um ihren steigenden Absatz. Noch wiegelt Audi-Chef Rupert Stadler ab: „Das Risiko, nicht hier zu sein, ist größer als die Gefahr, hier zu sein.“

Strategien für die nächsten 30 Jahre

Der Volkswagen-Konzern hat Strategien für die nächsten 30 Jahre angestoßen. Die erste dürfte in Peking, das im Smog zu ersticken droht, gut ankommen: Konzern-Chef Martin Winterkorn kündigte „die größte Elektro-Offensive in Chinas automobiler Geschichte“ an. Plug-in-Hybride und Voll-Elektro-Modelle sollen auf den chinesischen Markt kommen – Golf und Up gehen in Batterie-Versionen schon in diesem Jahr an den Start. Sie bescheren VW gute Verkaufsargumente in Chinas Mega-Metropolen, in denen es schwieriger ist, eine Zulassung für herkömmliche Fahrzeuge zu bekommen als das Auto selbst.

Auch für die Zeit nach dem Boom der Dickschiffe rüstet sich der deutsche Konzern: Ein Budget-Modell, ein preiswertes Auto für den Durchschnittschinesen, ist in der konkreten Planung.

Ein paar Tausend Kilometer westlich der Hauptstadt betätigt sich VW erneut als Pionier: In der Uiguren-Region Xinjiang steht das neueste Werk von „Shanghai Volkswagen“. Ein Schriftzug in chinesischen, arabischen und lateinischen Schriftzeichen weist den Weg – und deutet auf die besonderen Probleme, aber auch Chancen des Standortes im Wilden Westen Chinas hin.

Bleibt die Frage des (auch ungewollten) Technologietransfers. Wer in China Geschäfte machen will, tut dies in Joint Ventures mit einheimischen Gesellschaften. Was da entwickelt wird, bleibt kaum ein Betriebsgeheimnis. 2700 der insgesamt über 10 000 Entwickler des Konzerns arbeiten in China. „Hier ist unser zweites Zuhause“, sagt Konzern-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Wird das zu einem Dilemma? Wohl kaum. „Man muss sehen“, sagt ein VW-Manager, der lieber nicht genannt werden wollte, „was man hier entwickeln lässt.“

(Uwe Gebauer, WN)


 


 

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