Weitere Artikel
  • 03.06.2013, 09:51 Uhr
  • |
  • Münster & Münsterland
Bäcker und Konditoren feiern

Traditioneller „Guter Montag“-Festzug

Alle drei Jahre feiern Bäcker und Konditoren in Münster den traditionellen „Guten Montag“ und erinnern damit an die Rettung Wiens durch münsterische Bäckergesellen. Der Festtag wird seit 330 Jahren in Münster begangen.

Die Gildemeister sind gut vorbereitet. Bernd Kleimann (45) für die Konditoren-Innung und Claudius Nieß (50) für die Bäcker-Gilde in der Stadt Münster. Die Gildemeister sind es, die den Festzug am „Guten Montag“ am 3. Juni anführen. Gabriele Hillmoth, Redakteurin der Westfälischen Nachrichten, sprach mit den beiden Gildemeistern über den „Guten Montag“, der den Gildemeistern im Vorfeld viel Arbeit beschert, der aber auch eine gute Werbung fürs Handwerk ist.

Sie sind schon lange in der „Guten-Montags“-Gruppe. Welche Aufgaben hatten Sie vor Ihrem Gildemeister-Amt?

Kleimann: Ich weiß nicht, wie lange ich schon dabei bin. Aber ich war zunächst Scheffer, also Gesellenvertreter. Als ich selbstständig wurde, musste ich diesen Posten aufgeben und wurde Fahnenträger, denn Selbstständige dürfen diese Position nicht mehr besetzen. Und da ich schlecht Nein sagen kann, habe ich bei der Frage, ob ich Gildemeister werde, zugestimmt.

Nieß: Ich bin seit fast 30 Jahren dabei. Erst als Fahnenoffizier, dann 24 Jahre als Juffernknecht, der den Gildepokal reicht. Ein Jahr hatte ich keinen Posten, dann wurde ich als Gildemeister auserkoren. Für mich ist dieser „Gute Montag“ eine Premiere.

Beschleicht Sie ein mulmiges Gefühl?

Nieß: Nein. Die Zusammenarbeit klappt gut. Wir teilen uns die Arbeit. Und auch die Reden. Ich habe eine Station weniger als Bernd Kleimann und kann mich etwas langsamer einarbeiten. Wir haben uns abgesprochen, dass die Reden nicht so üppig ausfallen, sondern kurz, knackig und interessant. Für die Zuhörer soll es nicht langweilig werden.

Kleimann: Es gibt in meinen Reden auch Aussagen über die Ausbildung, über die Situation in Europa, darüber, was die Industrie mit uns macht, und über Auflagen für kleine und mittlere Betriebe. Für die Reden greife ich zu einem Zettel. Bei meinem ersten Auftritt hatte ich ein Papier im Zylinder, aber der Zettel war so klein, dass ich nichts mehr lesen konnte.

Sie haben als Gildemeister die Chance, jetzt auch mal Tacheles zu reden. Nutzen Sie diesen Augenblick?

Kleimann: Es soll ein vergnügliches, schönes Fest werden. Man darf sicher das ein oder andere auch anklingen lassen. Wir werden aber an den Stationen freundlich empfangen und beköstigt, dann sollte das einen schönen Rahmen haben. Zum Anstoß bringen ja, aber mehr nicht. Wir wollen einfach die Tradition wahren.

Nieß: Man sollte den Rahmen auch nicht überbewerten und Thesen auf den Markt werfen, die vielleicht übel aufstoßen.

Die Gildemeister tragen an diesem Tag traditionsgemäß Frack. Herr Kleimann, Sie besitzen ja bereits den Schwalbenschwanz. Aber wie sieht es mit Ihnen aus, Herr Nieß?

Nieß: Ich musste mir natürlich einen Frack zulegen. Dazu tragen wir eine Nelke im Knopfloch und den typischen Zylinder.

Kleimann: Meine Figur hat sich nicht verändert, ich passe noch in meinen Frack.

Haben Sie Sorge davor, dass die schöne Tradition des „Guten Montags“ eines Tages verschwinden könnte?

Kleimann: Vom Willen derer, die in unserem Handwerk tätig sind, glaube ich weniger. Das einzige Problem, das es geben könnte, ist das finanzielle Problem.

Nieß: Zuschüsse und Sponsoren werden immer weniger, das ist nicht ganz einfach.

Oder könnte der „Gute Montag“ daran scheitern, dass kein Geselle mehr König werden möchte?

Nieß: Das ist nur ein Problem, dass die Gesellen weniger werden. Auch die Zahl der Betriebe nimmt ab.

Kleimann: Das Problem ist aber vielleicht auch die Königin, weil es immer weniger Betriebe gibt und die Königin immer aus einem Bäckerhaushalt kommen muss. Das Interesse bei den jungen Frauen ist tatsächlich vorhanden. Auch in diesem Jahr.

Ist das Königsamt mit Kosten für den Gesellen verbunden?

Kleimann: Für den Gesellen nicht, aber für den Arbeitgeber. Es ist üblich, dass dieser beispielsweise die Plakette für die Kette spendet. Die Kosten dafür liegen schnell bei 400 bis 500 Euro. Dann kommt eine Einladung vor dem nächsten „Guten Montag“, das macht auch der Chef des Königs. Das kann man keinem Gesellen zumuten.

Nieß: So eine Tradition lebt ja auch, dann muss man einfach mal Sachen ändern und das Ganze zeitgemäß anpassen an die Zeit.

Kleimann: Vor Jahren war es nicht möglich, dass eine Frau in der „Guten-Montags“-Gruppe mitgeht, das hat sich auch geändert.

Haben Sie einen Wunsch für die Veranstaltung?

Nieß: Es sollte schönes Wetter sein, nicht zu kalt und ohne Regen. Wir hoffen, dass viele Menschen Spalier stehen, wenn der Festzug nachmittags durch Münster geht und abends um 18 Uhr die neue Königin vor dem Rathaus gefeiert wird. Ein bisschen Sonne und 20 oder 22 Grad wären gut.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung seitens der Stadt und der Polizei für den Festtag?

Kleimann: Da können wir uns nicht beklagen. Ich möchte einmal an dieser Stelle die Stadt und die Polizei loben, denn die Zusammenarbeit ist recht unkompliziert.

(Redaktion)


 


 

Bernd Kleimann
Claudius Nieß
Gildemeister
Guter Montag
Geselle
Münster
Reden
Konditoren
Bäcker
Tradition

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Bernd Kleimann" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: