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  • 18.06.2014, 09:21 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Bahnhofs-Bauarbeiten

Mieter müssen bis Ende Juli ihre Ladenlokale räumen

In sechs Wochen müssen die Mieter im Hauptbahnhof ihre Ladenlokale verlassen haben und Platz machen für den geplanten Umbau. Längst nicht alle wissen, wie es dann für sie weitergeht. Dabei haben viele schon seit Jahrzehnten ihren Laden im Bahnhof.

Franz-Josef Bröker will nach 30 Jahren im Hauptbahnhof nicht einfach so den Schlüssel umdrehen. „Es wird eine Abschiedsparty im Bierpub geben“, kündigt Bröker an, der – wie alle Mieter im Bahnhof – die Kündigung für seine sechs Pachtbetriebe vorliegen hat. „Für den neuen Hauptbahnhof haben wir uns beworben, aber wie das ausgeht, das weiß ich nicht“, sagt Bröker. Wird man da sentimental? Eine „gewisse Traurigkeit“ verspüre er schon, wenn er nach so vielen Jahren den Hauptbahnhof verlässt. Und nicht genau weiß, wie es weitergeht.

Die Ungewissheit ist groß bei vielen Mietern und ihren Angestellten im Hauptbahnhof, wenige Wochen bevor der Umbau beginnen soll. Fest steht nur eins: Bis Ende Juli müssen sie ihre Läden geräumt haben, einen Monat später, als zu Beginn des Jahres seitens der Bahn geplant.

„Wir wissen nichts“, beklagt Oliver Lammerding, Chef des Lotto- und Tabakgeschäfts in der Empfangshalle, rund sechs Wochen vor dem Stichtag 31. Juli. Er kritisiert die Informationspolitik der Bahn: „Mit Mietern redet man nicht, jedenfalls nicht mit denen, die es am meisten betrifft“, sagt Lammerding, dessen Geschäft seit 1972 seinen Platz im Hauptbahnhof hat. Er ist sich nicht einmal sicher, ob die Bahn selbst weiß, wie es weitergeht. „Und ich glaube auch nicht, dass der Umbau in diesem Jahr überhaupt noch losgeht. Es tut sich ja nichts.“

„Zwei Jahre Pause, wenn es nicht noch länger dauert.“

Bis Ende Juli muss auch das Blumengeschäft nebenan zusammenpacken und gehen. Und dann? Eine Angestellte zuckt ratlos mit den Schultern. „Zwei Jahre Pause, wenn es nicht noch länger dauert.“ Ob der Laden im neuen Hauptbahnhof einen Platz finden wird, weiß sie nicht. „Nur, dass viele Kunden es schade fänden, wenn wir weggehen.“

Viele Bahnhofsmieter sind seit Jahrzehnten da. So wie „Das kleine Handelshaus“ im Gang zwischen Nord- und Südtunnel, seit bald 30 Jahren. Nun wird damit begonnen, das Lager zu räumen, sagt eine Mitarbeiterin.

Schräg gegenüber steht Mukhtar Ahmed im Mode-Geschäft hinter der Kasse. Er schaut resigniert, auf den Auszug angesprochen. „Der Umbau wird losgehen, und alle müssen gehen, so ist das halt.“ Auch er weiß nicht, was nach dem 31. Juli ist. Er und sein Bruder hätten nur dieses eine Ladenlokal, anderswo sei die Miete wohl zu teuer. „Wir sind ja nur eine ganz kleine Firma“, sagt er. „Es ist schwierig.“

Container auf der Ostseite

Andere Mieter haben mehr Sicherheit angesichts noch bestehender Mietverträge für die Übergangszeit, in der an der Ostseite des Hauptbahnhofs für das Reisezentrum, Bäcker, Zeitschriftenladen und Reisebedarf Container aufgestellt werden. Ein Pächter will auch über die Informationspolitik der Bahn nicht klagen: Er könne sich nicht beschweren, wenngleich er manche Informationen selbst habe einholen müssen. „Ich freue mich, dass es endlich losgeht.“ Schließlich habe er die ersten Gespräche über den Umbau schon vor fast 20 Jahren mit der Bahn geführt.

Die Bahn verweist selbst darauf, dass die Gespräche mit Mietern und Pächtern noch nicht abgeschlossen seien, und will zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Informationen preisgeben, so ein Sprecher. Ab August soll die Baustelle eingerichtet werden. Seit anderthalb Wochen liegt bei der Stadt auch endlich die Plangenehmigung des Eisenbahnbundesamtes vor, Voraussetzung für Abriss und Neubau des Bahnhofsgebäudes. Die Mieter sehen dem mit gemischten Gefühlen entgegen.

(Sandra Peter, WN)


 


 

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