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  • 15.07.2014, 12:45 Uhr
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  • Münster
Bauboom

Nachverdichtung in der Stadt

Baulücken und die Überplanung von Kleingewerbeflächen wie hier an der Kurzen Straße gewinnen an Bedeutung für den Wohnungsbau in Münster. Da der Stadtbezirk Mitte besonders begehrt ist, sind Immobilienunternehmen ständig auf der Suche nach bebaubaren Flächen.

Rechts eine Hauswand, links eine Hauswand, davor eine Straße, dahinter ein Innenhof – in Münster gibt es derzeit zahlreiche Baustellen, bei denen auch der Laie erahnen kann, dass das Baustellenmanagement komplizierter ist als im klassischen Neubaugebiet.

Dirk Lohaus, Leiter des städtischen Bauordnungsamtes, möchte zwar nicht von einem Trend sprechen. Eines ist aber schon aufgefallen: „Auf schwierigen Grundstücken passiert heute mehr als früher.“ Exemplarisch nennt er das Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Tibusstraße/Bergstraße. Generationen von Architekturstudenten hätten sich an dieser markant gelegenen Brache abgearbeitet, „jetzt steht dort ein Gebäude“.

Die Lücken schließen, die zweite Reihe bebauen – in innenstadtnahen Lagen drehen sich derzeit sehr viele Baukräne an Stellen, wo man es nicht unbedingt vermutet:

  • An der Schillerstraße entstehen auf einem alten Tankstellengelände zwölf neue Wohnungen. Baustelle an der Schillerstraße
  • An der Warendorfer Straße weicht ein altes Hotel einem Wohn- und Geschäftshaus mit zehn Wohnungen.
  • An der Ecke Lortzing­straße / Ring werden auf dem Gelände eines alten Gewerkschaftshauses elf neue Wohnungen geschaffen.
  • An der Rudolfstraße gibt es eine Lückenbebauung mit 14 Wohneinheiten.
  • An der Kurzen Straße entstehen drei Mehrfamilienhäuser auf dem Gelände eines früheren Autohandels. Baustelle an der Kurzen Straße
  • An der Hammer Straße und dem dahinterliegenden Sebastiankirchweg entsteht ein Gebäudekomplex mit insgesamt 13 Wohnungen. Baustelle an der Hammer Straße

Für Sven Wismann von der WVA GIG Immobiliengruppe in Greven, die an der Schillerstraße baut, ist es schon eine Herausforderung, über die schmale Schillerstraße die Baustelle zu bedienen. Von der Qualität des Standorts in der Nähe des Hauptbahnhofs indes ist der Geschäftsmann überzeugt. Ein privatrechtlicher Vertrag habe geholfen, offene Fragen mit dem Nachbarn zu regeln.

Ständige Absprachen mit der Stadt muss die Firma Ruth treffen, die an der viel befahrenen Hammer Straße aktiv ist. Um die Logistik managen zu können, wurde eine Sondernutzungszone am Straßenrand beantragt, bei Betonarbeiten fahren die Fahrzeuge über den Sebastiankirchweg vor.

Walter Lucas von der Firma GOP, die das Bauvorhaben an der Kurzen Straße betreut, spricht von einer „sinnvollen Nachverdichtung“ in dem Quartier. Die Nachfrage nach Wohnungen in citynaher Lage sei unverändert hoch.

Kommentar
Der Stadtbezirk Mitte ist bei Wohnungssuchenden sehr begehrt. Das hat sich bei Immobilienfirmen herumgesprochen, die sehr genau die Quartiere durchleuchten und buchstäblich nach den Lücken suchen, die bebaut werden können.Derr anhaltende Boom hilft auch, nicht mehr benötigte Flächen für Kleingewerbe einer neuen Nutzung zuzuführen und damit städtebaulich unansehnliche Brachen in zentraler Lage zu vermeiden.Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die allgegenwärtige Nachverdichtung löst auch Ängste aus, weil sich vertraute Sichtachsen ändern. Hinzu kommt, dass Abriss- und Herrichtungskosten sowie die komplizierte Baustellenlogistik die neuen Gebäude teuer machen. Die neuen Anwohner sind meist wohlhabender als die alten.Kurz und gut: Münster braucht Nachverdichtung – aber auch eine politische Debatte über Nachverdichtung.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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