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  • 28.04.2014, 10:44 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Baukultur

Münsters Architekten befürchten in die Sündenbock-Rolle gedrängt zu werden

Das Geld ist knapp, Immobilien sind teuer, da kann in einer Hochpreisregion wie Münster ganz leicht der Ruf nach einem Sündenbock laut werden.

Auf jeden Fall äußerten die regionalen Repräsentanten des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in einem Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten diese Sorge ganz konkret. Etwa im Hinblick auf Bauherren, die wider besseren Wissens im Falle davonlaufender Baukosten öffentlich verkünden, die Berechnungen der beauftragten Architekten sei fehlerhaft gewesen. Vor allem aber wehren sich die Architekten gegen den latenten Vorwurf, dass eine qualitätsvolle Architektur ein Kostentreiber sei, den man in Zeiten knapper Kassen abstellen müsse. „Wenn wir Architektur nur noch ökonomisch definieren, dann wird die Baukultur in Münster leiden“, so Vorstandsmitglied Christian Kuckert. Der münsterische BDA-Vorsitzende Rainer Kresing ergänzt: „In Münster hat es Tradition, die Baukultur zu pflegen. Wenn wir diese Tradition aufgeben, wird das zum Standortnachteil.“

In einer idealen Welt arbeiten Architekten so: Ein öffentlicher oder privater Bauherr lobt einen Architektenwettbewerb für ein Bauvorhaben aus. Der beste Vorschlag gewinnt, der erfolgreiche Architekt erhält den Auftrag. In der Realität aber „beglücken“ Lebensmittel-Discounter oder Imbiss-Ketten die gesamte Republik mit den immer gleichen Gebäuden. Bei Gewerbehallen hat sich derweil eine Systembauweise durchgesetzt, mit der sich BDA-Vorstandsmitglied Stefan Schopmeyer nicht anfreunden kann. „Um viele Gewerbegebiete mache ich einen Bogen.“ Alle BDA-Repräsentanten finden es befremdlich, wenn Fragen der Ästhetik auf dem Wege einer Mehrheitsentscheidung beantwortet werden. Oder gar Erwägungen den Ausschlag geben, die gar nichts mit Architektur zu tun haben.

Hier ein Beispiel, das – wie zu hören ist – in Architektenkreisen heftiges Kopfschütteln ausgelöst hat: Jahrelang gab es eine heftige städtebauliche Debatte, ob auf dem alten Metropolisgelände am Hauptbahnhof ein 45 Meter Gebäude errichtet werden soll. Die Kontroverse ging bis zum Tag der Ratsentscheidung. Doch in der Ratssitzung selbst gab es keine einzige Gegenstimme, weil sich der Investor unmittelbar zuvor bereit erklärt hatte, 25 Prozent der Wohnungen zu einer Nettokaltmiete von maximal 8,50 Euro anzubieten.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

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