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  • 08.04.2015, 09:20 Uhr
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  • Münster / Münsterland
BDA-Vorstand zur Baukultur

Architekten kritisieren „endlose Verfahren“ bei Großprojekten und misstrauische Politik

Eine Verwaltung, die sich im Würgegriff der Politik befindet. Politiker, die in Abwehrstellung gehen, sobald die Worte „Profit“ und „Investor“ fallen. Bauprojekte, die in „endlose Verfahren“ münden – und mit einem schlechten Kompromiss enden: Ungewohnt deutlich hat sich der neue Vorstand eines der einflussreichsten Architekten-Gremien in Münster, des „Bundes Deutscher Architekten (BDA) Münster – Münsterland“, nach seiner Wahl zu Wort gemeldet.

Was sich zuweilen rund um manche Projekte abspiele, sei regelrecht „frustrierend“, beklagt Peter Bastian, der dem neuen BDA-Vorstand (Andreas Heupel, Manuel Thesing und Martin Bondzio) vorsteht.

„Aktuell läuft einiges schief in Münster“, sagt Bastian. Nach seiner Einschätzung haben es Planungsinitiativen zurzeit nicht gerade leicht in der Stadt, seien sie doch unter starker Beobachtung von Politikern, die sich – in ihrer eigenen Einschätzung – als Hüter eines städtebaulichen Konsens in der Bevölkerung verstehen. Die Verwaltung? Fast schon ein Statist. „Sie leistet hervorragende Arbeit“, sagt Bastian. Und ergänzt dann, vielsagend: „Meine Vision ist es, dass sie wieder mehr Einflussmöglichkeiten bekommt.“ Damit innovative Projekte nicht in „endlosen Verfahren“ zu Opfern eines faulen Konsens werden – der „städtebauliche B-Lösungen“ hervorbringe.

Das geplante Hochhaus am Bahnhof sei dafür ein Beispiel. Verwaltung und Gestaltungsbeirat – ein architektonisches Expertengremium – hatten einen höheren Turm für richtig gehalten, doch der sei am Ende von der Politik „zerredet“ worden. Wie auf dem Basar wurde um Geschosse gefeilscht, die Investoren seien von manchen Politikern „wie böse Menschen“ behandelt worden. Ergebnis: die gefürchtete B-Lösung.

Vertrauen in Fachkompetenz der Experten gefragt

„Die Verwaltung braucht Vertrauen“, sagt Martin Bondzio. Der Adressat des Appells ist zu erahnen: die Politik. „Wir haben eine hervorragend besetzte Verwaltung mit hoher Fachkompetenz“, sagt Bondzio. Bastian bezeichnet es als „ausgesprochen frustrierend“, dass manche Politiker Fachleuten „grundsätzliches Misstrauen“ entgegenbringen. Er meint Anzeichen einer „Ideologisierung“ zu erkennen, bei der es geradezu „verpönt“ sei, Experten zu vertrauen.

Bastian hat die Aaseeterrassen entworfen. „Heute würde es schwerer, sie zu bauen“, glaubt er. Die Anti-Stimmung gegen Investorenprojekte sei inzwischen zuweilen „brutal“, auch in Teilen der Bevölkerung.

Doch der neue Vorstand schaut auch kritisch auf den eigenen Stand. Das neue LVM-Hochhaus „tut weh“, da es schlichtweg beliebig sei, ein wirklich schöner Bahnhof sei nicht zuletzt durch eine an der falschen Stelle stehende Radstation blockiert worden.

Immerhin: Stubengasse und Hanseviertel seien Beispiele für gelungene Projekte.

Mit seinen Äußerungen dürfte sich der Vorstand nicht nur Freunde machen. Doch er zeigt sich auch versöhnlich: „Wir wollen mit der Politik das Gespräch suchen“, sagt Bastian. Um gemeinsam das zu erreichen, was sich auch der BDA auf die Fahnen geschrieben habe: die qualitätvolle bauliche Weiterentwicklung der Stadt voranzutreiben.

(Martin Kalitschke, WN)


 


 

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