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  • 08.12.2015, 11:03 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Beauftragte aus NRW in Münster

Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bleibt für Frauen wichtiges Thema

Es ist müßig, so zu tun, als könnten Frauen, die Arbeitslosengeld 2 beziehen, bei passender Kinderbetreuung genauso Vollzeit arbeiten wie die meisten Männer. In der Praxis sind die Rahmenbedingungen des Alltags und die Barrieren in den Köpfen immer noch sehr hoch. Das war Konsens beim Erfahrungsaustausch der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Jobcenter NRW.

Im städtischen Jobcenter Münster trafen sich 30 Frauen aus allen Teilen von Nordrhein-Westfalen, um erfolgreiche Rezepte und Anregungen auszutauschen, wie Frauen in der Arbeitswelt gestärkt werden können.

Umfrage zur Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ist ein Frauenthema und hat sich längst nicht erledigt, auch wenn Arbeitgeber in ihren Betrieben keine ungleiche Behandlung von Frauen und Männern wahrnehmen. Das ergab eine aktuelle Umfrage in Münster und dem Münsterland. 70 Prozent aller Frauen arbeiten nicht in Vollzeit. Die Alternative sind oft immer noch ungeliebte Minijobs. Dabei verfügen 71 Prozent der Frauen in diesen so genannten "geringfügigen Beschäftigungen" über eine anerkannte Berufsausbildung. Und die Minijobberinnen sind am unzufriedensten mit ihrer Arbeit - weil sie sich unterfordert fühlen und weil die Bezahlung schlecht ist. Volkswirtschaftlich ist das bei zunehmendem Fachkräftemangel katastrophal, urteilten die Teilnehmerinnen.

Die Schwierigkeiten, denen sich Frauen mit Arbeitslosengeld 2 gegenüber sehen, sind vielfältig. Dass es organisatorische und energetische Höchstleistungen erfordert, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist bekannt. Nach wie vor, so Referentin Monika Leiking vom Münsterland e.V., bedeuten Kinder ein echtes Beschäftigungshindernis. Verlässliche Betreuung für Unter-Dreijährige wird besser, aber in der Grundschule ist die Absicherung wacklig. Pflegebedürftige Eltern sind offenbar nur für gut drei Prozent der Frauen ein Grund, weniger zu arbeiten.

Mangelnde Akzeptanz in der eigenen Familie

Die mangelnde Akzeptanz in der eigenen Familie hemmt allerdings viele Frauen, sich beruflich stärker auszuleben. In den Köpfen ist die traditionelle Rollenverteilung noch sehr lebendig. Daher stecken Frauen zurück, wenn die Anfahrtswege im ländlichen Raum zu lang sind und die Arbeitszeit aufblähen, wenn das Gehalt nicht stimmt oder die Kinderbetreuung das Einkommen fast vollständig wieder auffrisst. Beim Thema Geld sind besonders alleinerziehende Mütter sensibel.

Viele Unternehmen setzen mittlerweile auf flexiblere Arbeitszeiten, um für Fachkräfte attraktiv zu sein. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht Ausbildungen in Teilzeit, und die Jobcenter unterstützen Erziehende dabei, solche Ausbildungsstellen zu finden. "Es gibt viele gute Beispiele. Wir wollen durch einen landesweiten Austausch erreichen, dass sie sich herumsprechen", unterstreicht Eva-Maria Geißmann. Sie hat als Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters Münster mit ihren Kolleginnen aus dem Münsterland und aus Hamm die Tagung organisiert. Für sie ist es keine Frage: "Arbeitsmarktpolitisch war die Frauenförderung nie so wichtig wie heute."

(Stadt Münster)


 


 

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