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  • 04.11.2013, 15:10 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Berufsausbildung Münsterland

Für jeden Bewerber eine Ausbildungsstelle

Jedem Bewerber im Bezirk der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster stand im Ausbildungsjahr 2012 / 2013 rechnerisch eine Ausbildungsstelle zur Verfügung. Die Bilanz ist jedoch nicht so positiv, wie sie auf den ersten Blick erscheint, denn die Arbeitgeber in der Region meldeten weniger offene Lehrstellen als im vergangenen Jahr. Da sich aber im gleichen Maße weniger junge Menschen als Bewerber um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, standen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz dennoch gut.

Mit 3.882 gemeldeten Ausbildungsstellen verzeichnete die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster im Vergleich zum Ausbildungsjahr 2011 / 2012 im zweiten Jahr in Folge ein sinkendes Lehrstellenangebot. Der Rückgang betrug in diesem Jahr 4,2 Prozent, im Vorjahr waren es 4 Prozent.

„Mit Blick auf die kommende demografische Veränderung ist das sinkende Angebot an Lehrstellen bedenklich“, sagt Sandra Pawlas, stellvertretende Leiterin der Arbeitsagentur Ahlen-Münster. „Offensichtlich ist der Fachkräftebedarf von morgen für manche Unternehmen heute noch kein Thema. Die Erwartung, dass Betriebe den einmaligen doppelten Abiturjahrgang nutzen, um Bewerber mit guter schulischer Vorbildung als Nachwuchskräfte zu gewinnen, hat sich nicht bestätigt“, erläutert Pawlas.

Größter Rückgang an Ausbildungsstellen in Münster

Den größten Rückgang an Ausbildungsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur in Münster. Hier meldeten die Unternehmen und Verwaltungen 116 Plätze weniger als im Vorjahr. Das ist ein Rückgang um 5,2 Prozent. Hingegen sank die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Kreis Warendorf um 53, das sind 2,9 Prozent. Insgesamt 169 Lehrstellen blieben zum Ende des Berichtsjahres am 30. September noch unbesetzt, davon 104 in Münster und 65 im Kreis Warendorf. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Viele Arbeitgeber möchten ihre Anforderungen komplett erfüllt sehen. Kompromisse, wenn Kandidaten beispielsweise nicht in allen Fächern die gewünschte Schulnote mitbringen, werden selten gemacht“, berichtet Pawlas.

Ausbildungsbegleitende Hilfen der Agentur für Arbeit

Um Betriebe zu bewegen, auch Bewerbern mit vermeintlichen Defiziten eine Ausbildung zu ermöglichen, bietet die Arbeitsagentur ausbildungsbegleitende Hilfen. Mehr als 400 Plätze stehen allein in diesem Jahr für unterstützenden Unterricht für Auszubildende zur Verfügung. „Viele Betriebe haben damit gute Erfahrungen gemacht“, unterstreicht Sandra Pawlas. „Mancher, der in der Schule nicht zu den Klassenbesten gehörte, entwickelt sich während der Lehre und erzielt mit etwas Unterstützung einen guten Ausbildungsabschluss.“

Den 3.988 Ausbildungsstellen im Agenturbezirk standen 3.999 Bewerber gegenüber, 243 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Den größten Rückgang an Bewerbern verzeichnete die Arbeitsagentur im Kreis Warendorf. Hier meldeten sich mit 2.301 insgesamt 237 Jugendliche weniger als Bewerber bei der Berufsberatung.

Trend zum höheren Schulabschluss

„Wir nehmen einen zunehmenden Trend wahr, dass Jugendliche direkt einen weiteren Schulbesuch planen, um einen höheren Schulabschluss zu erreichen“, erläutert Pawlas. Und auch von den jungen Menschen, die sich bei der Arbeitsagentur im Kreis Warendorf als Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet haben, besuchten 395, oder 15,9 Prozent eine weiterführende Schule.

Hingegen nahm mit 1.246 Jugendlichen mehr als die Hälfte der Bewerber (54,1 Prozent) einen Ausbildungsplatz an. Ende September waren im Kreis Warendorf noch 48 Bewerber ohne Lehrstelle. Ihnen standen noch 65 Ausbildungsangebote zur Wahl. „Hier ist noch viel Bewegung am Ausbildungsmarkt“, so Pawlas und macht Jugendlichen Mut, sich weiter zu bewerben. „Arbeitgeber stellen auch durchaus noch bis in den November hinein Auszubildende ein“.

In Münster blieb die Zahl der Bewerber nahezu gleich. Hier suchten 1.698 junge Menschen die Unterstützung der Berufsberatung bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle, 6 weniger als im Vorjahr. Auch hier war der Besuch einer weiterführenden Schule für viele eine Alternative. So zogen 169 oder 10 Prozent der Bewerber den weiteren Schulbesuch einer Ausbildung vor.

Hingegen traten 729 junge Menschen eine Ausbildungsstelle an. Das sind 42,9 Prozent aller Bewerber, die sich bei der Arbeitsagentur in Münster gemeldet hatten. Die Zahl der Jugendlichen, die am 30. September noch keine Lehrstelle gefunden hatten, sank um 49,5 Prozent auf 52. „Offensichtlich haben hier die Berufswünsche der Bewerber und das Ausbildungsstellenangebot gut gepasst“, freut sich Pawlas. Auch wer noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche habe, solle jedoch nicht aufgeben. Immerhin standen den 52 unversorgten Bewerbern in Münster noch 104 Lehrstellenangebote zur Verfügung. Rein rechnerisch waren das 1,96 Stellen für jeden Bewerber.

Abiturienten-Ansturm blieb aus

Der große Ansturm an Abiturienten auf den Ausbildungsmarkt blieb allerdings aus. Im Agenturbezirk Ahlen-Münster meldeten sich 755 Schulabgänger mit der allgemeinen Hochschulreife als Bewerber um einen Ausbildungsplatz, 248 oder 48,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Bewerber betrug 18,9 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 12 Prozent aller Ausbildungsplatzbewerber. In der Stadt Münster nahm die Zahl der Abiturienten, die einen Ausbildungsplatz suchten um 62 Prozent auf 426 zu.

Im Kreis Warendorf fiel der Anstieg mit 329 Lehrstellenbewerbern mit Abitur geringer aus. Er betrug im Vergleich zum Vorjahr 34,8 Prozent. „Es haben sich zwar mehr Bewerber mit Abitur bei unserer Berufsberatung gemeldet. Ein Großteil strebt jedoch weiterhin ein Studium an oder sucht Alternativen wie einen Auslandsaufenthalt, einen Au-Pair Aufenthalt oder einen Freiwilligendienst, um die Zeit bis zum Studienbeginn zu überbrücken“, so Pawlas. Einen spürbaren Verdrängungswettbewerb habe es am Ausbildungsmarkt nicht gegeben. Um Abiturienten zu Ausbildung, Studium oder anderen Möglichkeiten zu beraten, hat die Arbeitsagentur Ahlen-Münster die Zahl der Berufsberater für diese Zielgruppe erhöht. 14 Beraterinnen und Berater standen den Jugendlichen mit Abitur oder Fachhochschulreife als Ansprechpartner zur Verfügung.

Weniger Lehrstellensuchende ohne Schulabschluss

„Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen und auf Lehrstellensuche sind, noch einmal zurückgegangen ist“, betont Sandra Pawlas. Im zurückliegenden Ausbildungsjahr waren es 82, und damit 9,9 Prozent weniger als noch im Vorjahr. „Damit auch diese jungen Menschen eine Chance auf einen guten Berufseinstieg erhalten, bieten wir vielfältige Unterstützung an“, erklärt die stellvertretende Agenturleiterin. 56 Plätze für Berufsausbildungen in außerbetrieblichen Einrichtungen ermöglichen es Jugendlichen, einen Berufsabschluss zu erwerben, auch wenn sie keinen Ausbildungsbetrieb gefunden haben. Darüber hinaus bietet die Arbeitsagentur Ahlen-Münster in diesem Jahr 260 Plätze für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, in denen Jugendliche sich orientieren, ihren Schulabschluss nachholen und auf eine Ausbildung vorbereiten können.

Umdenken von Unternehmen gefordert

Für das kommende Ausbildungsjahr fordert Sandra Pawlas ein Umdenken von den Unternehmen: „Bei zukünftig sinkenden Schülerzahlen müssen Betriebe sich verstärkt engagieren und ausbilden, um den kommenden Fachkräftebedarf zu sichern. Ein Weg sei es aus ihrer Sicht, auch Bewerbergruppen eine Chance zu geben, die Arbeitgeber bislang häufig noch nicht als Kandidaten mit in ihre Auswahlverfahren einbezogen haben. „Mit unseren Projekten „Und Morgen Meister“ und „AusBildung wird was – Spätstarter gesucht“ möchten wir bei Unternehmen für auch Kandidaten werben, die schon älter sind und beispielsweise bereits Berufs- oder Studienerfahrung haben. Sie können für den Betrieb wertvolle Erfahrungen mitbringen“. Jungen Menschen rät die stellvertretende Agenturchefin, sich frühzeitig bei der Berufsberatung zu melden und sich auch mit beruflichen Alternativen zum Traumjob zu beschäftigen. „Gute Chancen finden sich häufig auch in sogenannten Nischenberufen“.

(Arbeitsagentur Ahlen-Münster)


 


 

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