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  • 21.09.2012, 13:45 Uhr
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  • Kreis Borken
Betreuungsrechtstage 2012

Von der Entmündigung zur individuellen Hilfe

Die 15. Betreuungsrechtstage im finden im Kreis Borken statt. Haupt- und Ehrenamtliche diskutierten in Ahaus, Bocholt, Borken und Gronau über das Thema Betreuungsrecht.

Vor 20 Jahren löste das Betreuungs- das alte Vormundschaftsrecht ab. An die Stelle der Entmündigung traten individuelle Hilfen, die den Betreuten möglichst große Freiräume lassen. Wie die Reform von damals mit dem Blick von heute zu beurteilen ist, damit haben sich jetzt Haupt- und Ehrenamtliche, Fachleute und Betroffene aus dem Kreis Borken auseinandergesetzt. Im Rahmen der Betreuungsrechtstage, organisiert von der Betreuungsstelle des Kreises Borken, zogen sie Bilanz .

Bei Veranstaltungen in Ahaus, Bocholt, Borken und Gronau diskutierten Richter und Politiker, Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, Wissenschaft und Verbänden wie sich das neue Recht auf den Alltag ausgewirkt hat und wie die Rolle des Ehrenamts noch weiter wachsen kann. Die Abschlussveranstaltung in Ahaus befasste sich mit dem Thema "Altersdiskriminierung", frei nach dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der einmal formulierte: "Im Prinzip ist das Altwerden bei uns erlaubt, aber es wird nicht gern gesehen!" Nach intensiven und teilweise auch kontroversen Diskussionen, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer grundsätzlich einig: Die Reform von damals weist auch heute noch in die richtige Richtung.

Die Zahl der Betreuungen steigt in den vergangenen Jahren stetig an. Im Jahr 2000 standen im Kreis Borken etwa 3800 Menschen unter rechtlicher Betreuung. Zurzeit sind es etwa 6400 Menschen. "Ein Grund für diese Entwicklung ist der demographische Wandel", erklärt der Leiter des Fachbereichs Soziales beim Kreis Borken, Reinhard Groschke. "Die Menschen werden immer älter und die Zahl Demenzerkrankungen steigt." Im Kreis Borken übernehmen 4000 Ehrenamtliche etwa 70 Prozent der Betreuungen. Über die Hälfte dieser Ehrenamtlichen sind Familienangehörige.

Die Förderung und der Ausbau des ehrenamtlichen Engagements in der Betreuung seien unverzichtbar, betonten die Teilnehmer an den Betreuungsrechtstagen. Denn: Ehrenamtliche Kräfte kümmern sich, verglichen mit den hochqualifizierten hauptamtlichen Betreuungspersonen, um deutlich weniger Fälle und haben damit deutlich mehr Zeit für den Einzelnen.

Wer Interesse hat, eine ehrenamtliche Betreuung zu übernehmen, kann sich bei der Betreuungsstelle des Kreises Borken, Burloer Straße 93, 46325 Borken, Tel.: 02861 - 821210, oder bei Bernhard Kerkhoff von der Betreuungsstelle der Stadt Bocholt, Berliner Platz 1, 46395 Bocholt, Tel.: 02871 - 953128, melden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kreis-borken.de/betreuung.

Zum Thema: Betreuungsrecht

Bis zur Einführung des Betreuungsrechts im Jahr 1992 konnten "Geisteskranke", "Geistesschwache", "Verschwender" und "Suchtkranke" entmündigt und unter Vormundschaft gestellt werden. Diese Entmündigung eines Menschen wurde in der Regel von nahen Angehörigen beantragt und - zumeist unter Beteiligung der Staatsanwaltschaft - in einem Entmündigungsverfahren vom zuständigen Vormundschaftgericht beschlossen.

Die Reform des Betreuungsrechts war die Folge eines Paradigmenwechsels in Gesellschaft, Wissenschaft und Politik. Es hat vorrangig zum Ziel, die Rechte Volljähriger, die auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst regeln können, zu stärken. Auch wenn sie einen Betreuer an der Seite haben, behalten sie sämtliche Persönlichkeitsrechte.

(Redaktion)


 


 

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