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  • 18.05.2015, 08:59 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Betriebliches Gesundheitsmanagement

Vorgesetzte können der Gesundheit mehr schaden als ein falscher Bürostuhl

Stephan Bartels hat schon viele Betriebe von innen gesehen. Seine Erkenntnis: „Angestellte werden viel seltener durch ihren Bürostuhl krank als durch ihren Vorgesetzten.“ Der Berater für berufliches Gesundheitsmanagement bei der Techniker Krankenkasse gibt Arbeitgebern Tipps, wie sie die Arbeit für ihre Angestellten gesünder gestalten können. Sein Job ist es nicht, für höhenverstellbare Schreibtische, Massage oder Fitnessstudios zu werben. Sein Job zielt auf die Führungskräfte.

Feedback, Kritik, Lob

„Feedback geben, Kritik üben, loben.“ Er überlegt mit seinen Auftraggebern, welche Werte für sie wichtig sind, ob ihre Mitarbeiter zufrieden sind und wie Mitarbeitergespräche geführt werden sollen. „Das können erschreckend wenig Führungskräfte“, sagt er. Und: „Loben geht für viele gar nicht.“

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin, die sich nach langem Zögern an ihre Vorgesetzte wendet und ihr gesteht, dass sie gerne mehr arbeiten würde, weil sie nicht ausgelastet ist, bekommt die Anweisung, „langsamer zu arbeiten“.

Nach Bartels Worten ist ein gutes Miteinander dort möglich, wo die Werte eines Unternehmen mit den Werten eines Mitarbeiters zusammenpassen. Ist also einem Angestellten ein hoher Verdienst besonders wichtig, dann ist er in einer Bank besser aufgehoben als in der Pflege alter Menschen. Ist das der Fall, dann ist die Basis für ein funktionierendes betriebliches Gesundheitsmanagement gelegt.

Unternehmen wenden sich vor allem aus vier Gründen an Leute wie Bartels:

  • Wirtschaftlichkeit: Fehlzeiten und Fluktuation sollen sinken.
  • Wettbewerb: Mitarbeiter sollen ans Unternehmen gebunden und ihre Motivation soll erhöht werden.
  • Sozialverpflichtung: Unternehmer zeigen Fürsorge und Verantwortung.
  • Image: Arbeitgeber möchten ihre Attraktivität steigern.

Bartels packt es in seine eigenen Worte, um zu beschreiben, warum sich die Chefs an die TK wenden: „Die Leute sollen gerne zur Arbeit kommen und stolz auf ihr Unternehmen sein.“ Dafür lassen sie auch einen externen Berater wie ihn ins Unternehmen.

Familienbetriebe und "atmende Unternehmen"

In der Mehrzahl sind es Familienbetriebe, denen solche Werte wichtig sind. Mit Chefs, die ihren Betrieb als „atmend“ bezeichnen und damit meinen, dass sie regelmäßig Angestellte entlassen und andere einstellen, arbeitet Bartels gar nicht erst zusammen.

Einen guten Eindruck hinterlassen bei ihm dagegen Betriebe etwa mit einer Kantine. Die zeige schon mal, dass ein Unternehmer für seine Angestellten sorge.

Trotzdem scheiden laut TK 28 Prozent der Beschäftigten frühzeitig aus dem Berufsleben aus, weil sie krank werden. 80 Prozent der Firmen erkennen die Vorteile betrieblicher Gesundheitsförderung, jedoch nur ein Drittel (36 Prozent) setzt sie um. Und: Der Ausfall von Mitarbeitern kostet rund 60 Milliarden Euro jährlich. Tendenz: steigend.


 


 

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