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  • 27.07.2015, 09:35 Uhr
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  • Münster
Blackout

Die Stadt bereitet sich auf den Ernstfall vor

Wenn in Münster vier Stunden lang der Strom ausfällt, funktioniert wegen des Ausfall der Sendemasten kein Handy und kein Telefon-Festnetz mehr. Die Stadt bereitet sich auf den Ernstfall vor.

Schon viel früher bleiben Aufzüge stecken, funktionieren Ampeln nicht mehr und können Patienten daheim nicht mehr durch elektrische Sauerstoff- oder Dialysegeräten versorgt werden.

Um für so ein Horror- Szenario besser gerüstet zu sein, wird die Stadtverwaltung in den kommenden Monaten eine lokale Risikoanalyse erstellen. Unter dem Stichwort „Schutz kritischer Infrastrukturen“ soll von der Feuerwehr in einem ersten Schritt flächendeckend erfasst werden, welches Gefahrenpotenzial beispielsweise von Störfallbetrieben wie der BASF oder der Westfalen AG ausgeht, wie sich die Firmen auf einen Ausfall der Stromversorgung gewappnet haben und welche Szenarien denkbar sind.

Stadtrat Wolfgang Heuer: „Ein solcher Zwischenfall trifft den Lebensnerv einer Stadt. Darum müssen wir ein systematisches erarbeitetes Gesamtkonzept für den Notfall in der Schublade haben.“ Aktuell ist die Stelle eines Experten, der die Basisarbeit dafür leisten soll, ausgeschrieben.

Im Herbst wird die Bundesalarm-App "Nina" freigeschaltet

Erste Maßnahmen zur Warnung der Bevölkerung bei drohenden Gefahren für Leib und Leben sind unabhängig von der Analyse bereits eingestielt. Im Haushalt stehen eine Millionen Euro für den Wiederaufbau eines Sirenennetzes zur Verfügung, damit wird 2016 begonnen. Schon im Herbst wird die Stadt als eine der ersten Kommunen in Deutschland die Bundesalarm-App „Nina“ für Smartphones freischalten. Über diese „Sirene in der Tasche“ werden alle Besitzer der kostenlosen Warn-App beispielsweise bei drohenden Unwettern informiert und bekommen Tipps, wie sie sich verhalten können.

Zur Erfassung von möglichen Risiken für die Stadt gehört auch, alle Gefährdungspunkte in Münster unter die Lupe zu nehmen. Heuer: „Das reicht von einer Massenkarambolage auf der A 1 bis zu einer terroristischen Bedrohung beispielsweise des Deutsch-Niederländischen Korps oder des türkischen Generalkonsulats.“

Die Stadt will auch wissen, wie lange sich Krankenhäuser bei einem Stromausfall selbst helfen können, ob Feuerwehr und Hilfsorganisationen netzunabhängig weiter schlagkräftig bleiben, was die Stadtwerke als wichtigster Energieversorger machen können und wie Störfälle in den Griff bekommen werden können.

Von der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren, Vorsitzender des Arbeitskreises für Zivil- und Katastrophenschutz ist Münsters Feuerwehrchef Benno Fritzen, gibt es bereits ein Papier zur Brisanz, Schnelligkeit und Auswirkungen beispielsweise nach Ausfall der lokalen Stromversorgung.

Kommt es zu mehrstündigen Unterbrechungen, gibt es Probleme bei der Treibstoffversorgung wegen Ausfalls der Tankstellen. Landwirte können ihre Tiere nicht mehr versorgen und Brände brechen aus, weil in den Wohnungen mit offenem Feuer hantiert wird. Lebensmittel und Trinkwasser werden knapp und nach 72 Stunden ist Münster nicht mehr in der Lage, ohne überregionale Unterstützung die Lage in den Griff zu bekommen.

Kommentar
Bis vor einem Jahr haben selbst renommierte Klimaforscher es nicht für wahrscheinlich gehalten, dass auf eine Stadt innerhalb weniger Stunden 300 Liter Regen auf einem Quadratmeter fallen können. Und dass Strommasten beim Schneechaos 2005 wie Streichhölzer gleich reihenweise umknicken, war für die RWE-Leute eine bis dahin nicht vorstellbare Chaoslage. Weil die Natur immer verrückter spielt, kann auch niemand seriös vorhersagen, ob es nicht doch bei dem nächsten schweren „Jahrhundert-Unwetter“ innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem länger andauenden, stadtweiten Stromausfall kommt. Die Folgen eines Blackouts eskalieren binnen weniger Stunden, schneiden eine Großstadt vom Lebensnerv ab, zerstören die Kommunikation und gefährden Menschenleben. Deshalb ist es sinnvoll für Münster, die Risikoanalyse zu realisieren. Nur wer weiß, was genau wie lange funktioniert und wo die Schwachpunkte liegen, hat eine Chance, rechtzeitig gegenzusteuern.

(Helmut P. Etzkorn, WN)


 


 

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