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  • 10.06.2015, 11:56 Uhr
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  • Münsterland / Kreis Steinfurt
Bürger-Befragung zum FMO

Eher mehr als weniger Flughafen Münster/Osnabrück

Die Bürger im Kreis Steinfurt wollen eher mehr als weniger FMO, auf jeden Fall aber einen besseren Flughafen, mit mehr attraktiven Zielen, häufigeren Flügen und günstigeren Tickets – und das alles am besten ohne dauerhafte Subventionierung. Das ist das Fazit aus der vom Kreis Steinfurt in Auftrag gegebenen Bürgerbefragung zum FMO.

Die Bürger im Kreis Steinfurt stehen mit großer Mehrheit zum FMO, sind aber unzufrieden mit dessen derzeitiger Leistungsfähigkeit. Das ist das Fazit der FMO-Bürgerbefragung, deren Ergebnisse gestern Abend Dr. Marko Heyse und sein Team von der Forschungsgruppe BEMA der Uni Münster im großen Sitzungssaal des Kreishauses vorstellten.

Landrat Thomas Kubendorff meinte in einer ersten Reaktion: „Abgesehen von der Auto-Anbindung sind die Bürger nicht sehr zufrieden mit dem FMO. In den entscheidenden Punkten wird er als ziemlich schwach bewertet.“ Enttäuscht zeigte sich der Landrat über die Skepsis der Unternehmen: „Hier hätte ich erwartet, dass der FMO für sie eine größere Rolle spielt“. Man müsse nun aber sich mit dem Gutachten im Detail auseinandersetzen.

Ausgewertet hatten die Meinungsforscher 2152 gültige Fragebögen – eine Rücklaufquote von 32,6 Prozent oder bei der parallel erfolgten Unternehmensbefragung von 29,6 Prozent.

Die Kernaussagen der Wissenschaftler

►  Zukunft FMO: Die Mehrheit wünscht sich einen Flughafen, der viele wichtige europäische und außereuropäische Ziele direkt anfliegt; ein gutes Drittel plädiert für einen Flughafen, der nur einige wichtige europäische Ziele und Drehkreuze bedient; für die Schließung des FMO spricht sich nur eine Minderheit von 4% aus.

►  Finanzierung durch die öffentliche Hand: Zusammengefasst sind Kritiker staatlicher Unterstützung stärker als die Befürworter.

►  Finanzierung durch die Nutzer: Eine knappe Mehrheit würde gar keine oder nur geringfügig höhere Preise für einen Flug ab FMO akzeptieren – zugleich sind aber auch fast 50% bereit, zehn Prozent und mehr Aufschlag zu zahlen.

►  Nutzung des FMO: 29% haben in diesem oder im letzten Jahr den FMO das letzte Mal genutzt, weitere 31% in den fünf Jahren davor; der FMO wird etwas häufiger als die großen internationalen Flughäfen genutzt – kleinere Flughäfen spielen kaum eine Rolle.

Faktoren für die Flughafenwahl: Am wichtigsten wird hier die geografische Nähe eingeschätzt – die Anbindung an den ÖPNV hat die geringste Relevanz.

►  Zufriedenheit mit dem FMO: Mit der Verkehrsanbindung, Zuverlässigkeit, Sicherheitskontrollen und Gepäckaufgabe sind die Befragten sehr zufrieden; eher unzufrieden sind sie dagegen mit der Häufigkeit der Flugverbindungen zu anderen Zielen als den Drehkreuzen und v.a. mit der Auswahl der angeflogenen Ziele.

►  Bedeutung des FMO: Die infrastrukturelle Bedeutung des FMO wird von den meisten Befragten positiv bewertet, die ökologischen Folgen werden überwiegend als unproblematisch gesehen, die wirtschaftliche Bedeutung wird als wichtig eingeschätzt und auch in Bezug auf den Imagefaktor für den Kreis Steinfurt finden sich mehr positive als kritische Stimmen, überall sind aber auch negative Einschätzungen deutlich wahrnehmbar.

►  Startbahnverlängerung: Eine knappe Mehrheit (53% vs. 47%) spricht sich dafür aus, das Verfahren abzuschließen, um später die Option einer Startbahnverlängerung zu haben; eine eindeutige Mehrheit ist dies aber nicht.

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung

►  Zukunft FMO: 46% wünschen sich einen Flughafen, der viele wichtige europäische und außereuropäische Ziele direkt anfliegt; 39% plädieren für einen Flughafen, der nur einige wichtige europäische Ziele und Drehkreuze anfliegt.

►  Finanzierung durch öffentliche Hand: Eine knappe Mehrheit sieht staatliche Zuschüsse zum FMO kritisch, dem Argument „FMO Teil der Infrastruktur“ wird weniger zugestimmt als in der BU (38%); zusammengefasst sind die Kritiker staatlicher Unterstützung aber stärker als die Befürworter – wie bei der BU.

►  Finanzierung durch die Nutzer: 40% würden gar keine oder nur geringe höhere Preise für einen Flug ab FMO akzeptieren

►  Nutzung des FMO: Der Flughafen spielt für die Wirtschaft im Kreis eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die großen internationalen Flughäfen wie Düsseldorf. Kleinere Flughäfen wie Weeze spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

►  Bedeutung des FMO: Die Bedeutung des Flughafens für die Region wird hoch eingeschätzt.

►  Zufriedenheit mit dem FMO: Wie bei der Bevölkerungsumfrage gibt es deutliche Unterschiede bei der Bewertung einzelner Aspekte: Die Anbindung mit dem Auto, die Dauer der Sicherheitskontrollen und die Zuverlässigkeit, dass Flüge stattfinden werden positiv gesehen, bei der Auswahl der Ziele und die Zahl der Verbindungen wird dagegen häufig Unzufriedenheit geäußert.

►  Wichtigkeit für das Unternehmen: Für 6% der Unternehmen hat der FMO eine zentrale Bedeutung, für 30% spielt er eine wichtige Rolle; für jedes vierte Unternehmen gar keine Rolle. Dabei ist der FMO für die Unternehmen jedoch weder für die Anwerbung gefragter Fachkräfte relevant noch für das Geschäftsmodell; für die Ansiedlung des Unternehmens war der FMO nur für eine Minderheit der Unternehmen entscheidend.

Auffällig, so Dr. Heyse, sei gewesen, dass viele Bürger eine offene Kommentarfunktion zu Kritik an der FMO-Geschäftsführung genutzt hätten – obwohl danach gar nicht gefragt worden sei.

(Achim Giersberg, WN)


 


 

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