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  • 05.08.2013, 09:09 Uhr
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  • Münster
Chef des Mövenpick-Hotels

Ludwig Theopold und seine Pläne für den Ruhestand

Jahrzehnte verwöhnte Ludwig Theopold als Hoteldirektor die Gäste im Mövenpick-Hotel am Aasee. Darum war seine Zeit für Familie und Freizeit sehr begrenzt. Jetzt ändert sich für ihn einiges, denn der 66-jährige Hoteldirektor geht Ende kommender Woche in den Ruhestand. Dann, verspricht er, werde er seine Frau verwöhnen, die jetzt schon jeden Morgen von ihm einen Kaffee serviert bekommt.

Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit Ludwig Theopold über das berufliche Leben im Hotel, über seine Pläne für den Ruhestand und über seinen Blick auf die münsterische Hotellandschaft.

Gibt es Feinheiten im Mövenpick, die Ihr Nachfolger unbedingt wissen sollte, um nicht von Anfang an in einen münsterischen Fettnapf zu treten?

Theopold: Ich kann mich daran erinnern, als ich vor 30 Jahren kam. Ich bin ja evangelisch, mein Vater ist Pastor, und dann kam ich in das streng katholische Münster. Heute habe ich sehr viele Freunde und Kontakte.

Warum haben Sie Ihren Abschied hinausgezögert?

Thepold: Ich habe überzogen und bin praktisch im letzten Jahr schon ins Rentenalter gegangen. Irgendwann muss Schluss sein, das weiß ich, doch ich wollte noch die letzte Baumaßnahme, den Sauna- und Fitnessbereich und die Erneuerung der Toiletten, abschließen. Der Umbau war mein Baby und steht jetzt kurz vor der Fertigstellung.

Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger?

Theopold: Wichtig ist natürlich, dass er sich so schnell wie möglich inte­griert und Kontakte knüpft und pflegt.

Sie sind für Ihre Bauaktivitäten bekannt. Geht es jetzt zu Hause weiter?

Theopold: Ja wirklich. Die Terrasse werde ich neu machen, das gönne ich mir. Wir haben vor 22 Jahren in Nienberge gebaut, dann wird es Zeit.

Sie sind der Hotelchef in Münster, der am längsten an der Spitze eines Betriebes gestanden hat.

Theopold: Das ist wirklich sehr ungewöhnlich. Viele meiner Kollegen haben in der Zeit viele Stationen hinter sich gebracht. Aber ich war ja nicht nur für Münster verantwortlich, sondern auch für Hotels in Bielefeld, Essen und in Kassel sowie für zwei Betriebe in Holland. Mein Vorteil, dass ich so lange in Münster war, ist die Kontaktpflege – und, dass ich einen Musterbetrieb leiten durfte.

Hat sich in den 30 Jahren Ihres Wirkens die Kundschaft sehr verändert?

Theopold: Die Ansprüche sind anders heute. Vor 30 Jahren war beispielsweise ein Auto mit Klimaanlage noch Luxus, heute nicht mehr. Die Ansprüche haben sich total geändert. Die Gäste sind heute viel mehr informiert durch das Internet und preisbewusster. Sie schauen sich die Bewertungen an, danach buchen sie. Heute geht vieles auch über den Preis.

Was müssen Sie heute für einen Gast tun?

Theopold: Gäste möchten mehr Aufmerksamkeit haben. Unsere Mitarbeiter sind entsprechend geschult, sie reagieren sofort auf „Kleinigkeiten“ oder Sonderwünsche, nehmen sich Zeit für den Gast. Es ist wichtig, dass jeder Gast zufrieden ist. Worüber ärgert man sich denn am meisten? Über Kleinigkeiten und über Unaufmerksamkeiten.

Schlafen Sie ab und zu im eigenen Hotel?

Theopold: Ja, zwei bis drei Mal im Jahr, um das Hotel aus den Augen des Gastes zu betrachten.

Wenn Sie in Urlaub fahren, wo geht es hin? Sind Sie ein Weltenbummler?

Theopold: Nein, im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen bin ich sehr sesshaft. Wir fahren im Herbst in die Sonne und nehmen die kleine Enkeltochter mit. Meine beiden Töchter sind schon über 30. In diesem Beruf habe ich wenig Zeit für meine Kinder gehabt, als sie klein waren. Diese Zeit möchte ich mit den Enkeln nachholen.

Würden Sie einem Fünf-Sterne-Haus in dieser Stadt eine Chance geben?

Theopold: Ich glaube nicht, dass ein Fünf-Sterne-Hotel sich hier tragen wird. Sie brauchen Zimmerpreise, die lassen sich nicht erwirtschaften. Wir haben zahlreiche Vier-Sterne-Hotels. Die Belegung ist gut, aber nicht sehr gut. Wir haben in Münster keine Industrie, wir haben nur Verwaltung und Gewerbe. Große Kunden wie Wyeth Pharma oder die Flughafen-Airliner sind nicht mehr da. Airberlin beispielsweise bucht nur noch eine geringe Zimmerzahl. Ich würde sagen, die Zahl der Hotelbetriebe in Münster reicht.

Würden Sie der Stadt gerne etwas mit auf den Weg geben?

Theopold: Das Stadt-Marketing macht einen ausgezeichneten Job, nur sie leiden unter den fehlenden finanziellen Mitteln. In Münster wird viel, manchmal zu viel diskutiert. Bestes Beispiel sind die Neubauten am Aasee. Heute, egal wen sie fragen, findet der Großteil der Münsteraner, dass der Aasee aufgewertet worden ist. Oder der Zeb-Turm am TÜV. Das sind doch Gewerbesteuerzahler. Aber es wird gesagt, dieser Turm passt nicht ins Bild. Ich finde es ja schön, dass alle das Stadtbild bewahren wollen, aber es muss auch der Blick für Veränderungen da sein. Wofür Münster gelobt wird und Preise bekommt, das muss man pflegen.

(Redaktion)


 


 

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