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  • 29.05.2015, 12:04 Uhr
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  • Münster
Cilian AG

Impfstoff ohne Impfstoffverstärker

Das Biotechunternehmen Cilian in Münster hat ein neues Herstellungsverfahren für Impfstoffe entwickelt. Es soll ohne Impfstoffverstärker wie Quecksilber auskommen. 2023 peilt Cilian die Einführung auf dem europaweiten Markt an.

Läuft alles nach Plan, dann könnte die Cilian AG aus Münster erstmals in der Grippesaison 2023 mit ihrem neuen Impfstoff ohne Impfstoffverstärker auf den Markt kommen. Diesen Zeitraum (zur Definition Zeitraum) peilen der Vorstandsvorsitzende des Biotech-Unternehmens, Gert-Christian Scheiner, und der wissenschaftliche Vorstandsvorsitzende, Dr. Marcus Hartmann, an. Eine Zulassung für Europa, Amerika und Kanada ist das Ziel.

Der Weg scheint geebnet. Dem Paul-Ehrlich-Institut, dem Bundes­institut für Impfstoffe, lag die Entwicklung aus Münster zu einer ersten Beurteilung vor. Die Chancen, den Grippe-Impfstoff zu produzieren, stehen nach Angaben der Cilian-Vorstände gut.

Bis 2023 muss der Impfstoff weiter erprobt, dann zugelassen und produziert werden. Außerdem, betont Gert-Christian Scheiner, bemühten sie sich parallel um Investoren. In Münster, kritisiert der Amerikaner, sei die Haltung gegenüber Start-ups eher distanziert.

20 Millionen Euro für Start-up-Unternehmen aus Münster

Dabei seien rund 20 Millionen Euro, so schätzt der 53-Jährige, bis heute in die Entwicklung des münsterischen Start-up-Unternehmens geflossen. Neben rund drei bis fünf Millionen Euro als EU-Fördergelder und Investitionen von Partnern beteilige sich seit 2006 als Haupteigentümer mit Sebastian Schneberger ein münsterischer Geschäftsmann maßgeblich an der Entwicklung. Er habe das Potenzial erkannt, freut sich Scheiner.

Der Cilian-Vorstand Scheiner selbst kommt aus der Pharma-Branche und pendelt zwischen Amerika und Deutschland. Seit vier Jahren ist der Kaufmann , der in New Jersey ein Beratungsunternehmen betreibt, bei der Cilian AG engagiert. Dr. Marcus Hartmann ist dagegen als wissenschaftlicher Vorstand vor Ort.

Wimperntiere statt Hühnereier

Er erläutert die Entwicklung der Forschung: Während herkömmlicher Impfstoff seit 50 Jahren auf der Basis von Hühnereiern produziert wird, verwendet Cilian Wimperntierchen. Damit könnten Diskussionen über Nebenwirkungen beendet werden, wirbt Scheiner. Hartmann zählt die Pluspunkte für ihre Entwicklung auf: kein Quecksilber, keine Lösungsmittel, kein Antibiotika, keine Impfstoffverstärker, eine schnellere Produktion und geringere Herstellungskosten. Scheiner glaubt an eine realistische Chance ihrer Entwicklung. Die Industrie werde langsam aufmerksam.

Cilian AG
Das Start-up-Unternehmen Cilian wurde 2001 von Wissenschaftler der Uni gegründet. Das Team beschäftigt sich neben der Entwicklung von Grippeimpfstoff mit der Entwicklung von Enzymen, die eingesetzt werden, wenn die Bauspeicheldrüse nicht funktioniert. Außerdem erforscht Cilian Antikörper für die Behandlung von Krebs. Das Unternehmen hat seinen Sitz am Johann-Krane-Weg und beschäftigt 14 Mitarbeiter.

(WN)


 


 

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