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  • 07.04.2014, 09:01 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Dach-Sanierung

22.000 handgeformte Ziegel für den Erbdrostenhof

100 Stufen geht es auf den Gerüstleitern hoch, dann entschädigt ein toller Blick über die Innenstadt für den Aufstieg. Ungewöhnliche Perspektiven eröffnen sich vom Erbdrostenhof. Bis Mitte des Jahres wird das Dach des Adelshofes an der Salzstraße saniert.

Die Maßnahme war eigentlich nicht vorgesehen, aber bei den vorausgegangenen Fassadenarbeiten entdeckten die Fachleute auch auf dem Dach große Mängel. Viele der Pfannen, die seit der Nachkriegszeit das Dach des Schlaun-Gebäudes bedecken, wiesen Risse auf, waren teilweise abgebröckelt und abgeplatzt. Die Angst davor, dass Feuchtigkeit durchdringen könnte, wuchs.

950.000 Euro sind für die Sanierung des Erbdrostenhof-Daches veranschlagt, 200.000 Euro übernimmt davon die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die schon mit 250.000 Euro an der Fassadenrestaurierung beteiligt war, erklären Landesrätin Judith Pirscher und Architekt Martin Fischer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Dieser ist vertraglich bis zum Jahr 2057 für das Gebäude an der Salzstraße, das unter Denkmalschutz steht, zuständig.

Architekt Bernhard Mensen kümmert sich mit den Fachleuten vom LWL um die Sanierung. „Eine Probedeckung war die beste Entscheidung“, sagt Bernhard Mensen. Viele Probleme, die sie nur erahnt hätten, seien dabei aufgedeckt worden.

Hohe Handwerkskunst

Das Dach des Erbdrostenhofes sei etwas Besonderes, sagt Judith Pirscher. „Standardlösungen gibt es nicht.“ Die Landesrätin spricht von hoher Handwerkskunst, die erforderlich sei. Die geschwungenen Linien des Daches finden sich in den Ziegeln wieder, die jetzt bis zum Sommer auf einer Fläche von rund 1.500 Quadratmetern verlegt werden. Mensen spricht von konkaven und konvexen Flächen, also von Flächen, die sich nach innen und nach außen wölben.

Das milde Wetter trägt dazu bei, dass die Dachdecker flott vorankommen. Selbst für Handwerksgesellen wie Oliver Zschernitz und Björn Deneke, die schon viele Dächer gedeckt haben, ist der Erbdrostenhof mitten in der Stadt eine besondere Baustelle. Da bleibt keine Zeit für den Ausblick. Die Profis haben dafür aber immer das Wetter im Blick, vor allem dann, wenn die sensiblen Flächen über dem Festsaal mit seinen Malereien gedeckt werden.

Handgefertigte Dachziegel

Die Ziegel, die die Mitarbeiter der Firma Kleinwechter und Bröker verlegen, sind extra für den Erbdrostenhof angefertigt worden. „In Deutschland gibt es nur noch zwei Betriebe, die so etwas können“, sagt Architekt Bernhard Mensen. Die Verantwortlichen haben sich für die Märkische Keramik-Manufaktur in Görzke entschieden, die in Deutschland schon viele Denkmalgebäude eingedeckt hat.

In dem Betrieb werden die an einem Strang gepressten Ziegel in zwei Tunnelöfen bei rund 1100 Grad gebrannt. Mensen spricht von einem reinen Kohlebrand, der für das Farbspiel auf dem Dach sorgen wird. Jeweils 2000 Ziegel kann die Manufaktur in einem Rutsch herstellen, der 14 Tage dauert, bevor die Ziegel sortiert ausgeliefert werden. In Münster hievt ein Kran die mehr als eineinhalb Kilogramm schweren Ziegel in etwa 22 Meter Höhe. Jeder Einzelne wird auf die Dachlatten geschraubt, da kann der nächste Sturm kommen.

Das Dach wurde aber auch gedämmt und mit einer doppelten Hinterlüftung ausgestattet. „Was die Mitarbeiter in den Büros unterm Dach schon spüren“, freut sich Judith Pirscher.

Vier Kamine, 16 Gauben und alle Blitzableiter werden im Zuge der Sanierung erneuert. Trotz des Pensums genießen Judith Pirscher, Martin Fischer und Bernhard Mensen noch den Ausblick.

Da rückt die Dominikanerkirche neben die Lambertikirche. Das Neubauensemble auf dem Alten Fischmarkt gleicht einer Sprungschanze. In der Nachbarschaft taucht ein Türmchen auf, von dem man nicht weiß, auf welchem Haus es steht.

Geschichte des Erbdrostenhofs

Der dreiflügelige Adelshof wurde zwischen 1753 und 1757 erbaut und ist ein Meisterwerk des Barockarchitekten Johann Conrad Schlaun. Er baute das Gebäude diagonal auf das verhältnismäßig kleine Eckgrundstück an der Salzstraße und gewann damit Platz für die Fassade des repräsentativen Stadtpalais, das der Erbdroste Adolph Heidenreich Freiherr Droste zu Vischering in Auftrag gegeben hatte. Der Zugang zum Haus erfolgt durch einen Ehrenhof mit dreieckigem Grundriss.Haupt- und Glanzstück des Erbdrostenhofes ist der Festsaal über dem Mittelbau. Der Erbdrostenhof wird heute vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) genutzt.

(WN)


 


 

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