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  • 08.06.2015, 10:12 Uhr
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  • Münster / Hamburg
Deutsche Transportbranche

Ölpreis stützt Spediteure kurzfristig - steigende Insolvenzen 2016 erwartet

Der derzeitig niedrige Ölpreis verschafft der deutschen Transportindustrie trotz der Negativeffekte durch den Mindestlohn kurzzeitig eine Verschnaufpause und ein minimales Plus bei den Unternehmensmargen um 0,1 Prozent auf durchschnittlich 2 Prozent. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes.

Mit wieder anziehenden Rohölpreisen schlagen die höheren Personalkosten bei den deutschen Truckern im kommenden Jahr jedoch auf die Gewinnmargen durch, die dann wieder auf 1,8% sinken. Deshalb er-wartet Euler Hermes 2016 bereits wieder leicht ansteigende Insolvenzzahlen auf 1.740 Fälle (2015: 1.690 Fälle). Die Transportbranche verzeichnet im Vergleich zu ihrem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 5% überproportional viele Insolvenzen. 7,2% aller Insolvenzen in Deutschland entfallen laut der Prognose von Euler Hermes im laufenden Jahr auf die Branche, 2016 gehen die Ökonomen von 7,5% aus.

Dunkle Wolken ziehen auf - Kostenanstieg trifft Kleinbetriebe besonders hart

"Ölpreis- und Mindestlohneffekt wiegen sich derzeit auf - 2016 ist damit jedoch schon wieder Schluss", sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. "Wir gehen davon aus, dass der durchschnittliche Ölpreis im kommenden Jahr von 63 US-Dollar pro Barrel auf rund 75 US-Dollar ansteigt. Das trifft insbesondere die Klein- und Kleinstbetriebe hart. 99% der deutschen Transportunternehmen sind kleine und mittelständische Unternehmen - knapp 70% haben sogar weniger als neun Mitarbeiter. Das bedeutet, der Wettbewerb steigt nochmals deutlich an, denn sie haben keine Marktmacht und Möglichkeit steigende Kosten weiter zu geben. Der eine oder andere wird dies nicht durchhalten - zumal die Kapital-decke in den kleinen Betrieben oft dünn ist."

Outsourcing der großen LkW-Spediteure drückt Margen, zunehmend Konkurrenz aus Polen

Die großen LkW-Spediteure profitieren von diesem extrem fragmentierten Markt. Von mehreren tausend Lastwagen in ihren Diensten besitzen sie oft nur zwanzig oder dreißig selbst und kaufen ansonsten von günstigen Subunternehmern die Transportdienstleistungen ein. Die steigende Konkurrenz (zur Definition Konkurrenz) durch osteuropäische Spediteure verschärft den Kostendruck auf Kleinunternehmen weiter. Durch die Möglichkeit der Kabotage, dem Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb der Europäischen Union (EU), gewinnt insbesondere Polen seit Jahren massive Marktanteile. Noch sind die deutschen Trucker führend in der EU mit 305.744 Mt/km im vergangenen Jahr. Im Gegensatz zu den polnischen Spediteuren (Platz zwei in Europa mit 247.595 Mt/km) verlieren sie jedoch Marktanteile und werden zunehmend auf den Binnenmarkt zurückgedrängt. Beim Straßentransport macht der Heimmarkt für deutsche Logistiker heute bereits 84% aus. Der internationale Anteil sank zwischen 2010 und 2013 um 19%.

Zweiklassengesellschaft in der Speditionsbranche

Zweiklassengesellschaft: kleine Spediteure kämpfen teilweise ums Überleben, große mit 6% Marge "Letztlich sehen wir in der Speditionsbranche eine Zweiklassengesellschaft: zum einen viele kleine Spediteure, die zum Teil kaum eine Marge von 1% erreichen und deshalb häufig ums Überleben kämpfen, und zum anderen Logistikanbieter, die komfortable Margen von bis zu 6% erreichen", sagte Dirk Hagemann, Fachbereichsleiter Risikoüberwachung bei Euler Hermes. "Ihr Erfolgsrezept sind eine höhere Wertschöpfung über die einfache Transportdienstleistung hinaus und größere Netzwerke. Zudem ist Flexibilität hier ein wichtiger Faktor, um Kapazitäten jederzeit dem volatilen Markt anzupassen, beispielsweise über Lea-singverträge. Die reine Dienstleistung können viele anbieten, die Markteintrittsbarrieren sind niedrig. Mit komplexeren Services und einem Mehrwert können die deutschen Spediteure aber sowohl der osteuropäischen Konkurrenz die Stirn bieten als auch ihre Margen und ihren Marktanteil halten."

(Redaktion)


 


 

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