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  • 01.04.2014, 10:04 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Einstweilige Verfügung

Ärger um GPS-Ortung beim DRK-Blutspendedienst

Streit beim Blutspendedienst: Für den effektiven Transport von Blutspenden und -proben nutzt das DRK in seinen Fahrzeugen GPS-Ortungs- und Telematik-Systeme. Der Betriebsrat ging nun gerichtlich dagegen vor - ein solches Ortungssystem sei ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter.

Von Mün­ster aus gehen täglich rund 1.000 Blutkonserven auf die Reise. In fünf Autos des DRK-Blutspendedienstes West werden sie zu Patienten transportiert. Lebensrettendes Blut. „Wir können uns da keine Verzögerungen erlauben,“ stellt Spendedienst-Sprecher Friedrich-Ernst Düppe klar. „Erhält ein Patient das Blut nicht rechtzeitig, gibt es Todesfälle zu beklagen.“

Am Montag jedoch sorgte ein Gerichtsbeschluss dafür, dass ein Auto nicht starten konnte. Der Hintergrund: Querelen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat , die in den vergangenen Jahren bereits in tarifrechtlichen Fragen aneinander geraten waren. Am Freitag aber ging es um etwas anderes: Da untersagte das Arbeitsgericht Münster der Geschäftsleitung qua einstweiliger Verfügung, GPS-Ortungs- und Telematik-Systeme zu nutzen.

Seit Januar ist ein damit ausgestattetes Au­to für den Transport von Blutspenden und -proben in Münster stationiert. Als eines von fünf. Ein weiteres steht in Breitscheid. Was fehlte, war laut Betriebsratschef Eduard Traxmandl-Runge die vorherige Zustimmung der Interessenvertretung der Belegschaft. Dies verstoße gegen das Betriebsverfassungsgesetz . „Ein solches Ortungssystem ist ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter“, moniert der Gewerkschafter.

Betriebsrat erwirkt einstweilige Verfügung gegen GPS-Ortung

Spendedienst-Sprecher Friedrich-Ernst Düppe betont hingegen: Der „Entwurf einer entsprechenden Betriebsvereinbarung“ habe dem Betriebsrat zwei Monate lang vorgelegen. „Eine Reaktion kam nicht.“ Dessen ungeachtet ordnete das Arbeitsgericht nun an, gesammelte Positions- und Bewegungsdaten sowie sämtliche Auswertungen zu vernichten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Zwangsgeld von bis zu 20.000 Euro.

Düppe für seinen Teil ist vom Sinn des neuen Systems überzeugt. „Hier geht’s ja nicht darum zu kontrollieren, ob die Fahrer bei der Freundin vorbeifahren.“ Vielmehr verfüge es über zwei wertvolle Komponenten. Zum einen werde die Temperatur in den Kühlzellen über neueste Technik kontrolliert – „was gesetzlich vorgeschrieben ist“. Bisher wurde das von sogenannten Temperaturloggern übernommen: Beim Absacken oder Ansteigen der Temperatur schickten die Faxmeldungen ans Zentrum. „Und das musste dann dem Fahrzeug hinterhertelefonieren und gucken, was los ist“.

Die zweite Komponente, das Ortungssystem mittels GPS, dient laut Düppe „dem Ziel, besser disponieren zu können“. Ruft auf der Tour eine Arztpraxis an mit der Bitte, noch eine Konserve abzuholen, sehe die Zentrale auf einen Blick: Welches Fahrzeug ist am nächsten? „Heute muss der Disponent wiederum dem Fahrer hinterhertelefonieren.“ Das neue System helfe, Fahrzeuge nicht unnötig kreuz- und quer zu schicken und Kosten zu sparen. Dem widerspricht Betriebsratschef Traxmandl-Runge. „Es gibt vier feste Routen, die Fahrzeuge werden morgens beladen – sollte zwischendurch etwas sein, ruft man den Fahrer einfach auf dem Handy an.“ Dafür brauche man kein GPS.

Wie Claudia Müller, Sprecherin beim Blutspendedienst West in Münster, sagt, sei das neue System beim niedersächsischen Blutspendedienst ohne Probleme eingeführt worden. Da das GPS im neuen Fahrzeug nicht so einfach habe ausgeschaltet werden können, musste am Montag „umorganisiert werden“.

(WN)


 


 

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