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  • 06.06.2014, 09:25 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Ende der Amtszeit

Wolfgang Kirsch verlässt nach acht Jahren den LWL

Ende des Monats wird Wolfgang Kirsch als Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe verabschiedet. Mit seiner Arbeit prägte er eine ganze Region.

Acht Jahre hat der ehemalige Stadtdirektor von Wipperfürth, Oberkreisdirektor und Landrat von Warendorf in seiner Funktion als Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe nun für die Finanzierung der Menschen mit Behinderung, für das LWL-Museum und die Droste-von-Hülshoff-Stiftung gekämpft, hat sich gegen ein Bild in Schulbüchern gewehrt, durch das Gründer eines Start-up-Unternehmens denken müssen: „Ich kann doch nicht nach Westfalen gehen. Die rennen doch da noch in Klotschen rum.“

Noch-LWL-Direktor Wolfgang Kirsch hat sich immer als Kämpfer für die Interessen der Westfalen gesehen. Der Landschaftsverband sei die letzte politische Klammer in Westfalen-Lippe. „Wenn der Landesdirektor nicht für diese Interessen argumentiert und kämpft, wer soll es denn dann tun?“, fragt er.

1.500 Arbeitsplätze in 150 Integrationsbetrieben

Glücklich ist Kirsch darüber, dass der LWL 1.500 Arbeitsplätze in 150 Integrationsbetrieben geschaffen hat. Er möchte Menschen mit einer Beeinträchtigung die Chance geben, über spezielle Werkstätten hinaus einen Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Zur Inklusion meint er: „Entscheidend ist, wie wir dem einzelnen Kind eine bestmögliche Startchance ins Leben geben.“ Viele Kinder bräuchten den Schutzraum einer Förderschule.

Seit dem Ende der kommunalen Doppelspitze 1999 sieht Kirsch „die Menschen da draußen“ als seine Chefs. Das Amt hat es ihm nicht leicht gemacht, diesem eigenen Anspruch gerecht zu werden. „Als ich Landesdirektor wurde, war ich von den Menschen ganz weit weg. Sehr weit. Anders als meine Mitarbeiter.“ Um die Nähe zu den Menschen zu bewahren, habe er möglichst viele Menschen in Werkstätten oder Heimen besucht. „Ich wollte die Menschen sehen, die uns anvertraut sind, und sie nicht nur in Akten erleben.“ Kirsch betont aber auch, dass er die Zeit als direkt gewählter Landrat nicht missen möchte.

260 Millionen Euro mehr Schulden

Missen würde Kirsch gerne die Einsicht, dass der LWL während seiner Amtszeit 260 Millionen Euro mehr Schulden gemacht „Das ist ein Ergebnis, auf das ich nicht stolz bin, sondern das ich mit Sorge sehe“, meinte er. Nötig sei das gewesen, damit die Umlage, die die Kreise und kreisfreien Städte für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe zahlen, nicht wuchs. Kirsch betonte, dass er sich in den Debatten mit seinen Vorschlägen nicht habe durchsetzen können. „Wir haben dadurch den Spielraum für die Zukunft verringert“, beklagt er.

Deswegen verlangt er, dass sich der Bund mehr an der Eingliederungshilfe beteiligt. Deren Kosten steigen jedes Jahr um 80 Millionen Euro. Deswegen habe er nie erwogen, an den 75 Millionen Euro für die Kultur zu sparen. „Selbst wenn ich alle 17 Museen dichtgemacht hätte und die Westfälische Kommission und den Westfälischen Heimatbund hätte kaputtgehen lassen, hätte ich nur die Steigerungsrate der Eingliederungshilfe von einem Jahr gespart. Kirsch: „Mit mir nicht.“

Pläne für die Zukunft

Mit ihm plant dagegen die VKA RWE Westfalen. Kirsch wird einer von zwei Geschäftsführern des „Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre“ und dienstags und donnerstags in Dortmund arbeiten. Dienstbeginn: 1. Juli – ein Tag nach seinem letzten Arbeitstag beim LWL.

Interview mit Wolfgang Kirsch

(Stefan Werding, WN)


 


 

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