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  • 16.05.2013, 11:51 Uhr
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  • Münster-Coerde
Ende des Branntwein-Monopols

Viele Brennereien stehen vor dem Aus

Seit 1811 wird auf dem Hof Ashölter, damals Gut Kalthoff, Korn gebrannt. Heute gibt es alten Münsterländer Korn, Kassebetten, Wacholder, Doppelkorn und Doppelwacholder. Spirituosen, die bis nach Ostwestfalen treue Abnehmer gefunden haben. Jetzt wird die alte Brenn-Tradition auf Hof Ashölter wohl enden.

Denn das deutsche Branntwein- Monopol läuft auf Beschluss der EU am 30. September für alle 680 landwirtschaftlichen Verschlussbrennereien aus. Das Monopol vergibt Brennrechte an landwirtschaftliche Betriebe, deren Anlagen mit Plomben verschlossen werden.

Damit lohnt sich das Brennen kaum noch, viele deutsche Brennereien stehen wohl vor dem Aus. „Die Hälfte des Gewinns fällt für unseren Betrieb weg“, schätzt Willi Ashölter.

500.000 Hektoliter reinen Alkohol durften die 680 landwirtschaftlichen Brennereien produzieren. Gegen die Großen der Branche haben sie auf dem freien Markt kaum eine Chance. Die kauften Zuckerrohrsprit in Brasilien für 30 Cent, zahlten zehn Cent für die Überfahrt und 20 Cent für die EUAußenzölle – alles pro Liter gerechnet, erläutert Willi Ashölter. Für 60 Cent pro Liter Alkohol zu produzieren, das funktioniere nur in Großbetrieben. Aber auch nur dann, wenn das Getreide nicht mehr als 12 bis 13 Euro koste – im Moment koste es über 20 Euro pro hundert Kilo. Die Größten der Branche produzierten bis zu 3,5 Millionen Hektoliter pro Jahr.

Ein Traditionsbetrieb mit geschlossenem Produktionssystem

Willi und Jutta Ashölter brennen seit 30 Jahren – davor waren es Vater, Großvater und Urgroßvater der Familie. Seit 1850 laufen die Spirituosen aus der Altbauerschaft Coerde unter dem Namen Ashölter.

Vom Korn im Boden bis zum Korn in der Flasche stammt alles vom Hof am Ashölterweg. Es ist ein geschlossenes System: Das Getreide wächst auf eigenen Feldern; die eiweißhaltige entalkoholisierte Maische, die Schlempe, wird an die 150 Bullen verfüttert; Mist und Gülle werden auf eigenen Flächen ausgebracht.

Am 30. September endet das Brennjahr – und die Produktion nach dem bisherigen Status. „Dann werden wir für uns auf Halde brennen“, sagt Willi Ashölter. Für sich selbst zu brennen, das war bisher auf einem subventionierten Betrieb nur möglich, wenn die Subventionen dem jeweiligen Umfang entsprechend zurückgezahlt wurden. Wenigstens das ist in Zukunft einfacher. Wahrscheinlich wird wohl alles ein bisschen teurer – das schreckt treue Kunden hoffentlich nicht.

Ashölter steht unter Denkmalschutz

Die Brennerei Ashölter steht aus architektur-, technik-, hof- und wirtschaftsgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz. Das zweigeschossige, teilunterkellerte Gebäude wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. 1910 brannte das Gebäude ab und wurde mit Veränderungen von Norbert Ashölter wieder aufgebaut, dem Urgroßvater von Willi Ashölter. In der Brennerei mussten die Innenwände ab dem ersten Obergeschoss erneuert werden. Die Raumaufteilung blieb unverändert, aber die Giebel entstanden neu in der Fachwerkkonstruktion. Während des Produktionsprozesses wird die Schwerkraft genutzt: Das Korn wandert vom Dachboden in den Maischbottich bis in den Gärkeller. Stärke muss in Zucker umgewandelt werden, damit Hefe aus dem Zucker Alkohol und Kohlensäure machen kann. Zum Triticalemehl im Vormischbottich, das mit Wasser angesetzt wird, kommen ein Verzuckerungsenzym und Hefe hinzu. Die Maische bleibt drei Tage in den Gärkesseln, dann kann sie im Rohbrenngerät abgebrannt werden.

(Katrin Jünemann)


 


 

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