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  • 05.05.2015, 13:10 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Entscheider in Westfalen

Interview mit Dr. Georg Lunemann - Kämmerer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

Dr. Georg Lunemann ist seit dem 1. April 2015 Erster Landesrat und Kämmerer beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Der 47-Jährige stammt aus Olfen und wechselt aus dem Amt des Gelsenkirchener Stadtkämmerers zum LWL.

In seiner achtjährigen Amtszeit ist Lunemann Stellvertreter von LWL-Direktor Matthias Löb und verantwortet einen Haushalt von derzeit 3,1 Milliarden Euro.

Herr Dr. Lunemann, was haben Sie sich für Ihre Amtszeit als Kämmerer vorgenommen?

Dr. Georg Lunemann: Die größte Herausforderung ist ohne Zweifel das Thema der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Hier ist es nach einem sehr langen Anlauf endlich gelungen, dass die große Koalition die finanzielle Problematik auf die Tagesordnung gesetzt hat. Nun geht es darum auszuloten, wie die Finanzierung der Behindertenhilfe mit der Entwicklung eines Bundesteilhabegesetzes und dem Auslaufen des Solidarpaktes verbunden werden kann. Meine wichtigste Aufgabe dabei ist darauf zu achten, dass die Kommunen unterm Strich nicht die Verlierer dieser Diskussion werden.

Welche weiteren Schwerpunktthemen wollen Sie setzen?

Mir ist es wichtig, gemeinsam mit LWL-Direktor Matthias Löb deutlich zu machen, dass der Verband vielfältige Aufgaben für die Region hat, die auf einem sehr hohen Niveau erbracht werden. Darüber hinaus ist der LWL eine gute Plattform, um als Impulsgeber, Sprachrohr und Dienstleister auch neue Aufgaben wahrzunehmen. Es wird immer viel von kommunaler Zusammenarbeit gesprochen. Wir setzen sie täglich um, und wir wollen noch mehr tun.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, ein bestimmtes Projekt sofort umzusetzen - welches wäre das?

Es geht bei meiner Arbeit selten um ein bestimmtes individuelles Projekt. Mir ist es wichtig, eine nachhaltige Basis für alle Projekte zu finden, die hier auf den Weg gebracht werden. Die Landschaftsversammlung hat beschlossen, dass der LWL weiter sparen muss. Dabei gilt es zu entscheiden: Was ist wichtig, was ist weniger wichtig. Im Anschluss müssen solche Entscheidungen dann transparent kommuniziert werden, damit alle Beteiligten Planungssicherheit haben.

In Zeiten klammer Kassen: Welche kulturellen Aufgaben kann sich der LWL in Zukunft noch leisten?

Für mich ist die Kultur kein Spartopf. Man muss sich vor Augen führen: Selbst wenn der LWL seine komplette Kultursparte streichen würde, entspräche die Einsparung gerade einmal der Kostensteigerung in der Behindertenhilfe für ein Jahr. Mir ist es wichtig, die Kultur im Verband auf einem hohen Niveau zu erhalten. Große Neuinvestitionen - zum Beispiel für ein neues Museum - wird es allerdings in absehbarer Zukunft nicht geben.

Sie sind von Gelsenkirchen nach Münster gewechselt - zwei Städte, die nahe beieinanderliegen, und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Wie kann es gelingen, dass benachteiligte Kommunen in Westfalen nicht den Anschluss verlieren?

Gelsenkirchen ist in eine Situation mit vielen kritischen Sozialdaten geraten, weil sich in den letzten Jahren immer mehr Großunternehmen verabschiedet haben. Die Zukunftsfähigkeit einer Stadt steht und fällt mit den Arbeitsplätzen. Wenn eine Stadt innerhalb von 30 Jahren 100.000 Arbeitsplätze verliert, ist das nicht mehr Strukturwandel, sondern schlicht und einfach ein riesiges Problem. Deshalb muss es darum gehen, die Infrastruktur für Bildung und Beschäftigung auszubauen.

(Westfalen heute)


 


 

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