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  • 30.12.2013, 12:38 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Erbschaft

Nachlassverwalter suchen oft Erben

Eine Erbschaft kann wunderbar sein. Jedenfalls dann, wenn sie zu keinem Streit in der Familie führt und so umfangreich ist, dass sich damit Wünsche erfüllen lassen. Nachlassverwalter wie Dr. Falk Schulz aus Münster kennen jedoch auch ganz andere Fälle. Und oft genug müssen sie akribisch suchen, um Erben aufzuspüren. Manchmal recherchieren sie dafür in der ganzen Welt, stöbern in Archiven und Kirchenregistern.

Testamente hat Dr. Falk Schulz in den 15 Jahren, in denen er als Nachlasspfleger arbeitet, praktisch schon an jedem Ort gefunden. Zwischen vergilbten Liebesbriefen im Kleiderschrank, in Tresoren, unter Betten, in Kisten und in Schreibtischschubladen. Manchmal auch in Bankschließfächern, zu denen der münsterische Fachanwalt für Erbrecht allerdings niemandem raten würde.

„Ein Bankschließfach ist denkbar ungünstig, wenn niemand eine Vollmacht für dieses Schließfach hat“, meint Schulz. Bis eine Genehmigung zur Öffnung des Hochsicherheitsfachs vorliegt, kann mehr Zeit verstreichen, als den Erben lieb ist.

Die Kanzlei des Anwalts ist ungewöhnlich. Das beginnt schon bei der für Kanzleien erstaunlichen Ruhe, die in den Fluren und in den Büros mit der gediegenen Holzvertäfelung herrscht. Publikum betritt selten diese Räume. Schulz und seine sieben Mitarbeiter recherchieren in aller Stille, wenn sie Erbschaften abwickeln, die oft voller Fallstricke und Komplikationen sind. „Unsere Fälle“, sagt der Anwalt beziehungsreich, „sind so vielschichtig wie das Leben selbst.“

Da ist beispielsweise die Nachlasspflegschaft für das Erbe einer Frau, das Schulz seit sieben Jahren beschäftigt. Die begüterte ältere Frau ist in den 1940er Jahren in Tschechien zur Welt gekommen. Schulz musste herausfinden, ob, wann und wo ihre Großeltern Kinder bekommen haben und wo die Nachkommen gegenwärtig leben. Der Nachlasspfleger fand schließlich drei Erben, die von Tschechien nach Schweden ausgewandert waren.

Über das Erbe haben sie sich zweifellos gefreut. Die Verstorbene besaß zwei Eigentumswohnungen in Münster und Aachen und hatte in Belgien auf mehreren Konten 33.000 Euro geparkt. In Nizza lagert ein noch viel interessanterer Betrag. 250.000 Euro, über die die Erben sicherlich gern verfügen würden. Das französische Erbrecht jedoch unterscheidet sich von dem deutschen.

2015 soll eine einheitliche Erbrechtsverordnung in Kraft treten

„Bei uns müssen wir praktisch bis zu Adam und Eva ermitteln, um die Erben ausfindig zu machen.“ Schulz hat die Vollmachten der Erben übersetzen lassen und „korrespondiert intensiv“ mit den französischen Gerichten. In Fällen wie diesem hofft er auf das Jahr 2015, in dem eine einheitliche Erbrechtsverordnung für die Europäische Union in Kraft treten soll.

Dabei ist es gerade die detektivische Arbeit, die den Nachlasspfleger besonders reizt. In den vergangenen Jahren hat er immer engmaschigere Netzwerke aufgebaut, kennt Archive und Kirchenregister, die allesamt wichtig sind bei der Suche nach den Erben. Dass er selbst und seine Mitarbeiter mehrere Sprachen sprechen, erleichtert die Recherche erheblich.

Seine persönliche Bilanz liest sich gut. „Unsere Lösungsquote liegt bei 90 Prozent“, sagt Schulz. In einem Fall korrespondiert der Münsteraner, der zugleich Vorsitzender des Bundes Deutscher Nachlasspfleger ist, mit 63 Erben, die in Deutschland, Schweden, Kanada und den Niederlanden leben.

Zu solchen Zahlen kann es in kinderreichen Familien ohne Weiteres kommen. Interessant dürfte das Erbe trotz der vielen Begünstigten für jeden Einzelnen sein. Der 41-Jährige spricht von einer „erheblichen sechsstelligen Summe“.

Nur ein Viertel hat ein Testament

Dass Schulz so häufig akribische Recherchen anstellen muss, hat einen einfachen Grund. Nur ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen stellt ein Testament auf. Schwierig wird es, wenn die Suche nach den Erben weltweite Dimensionen annimmt. Das ist oft genug der Fall, wenn sich die Familie verzweigt hat und Geschwister und Nachkommen in andere Länder ausgewandert sind. „Passagierlisten zu bekommen ist vergleichsweise leicht.“

Was dann kommt, setzt jedoch Wissen und Erfahrung voraus. „Die USA haben kein Meldewesen wie wir.“ Das muss erst einmal entschlüsselt und beherrscht werden. Schulz reizt gerade dies: „Wenn man nicht weiterkommt, muss man überlegen, welche anderen Recherchequellen möglich sind.“ Bloß nicht aufgeben.

(WN)


 


 

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