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  • 14.07.2014, 10:45 Uhr
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  • Borken - Raesfeld
Erdkabel

Netzbetreiber Amprion verlegt unterirdische 380 kV-Leitung in Raesfeld

Begeisterung klingt anders: „Die grundlegende Skepsis gegen Erdkabel bleibt“, sagt Johannes Röring. Der Präsident des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Amprion, der in Raesfeld die bundesweit erste 380 kV-Leitung im Erdreich und nicht in Tunneln verlegt.

„Ein Fazit kann man aber erst am Schluss ziehen“, sagt Röhring. Und der Schluss, dass muss nicht das Ende der Bauarbeiten sein. Denn Erfahrungen, wie sich so ein Kabel auf die Pflanzen auswirkt, die darüber wieder einmal wachsen sollen, die gibt es kaum. Strom für vier Millionen Menschen wird durch insgesamt acht Kabel fließen, die auf einer Strecke von 3,4 Kilometern in zwei Vierergruppen 2,15 Meter tief in die Erde verlegt werden. 30 Millionen Euro kostet das. Das Siebenfache einer Freilandleitung.

„Wir glauben, mit dem ausgehandelten Bodenschutzkonzept das Schlimmste verhindert zu haben“, sagt der WLV-Präsident. Insofern habe das Projekt Pilotcharakter für die künftige Verlegung von Leitungen in landwirtschaftlichen Nutzflächen. Eine einmalige Entschädigungszahlung von sechs Euro je Quadratmeter haben die Landwirte bekommen. Wenn es regnet, wird die Baustelle stillgelegt zum Schutz der Böden. Zahlreiche andere Absprachen sollen den Landwirten Sicherheit geben.

Während viele Bürger die Erdkabel als Ersatz für Hochspannungsleitungen positiv sehen, machen sich die Landwirte Sorgen. „Es fließt grüner Strom durch die Kabel. Die Verlegung des Kabels wird aber als Eingriff in die Natur und Landschaft gewertet und muss durch Naturschutz-Ausgleich kompensiert werden“, sagt Röring. Damit würden die Landwirte nicht nur durch die Baustelle belastet, in Raesfeld ist sie 42 Meter breit und geht quer durch die Felder, sondern auch dadurch, dass durch den Natur-Ausgleich zusätzliche Fläche für die Landwirtschaft verloren geht. Dafür könne der Netzbetreiber nichts, der WLV wehre sich aber dagegen.

Über die Kabel soll der aus Windkraft erzeugt Strom aus dem Norden in die Ballungszentren gebracht werden

„Insgesamt investieren wir 4,5 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren in den Netzausbau“, erklärt Ludger Meier von der Amprion GmbH. Das Erdkabel in Raesfeld gehört zu einer Verbindung von Nord nach Süd, von Meppen nach Wesel, die extrem wichtig ist, um den aus Windkraft erzeugten Strom aus dem Norden in die Ballungszentren zu bringen. Die Trasse ist insgesamt etwa 100 Kilometer lang, rund 90 davon sind Freileitungen, die anderen werden als Erdkabel geplant. 250 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, die zehn Kilometer Erdkabel 100 Millionen Euro. Das Teilstück in Raesfeld soll Mitte 2015 fertig sein.

Wie sich die Kabel auf den Pflanzenwuchs auswirken, ist bisher noch wenig bekannt und wird mit Spannung erwartet. „Wir werden hier über mehrere Jahre Feldversuche machen“, berichtet ein Sprecher des WLV. Die acht Kabel werden so überwacht, dass jederzeit Temperatur und Bodenfeuchte messbar sind. „Die Kabel sind im Durchschnitt 35 Grad Celsius warm. Sie können bis 50 Grad Celsius warm werden“, sagt Ludger Jungnitz von Amprion. Ob die magnetischen Felder des Kabels Auswirkung auf den Pflanzenwuchs haben, wisse er nicht. Jungnitz: „Es gibt keine Erfahrungen damit.“ Der WLV macht sich Sorgen um eine Erwärmung des Bodens. All das muss langfristig untersucht werden.

(WN)


 


 

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