Weitere Artikel
  • 21.05.2013, 09:06 Uhr
  • |
  • Münster
Fabrikunfall von Bangladesh

Textilabkommen als Chance für Arbeiterinnen in Asien

Seit 18 Jahren kämpft die Christliche Initiative „Romero“ aus Münster im Rahmen der Initiative für saubere Kleidung für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter in Asien. Nach der Katastrophe von Bangladesh haben die ersten Unternehmen einem Textilabkommen zugestimmt - ein Wendepunkt.

Thomas Krämer scheint selbst erstaunt darüber zu sein, wie schnell nach dem Fabrikunfall von Bangladesch über 30 Handelsunternehmen einem verbindlichen Schutz von Textilarbeitern in Bangladesch zugestimmt haben. Mit dem Geschäftsführer von „Romero“ sprach WN-Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel.

Ist das Textilabkommen wirklich ein Durchbruch?

Krämer: Ja. Das ist definitiv ein Wendepunkt und keiner diesen kurzfristigen Erfolge, der mit der Betroffenheit durch den Fabrikeinsturz endet. Das Ganze hat im vergangenen Jahr begonnen – ebenfalls nach einem Fabrikunfall. Damals unterzeichneten nur zwei Organisationen, darunter Tchibo. Alles drohte im Sand zu verlaufen. Jetzt, nach dem neuerlichen Unfall, sind innerhalb weniger Tage über 30 Firmen zusammengekommen, darunter die meisten großen Handelsketten.

Wo liegt der inhaltliche Wendepunkt?

Krämer: Es sind damit gleich mehrere weitgehende Schritte verknüpft. Die Handelskonzerne übernehmen endlich Verantwortung für die von ihnen eingekauften Textilprodukte. Bislang haben sie die Verantwortung immer auf die Zulieferer abgeschoben. Zum zweiten stellen sie Geld zur Verfügung, damit sich der Arbeitsschutz verbessert. Zum dritten verlangen sie, dass den Beschäftigten vor Ort eine wichtige Kontrollfunktion über die Arbeitsbedingungen eingeräumt wird. Besonders für die Gewerkschaften ist das ein Durchbruch.

Es handelt sich aber um eine Selbstverpflichtung und nicht um ein Gesetz. Wie kann man die Realisierung kontrollieren?

Krämer: Es ist eine Selbstverpflichtung, ja. Aber sie ist juristisch bindend, und das ist der große Unterschied. Es gibt nun Verträge, die einklagbar sind. Zur Frage der Kontrolle: Sie erfolgt von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Die Regierung hält sich dort also ganz heraus?

Krämer: Ja, sie kooperiert eher mit den Fabrikunternehmern als dass sie mithilft, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Wird die Kontrolle funktionieren?

Krämer: Ja, denn Gewerkschaften und NGOs sind international vernetzt, werden unterstützt. Fast 1.000 Zulieferefirmen in Bangladesch sind von dem Abkommen betroffen. Wichtig ist, dass die lokalen Initiativen durch das Abkommen nicht mehr machtlos sind.

Haben auch einige Firmen nicht unterzeichnet?

Krämer: Ja, zum Beispiel adidas. International weigern sich von den Großen noch GAP und Wallmart. Wir denken aber, dass die Bewegung jetzt so stark ist, dass auch sie bald mitmachen werden. Die Markenhersteller haben sich nach der Katastrophe in Bangladesch nicht so in der Kritik gesehen. Viele haben bereits eigene Aktivitäten gestartet. Doch wenn auch Aldi unterzeichnet, versteht man wirklich nicht, warum teure Marken wie adidas mit zu hohen Kosten etc. argumentieren. Da ist nun eine Schwelle überschritten worden.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Krämer: Es ist wichtig, dass das Abkommen auf andere Länder ausgedehnt wird. Ich denke an China, Kambodscha etc.. Außerdem stehen bislang nur Fabrikgebäude im Fokus. Hier wird sich einiges ändern. Es gibt aber noch Schwachstellen bei der gerechteren Bezahlung und beim Einkaufsverhalten der Handelsunternehmen. Bislang standen bei ihnen hier nur niedrige Preise und schnelle Lieferung im Vordergrund. Das führt ja gerade zu den schlechten Arbeitsbedingungen.

Wird das Abkommen die Textilpreise in die Höhe treiben?

Krämer: Man muss sich vor Augen halten, dass die Arbeitskosten für die Näher nur bis zu drei Prozent der Verkaufspreise ausmachen. Selbst wenn sie sich verdoppeln, ist das kein großes Problem. Außerdem steigt das Interesse an gerecht gehandelter Ware. Es ist immer mehr Leuten wichtig, dass nicht nur in speziellen Shops sondern auf dem Massenmarkt Mindeststandards gelten ohne Menschenrechtsverletzungen. Das geht auch ohne großen Preissprung.

Was können Verbraucher tun, die gerecht einkaufen wollen?

Krämer: Wir haben zum Beispiel einen „Labelguide“ herausgegeben, der bei der Vielzahl von Siegeln Orientierung gibt. Wir führen regelmäßig Informationskampagnen durch. Es ist eine Frage der Einstellung – von Handelsunternehmen und von Verbrauchern.

(Claudia Kramer-Santel)


 


 

Thomas Krämer
Arbeiterinnen
Bangladesch
Asien
Handelsketten
Abkommen
Fabrikunfall
Gewerkschaften
Textilabkommen
Wendepunkt

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Thomas Krämer" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: