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  • 27.06.2014, 10:04 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Fachkräfteumfrage

Arbeitgeber im Münsterland haben Frauen zu wenig im Blick

Resigniertes Kopfschütteln nach dem Bewerbungsgespräch? Für Daniela Nathaus nichts Neues. Bis 15 Uhr ist ihre Tochter im offenen Ganztag untergebracht, danach springt der Vater ein. 24 Stunden Betreuung quasi. „Und doch werde ich oft gefragt: Wie flexibel können Sie schon sein als Mutter?“, erzählt die Sozialpädagogin. Ihre Wahrnehmung: Die Tatsache allein, dass Kinder da sind, ist für Arbeitgeber eine Hürde.

Die Emsdettenerin ist nur eine von 852 Frauen aus der Region, die der Münsterland e.V. im Frühjahr genau dazu befragt hat. „All diese Frauen haben eine Adresse, die wir nicht kannten – deshalb sind wir froh, dass sie an unserer Online-Umfrage teilgenommen haben“, sagte der Vorsitzende Klaus Ehling am Donnerstag bei der Präsentation der Ergebnisse in Münster.

„Arbeitslandschaft Münsterland“ heißt das Projekt, das als Teil der NRW-Initiative zur Fachkräftesicherung aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird. Phase eins galt Arbeitgebern und ihrem Fachkräftebedarf. Phase zwei widmete sich der „stillen Reserve“ Frau. Mit welchen Qualifikationen stehen Frauen dem Arbeitsmarkt gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung? Was sind die Gründe?

Projektleiterin Monika Leiking nahm ein zentrales Ergebnis vorweg. „Arbeitgeber haben die Ressource Frau zu wenig im Blick.“ Daher werde man im Herbst 2014 bei Unternehmen nachhaken, wie man die Erfahrungswerte beider Gruppen besser verknüpfen könne. Der Wille zu Fortbildung und zu mehr Einsatz sei von Seiten vieler Frauen da, das hat die Umfrage gezeigt.

Die Region lässt ein großes Potential weiblicher Arbeitskräfte ungenutzt

Von den 852 Befragten arbeiten 70 Prozent nicht vollzeit. Gründe sind Familie und – gerade bei Grundschulkindern – unzureichende Betreuung. Obwohl 71 Prozent der geringfügig Beschäftigten eine Berufsausbildung besitzen, haben gerade die Älteren eigenen Angaben zufolge keine andere Arbeit gefunden. Ihr Anteil ist in den Münsterland-Kreisen besonders hoch, während Münster einen hohen Anteil hoch qualifizierter Frauen aufweist. Dort stehe man berufstätigen Müttern überdies po­sitiver gegenüber als auf dem Lande. „Einen Klebeeffekt“ hat Friedrich-Wilhelm Meyer vom sozialwissenschaftlichen Institut Gebit bei Minijobberinnen ausgemacht. Obwohl viele gern mehr arbeiten würden, hingen sie seit sieben Jahren im Job fest. Fazit: Die Region lasse ein großes Potenzial weiblicher Arbeitskräfte ungenutzt. „Wir haben familienfreundliche Strukturen aufgebaut“, so Thomas Kranz aus Oelde, der in seinem Statikbüro 15 Frauen beschäftigt. Er nehme ihnen die Scheu, nach Jahren der Pause wieder einzusteigen. „Denn viele fürchten, nicht mehr up to date zu sein.“ Ist ein Kind mal krank , „wird bei uns nicht diskutiert, sondern umdisponiert“, so Kranz. Seine Mitarbeiterinnen seien gut organisiert und hielten jede Frist ein. „Mit denen zu arbeiten, ist ein Traum.“

(WN)


 


 

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