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  • 25.06.2014, 14:15 Uhr
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  • Münsterland / Mettingen
Familienunternehmen

Coppenrath & Wiese steht zum Verkauf

Lange Tradition, guter Name, hohes Ansehen, Top-Marke, Premium-Produkte – so was kann man nur ganz selten kaufen. Jetzt zum Beispiel: Coppenrath & Wiese wird veräußert. Die Familie hat das entschieden. 400 Millionen Euro Jahresumsatz, der Laden gesund bis zum geht nicht mehr – die Investoren, sie werden sich die Finger lecken.

Geschäftsführer Andreas Wallmeier (51) hat gestern auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten die Verkaufsabsichten bestätigt. Die Gesellschafter (vier Mitglieder der Familie Coppenrath) haben am Montag dieser Woche getagt, haben intern diskutiert und einstimmig entschieden: Wir verkaufen. „Das Management und auch der Betriebsrat wurden umgehend über die geplante Transaktion informiert“, sagt Cowi-Chef Wallmeier.

Wie geht es weiter? Und an wen wird verkauft? Auf die Kernfragen gibt es noch keine endgültigen Antworten: „Wir werden in den nächsten Wochen mit einem kleinen, sehr kleinen Kreis von ausgesuchten Investoren verhandeln“, sagt Wallmeier. Mit diesen offenkundig nach bestimmten Kriterien handverlesenen Investoren (alle sind informiert; die Konzerne Dr. Oetker und Nestlé dürften dazu gehören) soll über die Veräußerung gesprochen werden.

Andreas Wallmeier betont im Gespräch, dass bei dem anstehenden Millionen-Geschäft auf zwei inhaltliche Punkte besonderer Wert gelegt werden soll: „Die Absicherung der Mitarbeiter steht an erster Stelle!“ Zudem wird von zentraler Bedeutung sein, dass die „positive Firmenkultur des Miteinanders erhalten bleibt.“ Belegschaft, Geschäftsleitung und Eigentümer, sie pflegen traditionell ein gutes, menschlich nahes und kooperatives Miteinander. So soll es bleiben!

Und eine Hängepartie soll der nun beschlossene Verkauf auch nicht werden: „Wir wollen diese Transaktion kurzfristig abschließen“, sagt Wallmeier. Und schiebt hinterher, dass monatelanges Hin und Her den über 2.200 Mitarbeitern auch nicht zuzumuten wäre.
Auch wenn man „gut miteinander kann“ bei Coppenrath & Wiese, „so ganz glücklich waren wir nicht. Und das haben wir auch deutlich kundgetan“, das sagt der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Karl-Heinz Hukriede. Zusammen mit einem Vertreter der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hat der Betriebsratschef bei einem Gespräch mit den Cowi-Gesellschaftern von dem beschlossenen Verkauf erfahren.

Oberstes Ziel: Arbeitsplätze und Standorte sichern

Aber: Mit dem Blick auf die Zukunft es gibt viel Wichtigeres als Befindlichkeiten. Und so beantwortet Hukriede zwei Fragen jeweils ganz kurz: Muss man sich bei Coppenrath & Wiese Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen? Hukriede sagt: „Nein!“ Ebenso deutlich ist Antwort Nummer zwei: Muss man sich Sorgen machen um die Standorte Mettingen und Osnabrück-Atter? „Noch mal Nein“, sagt der Betriebsratschef.

Und er zählt auf, worum es bei den Verkaufs-Verhandlungen noch gehen wird: Haustarif, Betriebsrat, Betriebsvereinbarungen und die betriebliche Altersversorgung erhalten. „Und die Geschäftsführung soll ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen können“, fordert Betriebsrat Hukriede. Sie können eben gut miteinander bei Cowi. Es ist wohl – auch – das Geheimnis des Erfolges.

Übrigens: Noch im Monat Mai dieses Jahres war ein Verkauf von Cowi in das Reich der Sage verwiesen worden. Cowi sollte ein reines Familien-Unternehmen bleiben, so hieß es auch noch bei der jüngsten Betriebsversammlung im März 2014. Das hat sich nun innerhalb weniger Wochen um 180 Grad gedreht: Nun ist der Verkauf beschlossene Sache. Wer der Käufer von Cowi sein wird, darüber gibt Geschäftsführer Andreas Wallmeier noch keine Informationen preis. In jüngsten Berichten wurden sowohl die Konzerne Dr. Oetker als aus Nestlé als Interessenten für einen Ankauf genannt.

Infos zum Unternehmen

Coppenrath & Wiese, größter Hersteller von tiefgekühlten Torten, Kuchen und Backwaren in Europa
Gründung: 1975
Familienunternehmen, vier Gesellschafter aus der Familie Coppenrath
Umsatz in 2013: Rund 378 Millionen Euro, vier Mio. mehr als 2012
Mitarbeiter: ca. 2.250, davon 1.900 am Produktionsstandort in Mettingen

Grundstücksfläche Mettingen: 250.000 Quadratmeter; Produktionshallen 100.000 Quadratmeter
550 verschiedene Produkte, z.B. Brötchen (drei Millionen Stück täglich); Sahnetorten, Backwaren; Desserts und Kleinteile, Strudel, Blechkuchen
Exportanteil: 26 Prozent; Export in über 20 Nationen, darunter USA, Neuseeland, europäische Länder

(Peter Henrichmann, WN)


 


 

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