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  • 11.06.2013, 09:00 Uhr
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  • Münsterland
Flughafen Twente

Ziviler Flugbetrieb soll bis 2016 starten

Die ersten zivilen Flüge sollen spätestens im Jahr 2016 auf dem alten Militärflugplatz im niederländischen Twente starten. Nachdem das Airport-Projekt Ende 2012 tot zu sein schien, will der Investor Dik Wessels, Chef der Reggeborgh-Groep, das jetzt ermöglichen.

Da gibt es etwas in der niederländischen Region Twente, das hätte der Grevener Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) auch liebend gerne: eine fast neue 3.000-Meter-Startbahn – und den uner­schüt­terli­chen Optimismus, hoch hinauszuwollen. „Spätestens 2016 starten wir auf dem alten Militärflugplatz mit dem zivilen Betrieb“, sagt Leo van der Ree, Chef der Flughafen-Entwicklungsagentur ADT. Ziemlich große Worte sind das, wenn man bedenkt, dass das Projekt vor sechs Monaten quasi vor dem Aus stand.

Im Dezember musste ADT bekanntgeben, dass die Ausschreibung ohne Angebot zu Ende gegangen war. Zu groß schien das Risiko, in Twente Millionen zu versenken. Dann kam Dik Wessels.

50 Millionen Euro für die Sanierung geplant

Anfang dieses Jahres meldete sich der Unternehmer aus dem benachbarten Rijs­sen mit einer Ansage. Da niemand den Flughafen bauen wolle, werde er es eben tun. „Das kam völlig überraschend“, erinnert sich van der Ree. Wessels setzt mit seiner Reggeborgh-Groep Milliarden um; wenn ihm eines keine Sorgen bereitet, dann ist es Geld. 50 Millionen Euro veranschlagt ADT, um den 2007 aufgegebenen Airport wieder startklar zu machen. Viel ist das nicht. „Wir haben das Glück, über einen Großteil der Infrastruktur zu verfügen“, sagt van der Ree.

Einen Flughafen bauen ist das eine, ihn zu betreiben etwas Anderes. Das soll künftig der Dritte im Bunde übernehmen: das Unternehmen Aviapartner mit Sitz in Brüssel. Aviapartner ist ein international aufgestellter Flugzeugabfertiger, aber kein Flughafen-Betreiber. „Die haben aber Erfahrung“, sagt van der Ree und lächelt nonchalant. Vor 14 Tagen hat das neue Trio einen Konzessionsvertrag geschlossen.

In der vergangenen Woche haben der niederländische Staat, die Provinz Overijssel und die Stadt Enschede ihren Segen dazu gegeben. 49 Jahre lang dürfen Reggeborgh/Aviapartner den Flughafen und das dazugehörige Gewerbegebiet nutzen. Staat, Provinz, und Stadt belohnen deren Engagement mit fünf Mil­lionen Steuer -Euro. Kein Wunder: Die Ar­beitslosigkeit in der Region liegt bei zwölf Prozent. Und ADT lockt mit der Vision, dass der Flughafen bis zu 2.500 neue Jobs schaffen könnte.

Sorgen beim FMO

Auf dieser Seite der Grenze ist die Sorge groß. Der knapp 60 Kilometer von Enschedeliegende FMO undseine Gesellschafter reagieren jedoch so, wie man auf ein Schreckgespenst reagiert: Sie reden es klein – und sich selbst groß. Twente werde nie schwarze Zahlen schreiben, der Flughafen in Greven sei seit 40 Jahren am Markt und setze ein starkes Angebot dagegen, heißt es.

Nur: In den Niederlanden interessiert das niemanden. „Selbstverständlich sind wir bald Konkurrenten“, sagte ADT-Sprecherin Fieke Krikhaar. Und ihr Chef verweist mit einem Lächeln auf den Businessplan, nach dem in den ersten fünf bis zehn Jahren kein Geld verdient werde. Mit einem Dik Wessels im Rücken ist das auch gar nicht nötig.

Klein anfangen, langsam wachsen, Zuversicht und ei­ne niedrige Gewinnschwelle haben: Daraus schöpft ADT Hoffnung. Bis zu einer Million Passagiere will der Flughafen anfangs pro Jahr generieren. „Unser Break-Even-Point liegt knapp darunter“, sagt van der Ree.

Selbst die ersten Fluggesellschaften stehen dem Vernehmen nach bereit: Angeblich will der Touristik-Konzern TUI mit seinen niederländischen Töchtern Arkefly und Transavia in Twente durchstarten. Transavia ist eine Billig-Airline wie Ryanair, die seit ein paar Tagen in Greven abhebt.

Zwei Fragen an Nol Graas, Bürgerinitiative gegen den Flughafen Twente

Was meinen Sie, klappt das Flughafen-Projekt diesmal?

Nol Graas: Die Frage ist schwer zu beantworten. Meiner Meinung nach liegt die Chance, dass der Flughafen Twente in zwei Jahren zivil genutzt werden wird, inzwischen bei 50 Prozent. Nachdem sich der Staat, die Provinz Overijssel und die Stadt Enschede erneut mit fünf Millionen Euro beteiligen, ist das Projekt nur noch in Brüssel zu stoppen.

Inwiefern ist die EU an dem Verfahren beteiligt?

Nol Graas: Gegebenenfalls durch ein sogenanntes Beihilfeverfahren. Das heißt: Brüssel prüft, ob es sich bei den insgesamt rund 18 Millionen Euro, die bislang aus Steuermitteln in den Ausbau des alten Militärflugplatzes geflossen sind, nicht um versteckte Subventionen handelt. Wäre das so, könnten die EU das Projekt möglicherweise aufhalten.

(Elmar Ries)


 


 

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