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  • 19.11.2013, 07:59 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Forschung

Welt-Toiletten-Tag am 19. November - größeres Bewusstsein für die Toilette

Professor Franz-Peter Schmickler von der Fachhochschule Münster erfoscht mit seinen Studenten in Steinfurt das perfekte Abwasser-Leitungssystem für die Wunderwerke in den heimischen Bädern.

Wer bei Prof. Franz-Peter Schmickler studiert, der wird zwischendurch schon mal kompakte Würstchen schnüren müssen. Aus Kunstdarm, Mullbinden, Zwirn, Metallringen – und getreu der DIN-Norm EN 997. Diese „Prüfkörper“ werden durch transparente Leitungen geschickt – und mit neongrünem Wasser von dannen gespült. Für den Professor des Steinfurter FH-Fachbereichs „Energie, Gebäude, Umwelt“ eine gute Möglichkeit, Spülungssysteme fürs WC zu simulieren.

Ganz klar, Schmick­lers Studien haben Alltagsbezug. Verstopfen Hygiene-Tücher die Leitungen? Kommt man auch mit weniger Wasser aus? Und: Bis zu welchem Rohr-Durchmesser ist ein „Durchkommen“ möglich? Fakt ist, „Feststoffe müssen wie ein Boot eine Handbreit Wasser un­term Kiel haben“, so der Fachmann. Kaum jemand ahne, wie viel Technik in ei­nem schnöden Spülkasten steckt – dass jedes Ventil nach aktuellen Normen geprüft ist etwa. Schmick­ler und Studiendekan Tobias Ausländer wünschen sich da ein größeres Bewusstsein für die Wunderwerke im heimischen Bad. „Das Gemeine ist: Die Technik verschwindet hinter der Wand“, so Ausländer. „Die Menschen interessieren sich für ihren Spülkasten erst, wenn der kaputt ist.“ Dabei forschen Hersteller sage und schreibe zehn Jahre, bis sie einen auf den Markt bringen. Am liebsten würden die beiden Dozenten deshalb in Kindergärten durchsichtige Abwassersysteme installieren – „damit sich die Jüngsten mal damit auseinandersetzen“.

Toiletten mit dem iPhone bedienen

Wasser ist ein kostbares Gut, der richtige Umgang damit von hohem Wert für die Gesundheit. Jeder kennt seinen individuellen Stromtarif aus dem Eff­eff. Kaum einer indes denke darüber nach, wie viel Wasser und Abwasser kosten. „Rund vier Eu­ro pro Kubikmeter“, kommt die Antwort von Schmick­ler: „Wir hier in Deutschland sind die teuersten, schlicht, weil die Anforderungen so hoch sind.“ Auch in Bezug auf Abwassersysteme. So hat Schmickler im Jahr 2000 die Selbstreinigungsfähigkeit von Leitungen erforscht. Doch geht es dem 55-Jährigen nicht nur um Technik allein, sondern um ästhetische Aspekte. Der Toilettengang als Wellness-Erlebnis sozusagen. Im Kommen sind da Neuheiten wie Dusch- und Wasch-WCs, die berührungslos funktionieren. In Japan sind sie bereits gang und gäbe. Europa aber tut sich noch schwer mit Duscharm und Luftabsaugung von unten. „Bei uns kostet das derzeit bis zu 8000 Euro – Luxus also.“

Irgendwann aber, nickt Schmickler, werde man die Toilette vom IPhone aus bedienen können. Auch eine Spülung mithilfe von UV-Licht sei denkbar. Jüngster Höhepunkt seiner Forschung sind psychoakustische Messungen am WC. Sprich, herauszufinden: „Kann man unangenehme Geräusche – wie Pfeifen etwa – abstellen, die von Ventilen produziert werden?“

Weg vom Tabu, hin zum gesellschaftsfähigen Thema: Unterm Strich möchten die Forscher sanitären Räumen zum besseren Ansehen verhelfen. „Toiletten sind Visitenkarten“, stellt der Professor klar. „Man braucht sie jeden Tag – nicht nur an Weihnachten.“

Weltoilettentag

Auf Vorschlag Singapurs hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 24. Juli 2013 einstimmig den 19. November zum Welt-Toiletten-Tag erklärt. Als solcher wurde der Tag erstmals 2001 von der Welttoi­lettenorganisation ausgerufen. Hintergrund ist das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung – was gesundheitliche und sozio-ökonomische Folgen hat. Die Welttoilettenorganisation veranstaltet seit 2001 jährlich auch den World Toilet Summit. 2006 fand diese Begleitveranstaltung zum Welttoi­lettentag in Bangkok statt. Das Motto: „Happy Toilet, Healthy Life“. Der Welttoilettentag soll Verantwortliche in Politik und Wirtschaft wachrütteln, Tabus brechen und darauf hinweisen, dass das Toilettenproblem für einen Großteil der Menschheit nicht gelöst ist.

(Redaktion)


 


 

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