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  • 11.11.2013, 09:17 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Forum von Gesunheitsregionen und IHK

Unternehmen setzen auf „Standortfaktor medizinische Versorgung“

Rollende Arztpraxen, Patienten-Shuttles, engere Zusammenarbeit mit den Apotheken, telemedizinische Angebote oder das Delegieren ärztlicher Leistung auf Pflegedienste: Dort, wo die medizinische Versorgung flächendeckend wegbricht – im ländlichen Raum nämlich –, müssen neue Lösungen her.

Für ebensolche zu werben, holten am Freitag am FMO in Greven die Gesundheitsregionen Euregio, Münster und Osnabrück-Emsland, die IHK Nord Westfalen und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim die Beteiligten an einen Tisch. Ärzte und Unternehmer aus der Region, Vertreter von Forschungseinrichtungen und Kommunen, sie alle diskutierten die medizinische Versorgung als Standortfaktor.

„Was sagt ein Bürgermeister den Bürgern, wenn die Gemeinde – wie im Kreis Borken bereits an der Tagesordnung – keinen Hausarzt mehr hat?“, stellte Dr. Karl-Heinz Schnieder, Vorstandsmitglied der Gesundheitsregionen, eine der zentralen Fragen in den Raum. Wie junge Mediziner in Gegenden „hineinmotivieren“, die weitab der Ballungszentren nur wenig kulturelle Freizeitangebote vorhalten? Zwar seien Unternehmen bislang nur unmittelbar betroffen. Sobald indes der erste „qualifizierte Mitarbeiter eines Pflegefalls in der Familie wegen herausgerufen“ werde, sei guter Rat teuer. Wo hingegen Pflegenetzwerke rechtzeitig aufgebaut würden, wo Krankenhäuser, Haus- und Facharzt-Praxen existierten, falle es dem Wirtschaftsnachwuchs leichter, sich für den Arbeitsplatz in ländlichem Umfeld zu entscheiden und mit der Familie anzusiedeln.

„Trend geht klar in Richtung Gemeinschaftspraxis“

„Den lonesome rider finden Sie unter den Landärzten heute kaum noch“, stellte Dr. Josef Hilbert, Direktor des Gelsenkirchener Instituts „Arbeit und Technik“ klar. Weg von der 70-Stunden-Woche, hin zu mehr Familienfreundlichkeit und „anständigen Arbeitszeiten: Der Trend geht klar in Richtung Gemeinschaftspraxis.“ Ärzte kämen heute nicht mehr von selber in die Region – sie müssten mit attraktiven Praxisräumen und ei­nem verbesserten Umfeld umschmeichelt werden. Und da seien vor allem die Frauen gefragt, deren Rolle sich kaum mehr darin erschöpfe, in der Praxis des Mannes auszuhelfen. Vielmehr ist es laut Niedersachsens Sozial - und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt die gut ausgebildete junge Ärztin, die ihren gleichsam qualifizierten Partner mit aufs Land bringt. Gesetzt den Fall, letzterer findet dort eine ebenso adäquate Stelle. Mehr Frauen, die die Unis mit Doktor-Titel verlassen, die auf der Suche sind nach Praxen, wo die Bezahlung stimmt: So war es denn auch die Landespolitikerin, die auf den Denkfehler im Titel der Veranstaltung hinwies. „Sie suchen mitnichten einen Landarzt, sondern – so sieht das reale Leben aus – eine Landärztin.“

In Sachen „Innovationsbiss“ sieht Josef Hilbert, der auch als Sprecher des Netzwerkes deutscher Gesundheitsregionen fungiert, in erster Linie die nächste Bundesregierung in der Pflicht. Es gelte, die Zusammenarbeit mit den Regionen zu suchen – gute Gelegenheit für schnelle Kandidaten, Vorreiter zu sein.

(Redaktion)


 


 

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