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  • 07.07.2014, 11:36 Uhr
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  • Münsterland
Frauen im Rat

Niedrige Frauenquoten in den Räten des Münsterlandes

Das Hoch und das Tief des Münsterlandes liegen nur 20 Kilometer auseinander. Jedenfalls in der Frauenfrage. In Telgte (Kreis Warendorf) sind im neuen Rat 41 Prozent der Ratsmitglieder Frauen. In der Nachbarstadt Sassenberg liegt die Quote bei null Prozent. „Darauf können wir nicht stolz sein“, sagt Sassenbergs Bürgermeister Josef Uphoff (CDU) zerknirscht.

Nur jedes fünfte Mitglied in münsterländischen Räten ist eine Frau. Und auch in Hopsten (Kreis Steinfurt) sieht es nicht viel besser aus als in Sassenberg. Dort gibt es nur eine weibliche Kraft und 21 männliche. Gleichberechtigung ist das nicht.

„Wir können uns nicht beklagen“, sagt derweil Eugenia Schmidt, Gleichstellungsbeauftragte Telgtes. Aber bei der Frage, warum es in der Emsstadt den höchsten Frauenanteil im Rat unter den 51 Kommunen, die sich im Verbreitungsgebiet der Westfälischen Nachrichten befinden, gibt, kann sie nur rätseln. Vielleicht habe es damit zu tun, dass zwei der vier Fraktionen Telgtes (Grüne und FDP) Frauen an der Spitze haben. Das wirke vorbildhaft. Dann allerdings erklärt sich nicht, warum es in Tecklenburg nur eine Frauenquote von rund 27 Prozent gibt. Obwohl dort doch alle vier Fraktionen von Frauen geleitet werden.

Familienstruktur und die Nähe zu einer Großstadt mögen eine Rolle spielen

Für den Politikwissenschaftler Dr. Norbert Kersting von der Uni Münster war das Ergebnis abzusehen: „Schon bei den Kandidaten gab es deutlich weniger Frauen als Männer.“ In Orten wie Sassenberg holten sich die Parteien schon vor der Wahl öfter einen Korb als anderswo, wenn sie Frauen von der Kandidatur überzeugen wollten. „Oft waren es familiäre Gründe, die zur Absage führten“, sagt Bürgermeister Uphoff. Möglicherweise ist die Familienstruktur in Heek, Sassenberg, Senden, Wettringen, Mettingen oder Hopsten eine andere als in Drensteinfurt, Westerkappeln, Lengerich und Altenberge. Bei den ersteren liegt der Frauenanteil unter zehn, bei letzteren über 30 Prozent. Mitunter mag die Nähe zur Großstadt Münster (Ratsfrauenanteil 30 Prozent) oder Osnabrück eine Rolle spielen. In den „Schlafgemeinden“ der Städte siedelt gut gebildetes Bürgertum, in dem auch die Frauen politisch aktiv sind.

Was den Frauenanteil angeht, unterscheiden sich auch die lokalen Parteien: die münsterischen Grünen liegen ganz weit vorn. Von ihnen sind 57 Prozent weiblich. Und die Schöppinger UWG zählt 63 Prozent weibliche Ratsmitglieder.
Dülmen, Mettingen und Billerbeck setzen auf eine Bürgermeisterin. Obwohl in Mettingen die Rats-Frauenquote nur bei elf Prozent liegt, übernehmen zwei Frauen das Bürgermeister- und Stellvertreteramt. Die Grünen stehen mit ihrer Quote von 32 Prozent im Münsterland klar als Frauenliebling da. Auch die Linke und die SPD mit 29 und 27 Prozent scheinen auf weibliche Kräfte in der Politik zu setzen. Die CDU und die FDP (18 und 14 Prozent) haben eine deutlich niedrigere Quote.

Für Forscher Kersting relativiert sich die Beteiligung von Frauen an der Kommunalpolitik, weil sie in vielen kulturellen und schulischen Initiativen deutlich stärker engagiert seien als Männer. Möglicherweise sind die Räte mit ihren oft drögen Themen einfach nicht attraktiv genug.

(Günter Benning, WN)


 


 

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