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  • 09.01.2015, 11:52 Uhr
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  • Münster
Für den guten Zweck

Jung-Unternehmer Tobias Pfaff wirbt für soziale Projekte von Daten-Analysten

Wirtschaft hat nicht nur mit Geldmachen zu tun. Dr. Tobias Pfaff (33) hat dazu seine Doktorarbeit geschrieben: Über das „Bruttonationalglück“, mit dem man im Himalaya-Königreich Bhutan politischen Erfolg misst. „Sehr populär“, sagt der Unterfranke, der seit elf Jahren in Münster lebt, „aber das ist ein so schwieriges Thema – da wollte ich nicht 20 Jahre weiterforschen.“

Er sitzt an seinem Schreibtisch in der Gründergarage an der Mendelstraße und arbeitet an seiner neuen Online-Plattform: „datalook.io“. Auch bei der geht es um positive soziale Projekte.

Daten-Analyse, das ist im Moment extrem im Schwung. Große Online-Händler und Suchmaschinen-Betreiber analysieren ihre Kundschaft. Aber auch in lokalen und sozialen Projekten spielt das Filtern von Daten eine große Rolle. Pfaff: „Es gibt viele Daten-Analysten, die daran arbeiten.“ Auf seiner Internet-Seite werden sie gesammelt.

Ein Beispiel: In New York sterben jedes Jahr bei Bränden Menschen, die in Häusern leben, in denen Brandschutzvorschriften ignoriert werden. Der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg setzte Daten-Analysten ein, die anhand von Statistiken herausfanden, wo staatliche Kontrolleure am ehesten nach dem Rechten schauen sollten.

Ein anderes Beispiel ist eine Internetseite, auf der man in der Region Heilbronn Inhaltsstoffe des Leitungswassers findet. „Solche offenen Projekte“, sagt Pfaff, „gibt es weltweit.“

Auch in Münster stellt eine Gruppe von Daten-Experten relevante Informationen für die Bürger bereit. Zu finden unter codeformuenster.org.

Das bessere Verständnis von Daten dient in vielen Kommunen der Sozialplanung

In der Gründergarage, in der junge Unternehmer bis zu drei Monaten umsonst logieren können, arbeitet Pfaff scheinbar allein. Tatsächlich gehören aber zu seinem Team Programmierer in Mumbai (Indien), Connecticut (USA), Bielefeld und Hamburg. „In Münster wäre es unmöglich gewesen, vier Daten-Analysten zu bekommen, die hier erst mal ohne Geld mitmachen“, sagt Pfaff. Im Netz geht es. Kommuniziert wird über Skype und Slack in Bildschirmkonferenzen.

„Die Frage, ob Daten gut oder schlecht sind“, sagt der promovierte Volkswirt, „kann man nicht mit ja oder nein beantworten.“ Es komme auf den Einzelfall an. Tatsächlich dient in vielen Kommunen heute das bessere Verständnis von Daten der Sozialplanung. Umgekehrt leidet die Arbeit in manchen Bereichen daran, dass man nicht genug über das Leben der Bevölkerung weiß. „In fünf Jahren“, sagt Pfaff, „sehe ich meine Arbeit darin, diese Daten-Analysen zu machen.“ Spätestens dann muss er mit seinem jungen Unternehmen auch Geld verdienen.

Mit Studenten der FH Osnabrück, wo er eine Vorlesung hält, hat der Münsteraner bereits ein Projekt realisiert. Aus den Umsatzzahlen einer kleineren Bäckerei versuchen die Studenten Lösungen für eine optimierte Produktion zu errechnen. Am Ende geht es darum, dass weniger Kuchen und Brot weggeworfen werden muss.

Große Unternehmen, ist sich Pfaff sicher, hätten dabei schon Fortschritte gemacht: „Die buttern da rein.“ Die kleinen Fische will er gerne mit intelligenten und bezahlbaren Programmen helfen.

(Günter Benning, WN)


 


 

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