Weitere Artikel
  • 04.10.2013, 09:07 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
Fusion wahrscheinlich geplatzt

Provinzial-Verkauf für LWL noch nicht vom Tisch

Offizielle Äußerungen gab es nach Bekanntwerden der wahrscheinlich geplatzten Fusion mit der Rheinprovinz nicht, wohl aber lautes Nachdenken: „Warum sollten wir heute weniger kritisch auf die Provinzial blicken als vor einem Dreivierteljahr?“ hieß es in Sparkassenkreisen wortkarg. Brechen nun die alten Konfliktlinien zwischen den Eigentümern der Provinzial Nordwest auf der einen Seite und dem Unternehmen selbst auf der anderen Seite wieder auf? Vieles spricht dafür.

Fest steht, dass eine Fusion der beiden Versicherer für die Eigentümer finanziell hoch attraktiv gewesen wäre. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass der Ertrag im Fusionsfall um bis zu 50 Prozent angewachsen wäre. Daraus wird nun nichts.

Während sich die Sparkassenseite in der Eigentümerfamilie mit der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechtes durchaus hätte anfreunden können, blockiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dieses Konstrukt – sofern die Gremien dies in einer Woche auch de facto beschließen sollten. Eine Umwandlung der Aktiengesellschaft würde den LWL teuer zu stehen kommen: Einmalig würden angeblich 70 Millionen Euro fällig, danach eine höhere Besteuerung der Ausschüttungen. Selbst für den Fall, dass sich da noch ein Kompromiss-Konstrukt finden ließe, will sich der LWL dem Vernehmen nach in jedem Fusions-Fall die Tür für einen Verkauf seiner Anteile offenhalten.

Belegschaft beunruhigt

Das beunruhigt natürlich die Belegschaft in der Provinzial Nordwest. „Nur unter dem Dach einer öffentlichen Anstalt wären wir zukunftssicher“, sagt Betriebsratsvorsitzender Albert Roer. Und erwartet massive Schützenhilfe durch die Landesregierung. Die verweist aber lediglich darauf, dass für eine Veräußerung der Provinzial Nordwest die Zustimmung der Landtage in Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern notwendig – und wohl kaum zu erreichen – wäre.

Provinzial-Sprecher Jörg Brokkötter erklärte gestern, die Frage der unterschiedlichen Rechtsform sei in der Tat ein intensiv zu diskutierendes Thema, das Unternehmen werde sich aber an Spekulationen darüber nicht beteiligen.

Vorstand und Betriebsrat haben sich in der Vergangenheit im Unterschied zu den Eigentümern immer wieder positiv zu den Zukunftsaussichten des Konzerns geäußert. Das Unternehmen arbeite hoch profitabel und sei auch in der Alleinstellung in der Lage, die Risiken, die sich wegen der anhaltend langen Niedrigzinsphase insbesondere für die Lebensversicherungssparte ergäben, zu stemmen. Das Jahr 2012 schloss die Provinzial mit einem Rekordergebnis ab.

(Norbert Tiemann)


 


 

Provinzial
LWL
Fusion
Eigentümer
Provinzial Nordwest

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Provinzial" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: