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  • 22.03.2013, 10:09 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Geflügel-Großhändler

Hühner, Puten und Schwarze Schafe

Tom Scheipers, Geflügel-Großhändler aus Altenberge, wünscht sich Verbraucher, die mehr Fragen stellen. Im Interview mit den Westfälischen Nachrichten aus Münster erzählt er von seiner Sicht auf den Handel mit Geflügel.

Tag für Tag gehen 40 Tonnen Geflügel durch Martina Martinis und Tom Scheipers’ Großhandel. Ihre Reers-Geflügel GmbH in Altenberge beliefert Supermärkte und Markthändler im Münsterland. Scheipers ärgert sich über den Putenfleisch-Skandal, in den ein münsterisches Unternehmen verwickelt ist. Er rät Verbrauchern, die gutes Geflügel essen wollen, drei Dinge: „fragen, fragen, fragen ...“

Pferdefleisch in der Lasagne, antibiotikabelastetes Putenfleisch – was können wir eigentlich noch essen?

Scheipers: Frisches deutsches Geflügelfleisch. Wichtig ist: Der Verbraucher sollte endlich besser hingucken.

Aber wie erkenne ich denn im Supermarkt, wie das Hähnchen gehalten wurde, was es gefressen hat und wo es herkommt?

Scheipers: Fragen, fragen, fragen . . . Schauen Sie nach regionalen Markenhähnchen. Fragen Sie an der Theke: Wo kommt das Hähnchen her? Ist das eine polnische Ware oder eine deutsche? Und fragen Sie sich ruhig mal: Wie können die das zu dem Preis anbieten – ein Hähnchen für 1,99 Euro? Diese Geiz-ist-geil-Mentalität bei Lebensmitteln muss aufhören! Wir essen heute unser Frühstücksei zum gleichen Preis wie vor 20 Jahren – aber der Lkw, der es fährt, kostet das Dreifache.

Ist es nicht mein Recht, in jedem Fall etwas Anständiges zu bekommen?

Scheipers: Natürlich. Grundsätzlich haben wir ja eine sehr hohe Lebensmittelsicherheit in Deutschland, aber es gibt eben auch Schwarze Schafe. Der Verbraucher sollte mehr Fragen stellen – beim Einkaufen, in der Kantine, in Restaurants, in der Schulküche. Wenn ich heute sehe, dass große Betriebe ihr Fleisch, ihre Lebensmittel ausschreiben wie ein Stück Holz oder einen Baustoff, dann finde ich das fraglich: „Einhundert Kilo Hähnchenschenkel! Frisch! Wer bietet den günstigsten Preis?“ Da geht‘s nur um den Preis, nie um Qualität. Dabei kommt dann raus, dass ein Hähnchenschnitzel 50 Cent kosten darf... Da mache ich nicht mit.

Wer macht bei solchen Ausschreibungen mit?

Scheipers: Wir bekommen regelmäßig – unaufgefordert – Angebote von Fleisch-Brokern. Die makeln Fleisch container- oder palettenweise. Die haben kein eigenes Kühlhaus, keine eigene Zerlegung – nur einen Schreibtisch und ein Telefon. Und die besorgen Fleisch zum günstigsten Preis irgendwo in der Welt. Das ist ein Centspiel, da sind die Margen so gering, dass 20 Cent beim Kilopreis entscheiden. Diese Fleisch-Broker muss es auch geben, aber die bekommen die Ware nie selbst zu Gesicht. Die müssen sich ausschließlich auf die Zertifikate verlassen.

Was ist beim Qualitätshandel anders?

Scheipers: Wir kennen unsere Lieferanten. Wir besuchen unsere Mäster und deren Ställe, denn wir holen die Hähnchen selber ab. Wir sehen uns die Schlachthöfe an. Da ist Vertrauen gegeben. Zertifikate sind gut, aber zusätzliche Kontrollen und Kontakte sind besser.

Wäre es besser, nur deutsches Geflügel zu essen?

Scheipers: Wir leben in der Europäischen Union. Wir fahren heute auch Skoda anstelle des Volkswagens. Auch in Polen oder Tschechien gibt es qualifizierte Betriebe, die auf deutschem Standard sind und entsprechende Qualitätssiegel führen. Das Fleisch muss also nicht schlechter sein ...

Was kann man gegen schwarze Schafe tun?

Scheipers: Ich freue mich darauf, dass wir Ende 2014 ein Herkunftssiegel bekommen. Dann müssen die Hersteller genau auflisten: In meiner Wurst ist Fleisch aus Deutschland, aus Polen, aus Rumänien ... Heute können sich doch Händler Ware von irgendwoher kommen lassen. Das packen Sie aus, tauen es an, panieren es, garen es und frieren es wieder ein. Sobald Sie das Fleisch hier weiterverarbeitet haben, machen Sie Ihren EG-Stempel drauf und dann ist die Ware für den Verbraucher ein deutsches Hähnchenfilet. Das ändert sich Ende 2014. Das Herkunftssiegel sehen wir für uns als Riesenchance. Ich hoffe, dass der Verbraucher mehr hinguckt.

Würden Sie irgendwo ein Hähnchenschnitzel essen?

Scheipers: Natürlich, aber ich würde fragen. Jeder Koch, der Ware angeliefert bekommt, hat auch ein Etikett, auf dem die Herkunft steht. Im Zweifel lasse ich mir den Karton zeigen.

(Martin Ellerich)


 


 

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