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  • 18.02.2015, 09:10 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Gegen eine Lockerung

Firmen wollen gängige Praxis der Krankmeldung beibehalten

Mediziner der Universität Magdeburg haben vorgeschlagen, die Regeln für Krankschreibungen zu lockern. Beschäftigte sollten sich ihrer Meinung nach für die Dauer von bis zu einer Woche selbst krankmelden können. Normalerweise verlangen Arbeitgeber heute aber spätestens ab dem dritten oder vierten Tag der Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, manchmal auch ab dem ersten Tag. Eine Umfrage bei Arbeitgebern ergab, dass diese nicht von ihrer gängigen Praxis abweichen möchten.

Eine Fristverlängerung, sagt Birgit Fingerhut vom Sanitärbetrieb Heilenkötter, würde ihnen keinen Schlaf rauben. Bei ihrer Belegschaft mit 15 Beschäftigten gebe es ohnehin nicht viele krank meldungen. „Das hat auch etwas mit der Stimmung im Betrieb zu tun“, sagt Fingerhut. Wie die Firma Heilenkötter, so legt auch Bäckermeister Georg Krimphove Wert darauf, rechtzeitig von seinen Mitarbeitern über einen Krankheitsfall informiert zu werden, um personell reagieren zu können. Krimphove ist überzeugt: „Blau macht hier keiner.“

Der Obermeister der Bäcker-Gilde hält persönlich wenig von einer Lockerung der bisherigen Krankmeldepraxis. Damit sei auf der einen Seite dem Missbrauch jede Tür geöffnet, auf der anderen Seite hält Krimphove auch wenig von einer Selbstdiagnose.

Das Thema Krankmeldung wird auch im Regionalverband Münster des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft diskutiert. Bernd Adamaschek, Leiter der Wirtschaftsregion Westfalen des Verbandes, spricht von unterschiedlichen Rückmeldungen seiner Mitglieder. „Was entschieden mit der jeweiligen Unternehmenskultur zu tun hat“, sagt Adamaschek.

Wenn einer seiner rund 70 Mitarbeiter krank wird, dann freut sich Martin Zacharias, Leiter des Modehauses Appelrath-Cüpper am Prinzipalmarkt, dass seine Belegschaft zu 99,9 Prozent sofort Bescheid sagen würde. Dies sei für die Qualität im Service wichtig, fügt der Geschäftsleiter hinzu. „Krank kann jeder mal werden“, aber sie müssten im Haus auch zeitnah für Ersatz sorgen können.

Probleme der Politik in Unternehmen verlagert

Dr. Matthias Rensing vom IT-Beratungsunternehmen Noventum Consulting in Wolbeck hält persönlich nicht viel von einer neuen Regelung der Krankmeldung. „Krankheiten werden nur weiter verschleppt“, befürchtet der Sprecher des Unternehmens, das 100 Mitarbeiter beschäftigt. „Ich weiß nicht, ob das so klug ist.“ Rensing kritisiert die Neuregelung, dass damit doch nur Probleme der Politik in Unternehmen verlagert würden.

Selbst in der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, in der am Standort Münster 1.835 Mitarbeiter tätig sind, wird nicht über die neue Regelung diskutiert. Das Personalreferat vertritt die Meinung, sagt Sprecher Christian Koopmann, dass das, was sich bewährt habe, auch beibehalten werden sollte. Auch die Stadtwerke sehen wenig Gründe, die bisherige Praxis zu ändern, so Sprecherin Daniela van der Pütten.

Der Bezirksgeschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Bernd Bajohr, hält persönlich aufgrund der bisherigen Erfahrungen eine Änderung der gängigen Praxis für nicht notwendig.

(WN)


 


 

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