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  • 24.05.2013, 09:23 Uhr
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  • Hamm
Gerichtsurteil

Schmerzensgeld für Biss auf Haribo-Süßigkeit

Das Gericht in Hamm sprach jetzt einem Bielefelder 2000 Euro Schmerzensgeld plus Schadensersatz zu. Er hatte sich zwei Zähne ruiniert, als er Haribo-Colafläschchen naschte und auf darin enthaltene Steinchen biss. Haribo ist der Ansicht, dass es sich nicht um Ware des Unternehmens gehandelt habe.

Haribo muss einem 44-jährigen Bielefelder rund 3.000 Euro zahlen, nachdem der auf ein Steinchen in einem Colafläschen gebissen hat. Die Summe setzt sich zusammen aus 2.000 Euro Schmerzensgeld und die Kosten, die dem Kläger für die Reparatur seiner Zähne entstanden sind.

Während einer Kinderfreizeit in den „Heeper Fichten“ in Bielefeld hatte der 44-Jährige 2009 „das unglückliche Haribo“ gezogen, wie sein Anwalt Serdar Gürler berichtete, zugebissen und sich dabei zwei Zähne so schwer ruiniert, dass er sie sich später überkronen lassen musste. „Und er hatte Glück, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“ Als der Bielefelder die Reste der Süßigkeit ausspuckte, entdeckte er neben dem Fremdkörper ein zweites Steinchen in der Gelatine-Masse. Beides hob er auf, um Beweise zu sichern.

Während eines späteren Anrufs bei Haribo blieb der Bielefelder trotz beschädigter Zähne zwar sehr freundlich, wie ein Haribo-Sprecher bestätigte (die Telefonzentrale merkte an, dass der Bielefelder „sehr nett“ war), aber viel brachte ihm das nicht ein: Nach Gürlers Worten sei seinem Mandanten von Anfang an signalisiert worden, dass solche Beschwerden ständig kämen. Zudem habe das Unternehmen bis zur letzten Minute bezweifelt, dass der Bielefelder tatsächlich auf einem Haribo-Produkt gekaut hat. Daran änderte auch eine Zeugin nichts, die bestätigt hatte, dass für die Kinderfreizeit bewusst Qualitätsfruchtgummi besorgt worden seien.

„Das war nicht unsere Ware.“

Haribo-Sprecher Marco Alfter bleibt dabei: „Das war nicht unsere Ware.“ Er ist überrascht, dass das Gericht in Hamm anders entschieden hatte als die erste Instanz. Weil ein geschlossener Produktionsprozess und dreifache Kontrollen verhinderten, dass Dreck in die Ware gerät, schloss Alfter eine Panne bei Haribo aus.

Entscheidend für den Richterspruch war ein Gutachten des Steinfurter Diplom- Biologen und -Chemikers Dieter Stoffels. Der hatte laut Gericht zweifelsfrei herausgefunden, dass „Partikel aus Putzmaterialien“ – so das Gericht – nicht nachträglich in die Gelatine geraten seien, sondern während der Produktion in die Fläschchen gelangt sein müssen. Zu dem Zeitpunkt müsse die Gelatine- Masse noch flüssig gewesen sein. Das könnte auch in hochoptimierten Produktionsprozessen passieren, widersprach Stoffels Haribo.

Das Gericht ließ eine Revision nicht zu.

(Stefan Werding)


 


 

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