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  • 13.03.2015, 08:32 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Gewinn und Umsatz fallen

Münsterischer Agrar-Konzern Agravis hadert mit Kartellamts-Razzia und ist sich keiner Schuld bewusst

Nach der Durchsuchung durch das Bundeskartellamt zeigt sich die Führungsriege bei Europas zweitgrößtem Agrarhändler Agravis verschnupft. „Ich weiß, was wir getan haben – und was wir nicht getan haben“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Clemens Große Frie am Donnerstag in Münster. „Wir sind uns keines Fehlverhaltens bewusst.“ Gleichwohl habe die „Visite Eindruck gemacht“, so Große Frie. Es seien Akten und auch elektronische Daten beschlagnahmt worden.

Fahnder des Kartellamts und die Polizei hatten vor zehn Tagen zeitgleich sieben große Agrarhändler in Deutschland durchsucht, um verbotene Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln aufzudecken. Neben der Agravis-Zentrale in Hannover waren auch der Hauptsitz von Europas größtem Agrarhändler Baywa in München sowie die Zentrale des Deutschen Raiffeisenverbandes in Berlin durchsucht worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2000 bis 2015.

Das Bundeskartellamt nimmt zu den Verfahren mit Blick auf die noch laufenden Ermittlungen derzeit keine Stellung. Im Vorfeld der Razzien hatten die Wettbewerbshüter offenbar detaillierte Hinweise aus der Branche erhalten. Zwei der sieben Unternehmen haben von der Kronzeugen-Regelung Gebrauch gemacht. Dabei gilt: Wer zuerst gesteht, zahlt am wenigsten. Alles weitere ist in einem Bonussystem geregelt. Üblicherweise wird dem ersten geständigen Unternehmen das Bußgeld komplett erlassen. Für die nachfolgenden Firmen sind noch Rabatte von bis zu 50 Prozent möglich. Selbst ein späteres Schuldeingeständnis und die Vorlage von Beweisen kann noch zur Reduktion des Bußgeldes führen.

Drei Agravis-Manager auf der Liste des Kartellamts

Nach Angaben von Große Frie stehen insgesamt drei Agravis-Manager auf der Liste des Kartellamts. Den Betroffenen habe man „das Vertrauen ausgesprochen und Unterstützung zugesichert“, so der Agravis-Chef. Zugleich verweist Agravis im Bericht für das abgelaufenen Geschäftsjahr auf einen „harten Preiskampf“ und einen „intensiven Wettbewerb“ im Geschäftsbereich Pflanzenschutz.

Mit dem Geschäft im abgelaufenen Jahr zeigte Große Frie sich insgesamt zufrieden, auch wenn 2014 nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden „anstrengend“ und „intensiv“ war. Das gute Ergebnis der Vorjahrs konnte Agravis nicht erreichen. Der Umsatz fiel um 1,3 Prozent auf 7,4 Milliarden . Der Gewinn vor Steuern rutschte deutlich von 53,2 Millionen auf 41,7 Millionen – rund 21 Prozent weniger als im Jahr 2013.

Die Ukraine-Krise und der schwache Rubel-Kurs habe den Agrar-Konzern Millionen gekostet, so Große Frie. Auch die Berg- und Talfahrt beim Weizenpreis hatte die Händler Nerven gekostet – der Preis pro Tonne hatte im vergangenen Jahr zwischen 150 und 230 geschwankt. Agravis vermarktet jährlich rund 10 Millionen Tonnen Rohstoffe wie Getreide oder Raps.

(Andreas Fier)


 


 

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