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  • 03.09.2015, 12:52 Uhr
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  • Münster
Guter Wein

Ein Interview mit Stuart Pigott

Der Brite Stuart Pigott gilt international als einer der besten Kenner deutscher Weine. Er ist erfolgreicher Buchautor, hat eine Weinkolumne in der FAZ. 1989 war er von London nach Bernkastel-Kues an der Mosel gezogen, heute pendelt er zwischen New York und Berlin. Am kommenden Mittwoch (9. September) wird er sein Buch „Planet Riesling“ in der Pension Schmidt vorstellen. Mit Pigott sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Mr. Pigott, als echter Weinkenner haben Sie doch sicherlich einen Tipp für mich.

Pigott: Ja – den „Riesling unplugged“ vom Weingut Tesch. Staubtrocken, schlank und leicht. Der Wein macht wach, inspiriert mich. Er ist allerdings nicht jedermanns Geschmack. Ich kenne Kritiker, die hassen diesen Wein.

Und wer ist für Sie derzeit der ganz große Aufsteiger?

Pigott: Das Weingut Bossert aus Gundersheim in Rheinhessen. Dessen Weine haben mich kürzlich richtig begeistert.

Wie sind Sie auf das Gut aufmerksam geworden?

Pigott: Unter den Winzern macht meine E-Mail-Adresse die Runde, das Weingut hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich seinen Wein probieren möchte. Ich erhalte natürlich oft solche Mails – und schreibe allen, dass sie mir drei Weine ihrer Wahl und eine Preisliste schicken sollen. Sobald das Paket eintrifft, reiße ich es auf – und verkoste die Weine oft noch am gleichen Tag.

Muss man eigentlich viel Geld in einen guten Wein investieren?

Pigott: Für 2,99 Euro bekommt man schon einen soliden, einfachen Wein, den man mit gutem Gewissen trinken kann, denn zu diesem Preis wird er wirtschaftlich nachhaltig produziert. Wenn man mehr Aroma, Charakter und Spannung haben will, dann muss man auch mehr bezahlen – kommt aber auch schon gut zwischen 4,95 und zehn Euro zurecht.

Warum sind Sie 1989 von London ausgerechnet nach Bernkastel-Kues gezogen?

Pigott: Ich hatte eine schlechte Zeit hinter mir. Damals tat sich an der Mosel viel, der Riesling wurde populär, nachdem man dort zuvor fast nur Süßweine produziert hatte. Es war also eine spannende Zeit, um zu sehen, wie sich da gerade eine neue Welt entwickelt.

Welche neue Welt entwickelt sich denn im Jahr 2015?

Pigott: Es wird in vielen Gegenden der Welt Wein angebaut, in denen man es bislang nicht vermutet hätte. Und es gibt immer mehr Pioniere – Winzer, die nicht von Weingütern stammen. Früher kam man praktisch als Winzer auf die Welt. Heute trifft das nur noch auf etwa jeden Zweiten auf den Winzer-Schulen zu. Und während die alten Winzer meist massentaugliche Weine in großen Mengen produzierten, also ein günstiges Alltagsgetränk, wird heute Wein immer öfter als Produkt eines schöpferischen Aktes verstanden.

Werden die Weine damit auch besser?

Pigott: Auf jeden Fall – zumal der technische Fortschritt es heute auch ermöglicht, Fehler bei billigen Weinen auszumerzen.

(Martin Kalitschke, WN)


 


 

Stuart Pigott

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