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  • 07.04.2015, 13:59 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Handwerks-Nachwuchs

Bester Nachwuchs-Bäcker wird jetzt Konditor

Den Gesellenbrief als Bäcker hat er bereits in der Tasche. Stavros Evangelou bekommt es im Handwerk so gut gebacken, dass er nun als Grieche und als Gewinner des Regional- und Landeswettbewerbs sowie als Zweiter des Bundeswettbewerbs Anfang des kommenden Jahres gemeinsam mit der Bundessiegerin des Bäcker-Nachwuchses Deutschland auch bei der Europameisterschaft der Bäcker vertreten darf.

Wenn Stavros Evangelou nach Athen fliegt, dann hat der 22-Jährige dunkles Brot und Kuchen im Gepäck. Demnächst dürfte er seinen Lieben in Griechenland noch Pralinen mitbringen, denn seit dem 1. April arbeitet der sympathische junge Mann als Konditorlehrling bei Bernd Kleimann am Prinzipalmarkt.

Während der 22-jährige Grieche begeistert über seinen bisherigen Ausbildungsweg berichtet, schaut er Konditormeister Bernd Kleimann beim Modellieren von Marzipan-Hasen zu. Der 47-jährige Konditormeister gibt seinem jüngsten Lehrling hilfreiche Hasen-Tipps: „Die Augen leicht nach oben ziehen, sonst heult er.“ Es ist der zweite Tag von Stavros Evangelou in der Backstube von Kleimanns, dafür klappt das Modellieren mit Marzipan gut. Nur an Bernd Kleimann reicht der Konditorennachwuchs natürlich nicht heran, denn der 47-Jährige schafft rund 50 Figuren pro Stunde. „Dann liegt aber alles parat und ist abgewogen.“ Rund 1000 Figuren werden pro Jahr bei uns in der Konditorei geformt und modelliert, schätzt Kleimann.

Vielleicht gibt es künftig auch in Athen Marzipanhasen

Der neue Lehrling ist interessiert. Backstubenleiter Siegmund Wagstyl nimmt ihn unter seine Fittiche. „In 20 Jahren ist nicht einer bei uns durchgefallen“, freut sich der Konditormeister über seine erfolgreichen Lehrlinge. Auch der Neue soll die Prüfungshürden schaffen. Vielleicht gibt es künftig auch in Athen Marzipanhasen, sagt Stavros Evangelou, der fleißig Rezepte sammelt.

Seine Liebe für das backende Handwerk wurde ihm in die Wiege gelegt. Der Vater des Konditorlehrlings, Vasilis Evangelou, besitzt in der Metropole Athen die größte Bäckerei mit 500 Beschäftigten und rund 30 Filialen. „13 verschiedene Brotsorten werden bei uns gebacken“, schätzt der 22-Jährige, aber die meisten Brote sind hell. Er schwärmt von der deutschen Brotkunst, „die so unglaublich gesund ist“. Stavros Evangelou liebt vor allem Möhrenbrote.

Die Suche nach der besten Schule fürs Bäckerhandwerk

Als er nach dem Abitur diesen Weg einschlug, suchte er nach der besten Schule fürs Bäckerhandwerk. „Eine solche Ausbildung gibt es bei uns nicht.“ Stavros Evangelou entschied sich im Brotland Deutschland für das Adolph-Kolping-Berufskolleg in Münster und absolvierte seine Bäckerlehre bei dem Handwerksbetrieb Geiping in Lüdinghausen. Berufsschullehrer Thomas Stürznickel, Bäcker- und Konditormeister und Koch, unterstützt den jungen Griechen. „Er ist wie ein Vater für mich.“ Der Handwerksmeister trainiert mit ihm für die Europameisterschaft und half ihm einen Ausbildungsplatz als Konditor zu suchen.

Diesen Weg absolviert der 22-Jährige nun in drei Schritten. Start war im Café Uckelmann von Paul Schulze Berning in Dülmen. Jetzt ist er bei Bernd Kleimann, dann folgt die letzte Runde bei Ortwin Scheffler von Café Issel. Anschließend geht es auf die Meisterschule der Bäcker in Olpe.

Der junge Grieche genießt Münster, hat Freunde gefunden, für die er ab und zu Moussaka zubereitet. Und er hat sich auch an die Fahrräder gewöhnt. Er selbst ist auf die Leeze umgestiegen. „In acht Minuten bin ich am Prinzipalmarkt.“

Seine Liebe zu Münster geht soweit, dass er hierbleiben würde, wenn ihn nicht die Eltern und die Freundin nach Athen locken würden – so auch Ostern. Seine Freundin ist übrigens Hamburgerin, die Stavros Evangelou in Athen kennengelernt hat.

(WN)


 


 

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