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  • 03.04.2014, 10:04 Uhr
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  • Münster
Hauptversammlung

Thalia nimmt buch.de von der Börse

Zum Abschluss gab es noch einmal warme Worte vom Vorstand („Danke für die teils langjährige Treue“) und ein warmes Mittagessen. Anschließend haben die Aktionäre von buch.de am Mittwoch die letzte Seite beim münsterischen Onlinehändler aufgeschlagen.

Seit Dienstagmittag ist die Aktiengesellschaft offiziell Geschichte. Auf der Jahreshauptversammlung hat Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia die verbliebenen Kleinanleger mit einem sogenannten Squeeze-out aus dem Unternehmen gedrängt. Die Minderheitsaktionäre werden mit einer Zahlung von 8,76 €  je Aktie abgefunden. Zudem zahlt buch.de noch einmal eine Dividende von vier Cent. Buch.de und Thalia hatten schon bei der Vorstellung ihrer Pläne im Dezember 2013 erklärt, dass der Standort Münster erhalten bleiben soll.

Die Aktie der buch.de Internetstores AG hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. 1999 waren die Papiere zum Kurs von 10 €  ausgegeben worden. Die Erstnotiz war sogar mehrfach überzeichnet. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase war die Aktie unter den Wert von einem €  gefallen, hatte sich dann mühsam erholt und 2013 – wohl auch angetrieben von Übernahmefantasien – kurzzeitig wieder bei 9,50 €  notiert.

Verlust für Aktionäre der ersten Stunde

Aktionäre der ersten Stunde verlassen das Unternehmen nun mit Verlust. Folglich geriet die letzte Hauptversammlung in Münster zum Manifest der unzufriedenen Kleinanleger. Aktionär Otto Norda bescheinigte Vorstand und Aufsichtsrat , sie hätten zur Beerdigung statt zur Hauptversammlung geladen. Anleger Karl Reinhart Klotsche, nach eigenen Worten seit 1999 Investor bei buch.de, erklärte unverblümt: „Wir werden betrogen.“ Er forderte eine Barabfindung von „mindestens 15 Euro“. Geld sei ja schließlich reichlich vorhanden, erklärte Klotsche mit Blick auf das Eigenkapital in Höhe von gut 52 Millionen €.

Vertreter der Aktionärsschutzvereinigungen, ohnehin nicht bekannt für einen pfleglichen Umgang mit Vorständen, nutzen die Gelegenheit ebenfalls für eine letzte kalte Dusche. Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte mit Blick auf die magere Dividende von vier Cent: „Das hätten Sie sich auch schenken können.“

Keine Offenlegung des Abhängigkeitsberichts

Clemens Scholl von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte von buch.de-Chef Michael Weber vergeblich die Offenlegung des Abhängigkeitsberichts, um die Verflechtungen zwischen buch.de und dem neuen Besitzer Thalia zu durchleuchten.

In den Geschichtsbüchern bleibt die Kritik am Squeeze-Out schlussendlich wohl nur eine Randnotiz. Thalia und der Mutterkonzern Douglas, der sich im vergangenen Jahr ebenfalls von der Börse verabschiedet hatte, verfügen über 95,05 Prozent der 13,4 Millionen buch.de-Aktien. Bei der finalen Abstimmung zum Squeeze-out zählte der Notar gestern nur 41 785 Gegenstimmen – das entspricht gerade einmal 0,33 Prozent der verbliebenen Kleinaktionäre.

Was passiert mit den buch.de-Aktien?

Mit dem Beschluss über den Squeeze-out der Minderheitsaktionäre ist buch.de als Aktiengesellschaft Geschichte. Bis die Kleinanleger ihre Barabfindung von 8,76 € pro Aktie erhalten, werden allerdings noch sechs bis acht Wochen vergehen. Zunächst muss der Schritt im Handelsregister eingetragen werden. Die Dividende wird hingegen sofort ausgezahlt. Bis zur Eintragung im Handelsregister wird auch der Handel der buch.de-Aktie noch fortgesetzt

(Andreas Fier, WN)


 


 

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