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  • 18.02.2015, 08:54 Uhr
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  • Münster / Münsterland
Heimlich gefilmt

Sekretärin aus Münster klagt vor Bundesarbeitsgericht auf Schmerzensgeld

Es war im Januar 2012. Die Sekretärin, beschäftigt bei einem mittelständischen münsterischen Unternehmen, war krankgeschrieben. Wegen Rückenbeschwerden, wie es in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung damals hieß. Im Bett musste sie nicht liegen, weshalb sie auch einen nahe gelegenen Waschsalon aufsuchte. Was die Frau nicht wusste: Sie wurde durch die großen Glasscheiben von einem Privatdetektiv gefilmt. Er beobachtete die Sekretärin im Auftrag ihres Arbeitgebers, der Zweifel an der Schwere der Rückenbeschwerden hatte.

Der heimliche Dreh vor dem münsterischen Waschsalon hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Der Anwalt der Sekretärin, Dr. Christian Bock von der münsterischen Rechtsanwaltskanzlei RSW Beratung, will vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt Schmerzensgeld erstreiten. Am morgigen Donnerstag um 10.15 Uhr wird vor dem höchsten deutschen Arbeitsgericht verhandelt.

Der Frau wurde im Februar 2012 fristlos gekündigt. Die Klage hielt der juristischen Überprüfung nicht stand. Sie war unwirksam, wie Rechtsanwalt Dr. Bock berichtet.

10.000 Euro Schmerzensgeld gefordert

Vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt geht es jedoch um etwas anderes. Der frühere Arbeitgeber der Sekretärin hatte einen Privatdetektiv eingeschaltet, um die Frau zu beobachten. Der private Ermittler nahm seine Aufgabe offenbar sehr ernst: Er schaute der Sekretärin von draußen in die Wohnung, wie Anwalt Bock erzählt. Und er filmte sie bei ihrem Besuch im Waschsalon. Auch wenn sein Auftraggeber, der Inhaber des münsterischen Unternehmens, den „Videobeweis“ nicht beauftragt hatte, sieht Rechtsanwalt Dr. Bock ihn in der juristischen Verantwortung. Er wirft ihm vor, die Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin verletzt zu haben – und fordert deshalb 10.000 Euro Schmerzensgeld.

Dr. Bock geht dafür durch alle Instanzen, bislang mit wechselhaftem Erfolg. Im Januar 2013 scheiterte er mit seiner Klage vor dem Arbeitsgericht Münster. In der Berufungsverhandlung am 11. Juli des selben Jahres erhielt er recht. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf sprach seiner Mandantin 1000 Euro Schmerzensgeld zu. Zu wenig, meint Dr. Bock: „Das zahlen Unternehmen doch aus der Portokasse.“ Der Anwalt reichte Revision beim Bundesarbeitsgericht ein – damit die Richter in Erfurt bei der Bemessung des Schmerzensgeldes „eine Schüppe drauflegen“. Als Warnung für alle Arbeitgeber, dass die Observierung ihrer Mitarbeiter richtig teuer werden kann.

(Jürgen Grimmelt, WN)


 


 

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