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  • 07.03.2013, 15:03 Uhr
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  • Münsterland / Emscher-Lippe-Region
Heimvorteil für Unternehmen

„Mit Rohstoffen aus der Region planen“

Die Rohstoffindustrie in der Region sorgt sich um ihre Zukunft und sucht das Gespräch. Hintergrund ist die derzeit laufende Erarbeitung des Regionalplans für das Münsterland, mit dem auch über die Größe der Flächen für den künftigen Abbau von Kalk, Ton, Sand und Kies entschieden wird.

Fünf Unternehmen haben sich deshalb zur „Interessengemeinschaft Regionale Rohstoffgewinnung“ zusammengeschlossen, um gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen verstärkt über die regionale Bedeutung dieser Branche zu informieren. „Die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung ist ein wichtiger Baustein in der Wirtschaftsstruktur der Region“, bekräftigte IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing heute (7. März) in Münster zum Auftakt und wies auf die zahlreichen Wertschöpfungsprozesse hin, an denen die Rohstoffgewinnung beteiligt sei.

„Mit der Gewinnung von Rohstoffen ist die Region nicht nur wirtschaftlich groß geworden. Auch heute noch liefern die Abgrabungsbetriebe für viele andere Unternehmen und deren Arbeitsplätze buchstäblich das Fundament“, sagte Schulte-Uebbing. Diese wirtschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten über mehrere Branchen hinweg vom Maschinenbau bis in die Logistikwirtschaft würden häufig übersehen und meistens erst im Nachhinein erkannt, „wenn plötzlich weitere Teile im Puzzle fehlen“.

„Nur die Spitze des Eisbergs“ sind deshalb nach Einschätzung der IHK die rund 770 Arbeitsplätze, die direkt vom Fortbestand von allein zwölf der insgesamt etwa 50 Abgrabungsunternehmen abhängen. „Löhne und Gehälter in Höhe von knapp 39 Millionen zahlen schon diese zwölf Betriebe jährlich“, erläuterte Claus Umbreit, Prokurist der Hollweg, Kümpers & Comp. KG aus Rheine. Er skizzierte den alltäglichen Nutzen, den jeder von den in den Steinbrüchen und Kiesgruben gewonnenen Materialien habe: „Sie werden für den Bau von Häusern und Straßen gebraucht, sind aber auch bei der Produktion von Arzneimitteln, Mikrochips oder Solarzellen unentbehrlich.“

„Stärke der Region und unschätzbarer Heimvorteil“

Als „Stärke der Region und unschätzbaren Heimvorteil“, den man nicht leichtfertig verspielen dürfe, präsentierte Malte Wilhelm von der Baustoffwerke Münster-Osnabrück GmbH & Co. KG (Osnabrück) die Rohstoffgewinnung. „Aufgrund der hohen Gewichte werden die Rohstoffe in der Region verarbeitet, veredelt und gehandelt“, beschrieb er die positiven Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Kaufkraft in den Städten und Gemeinden. Fast die gesamte Wertschöpfungskette liege vor der Haustür, „da sich auch die meisten Abnehmer der Endprodukte ganz in der Nähe befinden - schon aufgrund der Transportkosten“, betonte Wilhelm.

Kritisch betrachtet auch Franz-Josef Barton das Szenario , das sich abzeichnet, wenn die Rohstoffe aus Umweltschutzgründen nicht mehr aus dem Teutoburger Wald kommen würden. „Schon der Lkw-Transport von der nächsten Abbaumöglichkeit in Beckum nach Lengerich würde jährlich zusätzlich 16.800 Tonnen Kohlendioxidemissionen verursachen“, hat der Leiter der Werksgruppe Nord der Dyckerhoff AG ausgerechnet. Kämen die Rohstoffe gar aus China, „müssten sie per Schiff über den 20.000 Kilometer langen Seeweg nach Hamburg und dann weiter in die Region transportiert werden“. 70 Tage dauere die Reise. „Das weltgrößte Containerschiff pustet dabei aufs Jahr gerechnet etwa 300.000 Tonnen CO2 in die Luft – etwa so viel wie ein mittelgroßes Kohlekraftwerk“, zitierte Barton den Bericht einer Umweltschutzorganisation.

Unverständlich findet er es deshalb auch, dass Naturschutzverbände in ihrer Stellungnahme zur Regionalplanänderung angemerkt hätten, dass bei der Bedarfsberechnung für die heimischen Rohstoffe die steigenden Importe aus China nicht berücksichtigt seien. „Nicht nur regionale Lebensmittel haben Vorteile für die Umwelt, sondern auch andere Produkte aus der Region für die Region“, bemerkte der Dyckerhoff-Werksleiter.

Rohstoffabbau und Naturschutz

Ohne auf die Abbaubedingungen in anderen Ländern einzugehen, schilderte Detlev Wegner demgegenüber „wie das Nebeneinander von Rohstoffabbau und Naturschutz im Teutoburger Wald durch umfassende Investitionen der Industrie gewährleistet wird“. Dazu gehörten insbesondere die Rekultivierungs- und Ausgleichsmaßnahmen, so der Geschäftsführer der Calcis Lienen GmbH & Co. KG. Er betonte, dass Gutachten eine ökologische Verbesserung sogar in FFH-Schutzgebieten bestätigten, die nach dem Kalkabbau mit Buchenwald wieder aufgeforstet worden seien.

(Redaktion)


 


 

Karl-Friedrich Schulte-Uebbing
Claus Umbreit
Malte Wilhelm
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Detlev Wegner
Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen
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Baustoffwerke Münster-Osnabrück GmbH & Co. KG
Dyckerhoff AG
Calcis Lienen GmbH & Co

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