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  • 06.05.2013, 08:30 Uhr
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  • Münsterland
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Herausforderungen meistern

AVALE im Maschinenbau

Wer derzeit mit der Sicherstellung von ausreichenden Avallinien betraut ist, steht vor großen Herausforderungen. Die unsichere wirtschaftliche Entwicklung erschwert eine sichere Planung von ausreichenden, flexiblen sowie wirtschaftlichen Lösungen.

Unabhängig von der jeweiligen Situation, wie z.B. einer angespannten Haushaltslage oder einem großen Auftrag, sind die Hürden meist hoch, ausreichende Avallinien zu zumutbaren Bedingungen zu erhalten. Die Avalgeber verlangen in der Regel eine erstklassige Bonität oder die Hinterlegung von Sicherheiten.

Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen werden unter dem Begriff "Avale" zusammengefasst. Im Maschinen- und Anlagenbau werden üblicherweise Anzahlungs-, Vertrag serfüllungs- und Gewährleistungsavale sowie häufig auch Leistungs- und Verfügbarkeitsgarantien gestellt. Die richtige Anwendung erfordert ein hohes Maß an Fachwissen und Expertise der Mitarbeiter im Einkauf, Vertrieb (Vetrieb Definition) und Controlling . Wer international tätig ist, muss mit mangelnder Transparenz, Risiken und hoher Komplexität umgehen können.

Ausreichende Avallinien sind für Maschinen- und Anlagenbauern eine wesentliche Grundlage des operativen Geschäfts. Oft fehlt jedoch ein effizientes Aval - Management zur Bewertung und Steuerung von Risiken. Ein organisiertes, vorzugsweise zentralisiertes Aval-Management leistet jedoch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Avalkosten. Auch der Umfang der zu hinterlegenden, kapitalbindenden, Sicherheiten kann dabei häufig reduziert werden, so dass die Liquidität des Unternehmers nachhaltig verbessert wird.

1. Das Aval - Management

1.1 Bedeutung des Aval - Managements

Der zunehmend diversifizierte Handel erfordert eine effiziente Steuerung von Risiken. Durch langjährige Erfahrungen in der Betreuung von internationalen Maschinen- und Anlagenbauern haben ausgewählte Berater weitreichende Kenntnisse über Prozesse und Organisationen. Die Lösungen beinhalten Dienstleistungen rund um eine einzelne Transaktion bis hin zur Verbesserung der Prozesse und Strukturen im Aval - Management entlang der gesamten Lieferkette.

1.2 Bausteine des Aval - Managements

Strategiebezogene Bausteine

  • Versorgung mit ausreichenden Aval- und Bürgschaftslinien: Um Aufträge annehmen zu können ist i.d.R. die Stellung eine Anzahlungsbürgschaft erforderlich.
  • Strukturierung strategischer und nachhaltiger Lösungen: Je nach dem in welche Länder Unternehmen Waren exportieren, sind lokale Spielregeln zu beachten.

Prozessbezogene Bausteine

  • Prozessanalyse von eingehenden u./o. auszustellenden Avalen: Analyse der Prozesse der involvierten Abteilungen, Standards im Avalgeschäft, Kompe tenzen, etc.
  • Entwicklung einer Lösung zur Verbesserung der Prozesse und Aufbauorganisation: Definition von klaren und eindeutigen Standards für die Prozessabläufe, Kommunikation (hier gehts zur Kommunikation Definition), Kompetenzregelungen (Wann, Wer, Wie, Was, Warum, Wo?)
  • Neuregelung von Richtlinien und Arbeitsabläufen: Dokumentation der Prozesse, der Kommunikationswege und des Berichtswesen in Bezug auf Ihr Aval - Management in einer Richtlinie / Ablaufbeschreibung.
  • Portfolio - Transparenz und Risiko-Reporting: Erstellung einer Routine für ein regelmäßiges Reporting zur transparenten Darstellung des Avalbestandes unter Risikoaspekten, inkl. z.B. Fälligkeiten, wirtschaftlicher Laufzeiten, Avalarten, Überblick über direkte und indirekte Avale, Länderrisiken.

Fallbezogene Bausteine

  • Rückforderung von Avalen: Für den Unternehmer ist es wichtig, dass die Avale ausgebucht werden, sobald sich der Sicherungszweck erledigt hat, da dadurch sein Kreditrahmen entlastet wird, Sicherheiten frei werden und er weitere Avalzinsen nicht bezahlen muss. Indirekte oder unbefristete Avale bedürfen der Rückgabe des Originalavales oder einer Enthaftungserklärung des Begünstigten.
  • Textvorschlag zur Avalerstellung: Auf Basis der Vertragsentwürfe werden Textempfehlungen erstellt.

Technikbezogene Bausteine

  • Stellung von Werkzeugen für das Aval - Management: Alle Aktivitäten werden unabhängig von den einzelnen Avallinien zentral administriert. Das Risikoportfolio besteht z.B. aus Fälligkeiten und wirtschaftlicher Laufzeiten, Avalarten, Überblick über direkte und indirekte Avale, Länderrisiken, Bürgschaftstexte u.v.m.
  • Integration in bestehende Systeme: Eine Integration in bestehende Systeme, wie z.B. SAP und Microsoft, sollte sichergestellt werden. Alternativ kann auch eine systemunabhängige Lösung genutzt werden.

2. Rechtliche Aspekte

2.1 Das Avalgeschäft

Dem Verhältnis des Avalgebers zu seinem Kunden liegt ein Avalkredit- oder Kautionsversicherungsvertrag zu Grunde. Darin wird dem Kunden eine Avallinie eingeräumt, in deren Rahmen der Kunde einzelne Avale abrufen kann. In dem Vertrag ist geregelt, welches Entgelt der Avalnehmer für die Übernahme einzelner Avale oder die Bereitstellung der Avallinie erhält, welche Sicherheiten der Kunde zu stellen hat und unter welchen Voraussetzungen der Avalgeber bei seinem Kunden Regress nehmen kann.

2.2 Das Verhältnis des Avalgebers zum Gläubiger

Bei einer Bürgschaft verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger, für eine fremde Verbindlichkeit einzustehen. Die Bürgschaft ist akzessorisch, d.h. in ihrem Bestand, ihrem Umfang und ihrer Entwicklung von der verbürgten Verbindlichkeit (Hauptschuld) abhängig. Der Bürge kann dem Gläubiger neben den Einwendungen, die sich aus der Bürgschaft selbst ergeben, alle Einwendungen und Einreden entgegenhalten, die sich gegen den Bestand oder die Durchsetzbarkeit der Hauptschuld richten. Dieses Recht wird in der Praxis allerdings oft eingeschränkt. Zu beachten ist, dass der Bürge für nachträgliche Erweiterungen der Hauptschuld (z.B. bei Verlängerung der Ausführungsfrist oder der Vereinbarung von Nachträgen) nur haftet, wenn er diesen zugestimmt hat.

Bei einer Garantie übernimmt der Garant eine Einstandspflicht für den Eintritt eines bestimmten Erfolges oder das Ausbleiben eines schädigenden Ereignisses. Je nach vertraglicher Definition des Garantiefalls kann sich eine gewisse Abhängigkeit des Garantieanspruchs von der gesicherten Verbindlichkeit ergeben. Der Garant ist i.d.R. nur zur Zahlung verpflichtet, wenn die Zahlungsaufforderung des Gläubigers den in der Garantie festgelegten formellen Voraussetzungen genügt (Grundsatz der Dokumentenstrenge).

Bürgschaften und Garantien werden - insbesondere im Exportgeschäft – häufig auf erstes Anfordern übernommen. Dies bedeutet, dass der Avalgeber an den Gläubiger zahlen muss, wenn dieser die in der Urkunde niedergelegten formalen Voraussetzungen erfüllt und sich die Inanspruchnahme nicht als offensichtlich rechtsmissbräuchlich darstellt. In Ausnahmefällen kann dem Gläubiger oder dem Avalgeber im Wege einer einstweiligen Verfügung die Inanspruchnahme des Avals oder die Zahlung an den Gläubiger untersagt werden. I.d.R. können Streitfragen rechtlicher und tatsächlicher Art erst in einem zeitaufwendigen Rückforderungsprozess geklärt werden. Der Unternehmer, dem über den Regress des Avalgebers bereits Liquidität entzogen wurde, trägt dann das volle Insolvenzrisiko seines Vertragspartners.

2.3 Die Sicherungsabrede

Für die Verpflichtung zur Sicherheitsleistung bedarf es einer wirksamen vertraglichen Abrede. Das deutsche Recht setzt der inhaltlichen Gestaltung von Sicherheitsabreden in AGB enge Grenzen. Ist die Sicherungsabrede unwirksam, kann dies der Inanspruchnahmen aus dem Avale entgegengehalten werden. Weitergehende Gestaltungsmöglichkeiten haben die Vertragsparteien, wenn sie die Sicherungsabrede individuell aushandeln, wobei Sie die Vertragsverhandlungen genau dokumentieren sollten.

2.4 Regress des Avalgebers

Der Avalgeber erwirbt durch die Zahlung an den Gläubiger einen Regressanspruch gegen seinen Kunden, soweit er seine Aufwendungen den Umständen nach für erforderlich halten durfte. Letzteres setzt zumindest voraus, dass er vor der Zahlung die formellen Voraussetzungen geprüft und ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hat. Zu den erstattungsfähigen Aufwendungen des Bürgen gehören dann auch die Kosten eines verlorenen Prozesses, aufgelaufene Verzugszinsen , außergerichtliche Rechtsanwalts- und Sachverständigenkosten etc.

2.5 Rückgabe der Avale

Es ist zweckmäßig, bereits in der Sicherungsabrede zu regeln, wann und auf welche Weise die Avale – gegebenenfalls Zug um Zug gegen die Stellung einer der Höhe nach reduzierten Sicherheit - zurückzugeben sind und ob der Gläubiger zudem eine Enthaftungserklärung abzugeben hat. Befristete Avale erlöschen zwar automatisch mit Zeitablauf. Manche Avalgeber verlangen aber trotzdem die Rückgabe der Urkunde oder eine Enthaftungserklärung des Gläubigers, bevor sie den Aval ausbuchen.

3. Fazit

Ein strukturiertes AVAL - Management bietet Unternehmen verschiedenste Nutzen:

Es ist folglich zu empfehlen, sich eingehend mit diesem Thema zu beschäftigen.

(Daniel Timmermann)


 

 

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