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  • 17.05.2013, 09:47 Uhr
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  • Münster & Münsterland
Hilfspaket für Krankenhäuser

Krankenhaus-Geschäftsführer protestieren gegen zu kleine Finanzspritze

Die Direktoren und Geschäftsführer der Krankenhäuser sind in Sorge. Steigende Kosten durch Personal, EEG-Umlage und Versicherungsprämien sowie gesetzlich gedeckelte Vergütungspreiszuwächse machen 2013 zu einem schwierigen Jahr für die Akut-Krankenhäuser in Münster. Nicht zuletzt würden die Patienten darunter leiden.

Die überdimensionale Spritze für das Fotomotiv war für Münsters Krankenhaus-Geschäftsführer in den falschen Händen. „Die müsste Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr halten, und wir würden versuchen, danach zu greifen“, sagte Dr. Christoph Hoppenheit vom Universitätsklinikum. „Und dann würde sie sich in Nichts auflösen, wenn wir sie fast hätten“, ergänzte sein Kollege Michael von Helden vom Evangelischen Krankenhaus (EVK) ironisch.

Gemeinsam protestierten die Geschäftsführer und Direktoren am Donnerstag auf dem Domplatz gegen die aus ihrer Sicht viel zu niedrig geplante Finanzspritze aus dem Bundeshaushalt. Mit den der Raphaelsklinik und dem Clemenshospital gemeinsam zustehenden 500.000 Euro „werden wir einen Teil der Personalkostensteigerung von 3,3 Millionen Euro für 2013 abfangen können“, schilderte Stefan Kentrup. Allein die Erhöhung der Versicherungskosten werde die erwarteten zusätzlichen Finanzmittel deutlich übersteigen, rechnete sein Kollege vom EVK, Michael von Helden, weiter.

„Es müssen erst einmal die Kosten aus den zurückliegenden Tarifsteigerungen bezahlt werden“, forderte auch Berthold Mathias (Herz-Jesu-Krankenhaus) eine grundsätzliche Änderung der Finanzierungsstruktur. Dr. Ansgar Klemann (St.-Franziskus-Hospital) schilderte, dass die zu niedrige Investitionsfinanzierung durch das Land Nordrhein-Westfalen außerdem die Möglichkeiten zur Betriebskosten-Optimierung behindere.

Dr. Christoph Hoppenheit kritisierte zudem im Gesetzentwurf vorgesehene pauschale Finanzierung von Krankenhausfällen: „Da wird für einen Blinddarm genauso viel Geld mehr gegeben wie für ein Frühchen, das vier Monate intensiv betreut wird.“ Gleichwohl würden die Mittel auch für die kleineren Häuser nicht reichen. Es gebe „keine Alternative zu mehr Geld“.

Leidtragende wären sonst die Patienten. Der Sparzwang in den Kliniken bringe dem Personal eine weitere Arbeitsverdichtung. Dies führe flächendeckend zu einem Nachlassen der Qualität, befürchtet Hoppenheit. Die Politik müsse sich dazu bekennen, dies zu wollen.

Hilfspaket für Krankenhäuser

Die Bundesregierung hat eine Finanzspritze von 1,1 Milliarden Euro für die teils tief in den roten Zahlen steckenden Krankenhäuser auf den Weg gebracht. Rechnerisch bedeutet dies rund 500.000 Euro pro Klinik, ist aber abhängig von den Abrechnungspauschalen. Damit wird ein Teil der Personalkostensteigerung wegen der Tarifabschlüsse im Jahr 2013 durch die Kostenträger finanziert.

Das Geld soll auch dabei helfen, mehr Hygienepersonal zu finanzieren, um die wachsende Zahl tödlicher Klinikinfektionen einzudämmen. Das Geld soll in diesem und im nächsten Jahr fließen.

(Uwe Wahlbrink)


 


 

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