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  • 28.04.2014, 10:03 Uhr
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  • Gronau-Epe / Münsterland
Ursachensuche

Hinweise auf Ursache des Ölaustritts

„Das ist ein Schadensfall, den es in dieser Form in Deutschland noch nie gegeben hat.“ Volker Milk, Arnsbergs Regierungsvizepräsident, findet vor Ort deutliche Worte. Seit Tagen tritt im Amtsvenn in Gronau Öl aus, verunreinigt die Erde und verschmutzt das Grundwasser. Wie groß ist der Schaden? Was tut die Politik?

Kennt man den genauen Grund für den Ölaustritt?

Offenbar hat man seit gestern eine heiße Spur. Nach Angaben der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg steht das Kavernensystem S 5 in Gronau im Fokus. Dies besteht aus der Bohrloch-Verrohrung und der Kaverne (einem behälterlosen Speicherbereich im Salz). Das Gestänge zwischen Kaverne und Erdoberfläche könnte schadhaft gewesen sein. Das gesamte System ist im Moment drucklos. Die nicht mehr mit Öl gefüllten Kavernen in Gronau-Epe und ihre Zuleitungen können als Ursache für den Austritt ausgeschlossen werden. Auch die Fernleitungen sowie eine Stelle, an der im Jahr 2007 einmal Öl austrat, sind dicht.

Wo wird jetzt nach dem Leck gesucht?

Die bisherigen drei Ölfundorte liegen im Abstand von 200, 300 und 400 Metern von der Kaverne S 5 in der Speicheranlage in Gronau-Epe. Ab heute wird jetzt 80 Meter von der Kaverne entfernt eine Bohrung vorgenommen, die durch Ton- und Mergelschichten bis in 220 Meter Tiefe gehen wird. Die Bohrung soll weitere Erkenntnisse sowohl über die Ursache des Ölaustritts als auch über mögliche Wegsamkeiten innerhalb der Geologie liefern.

Wie groß ist der Schaden?

Vor Ort wurden bis letzten Freitag mindestens 33.000 Liter Öl abgepumpt. Auch über das Wochenende musste weiter Öl aufgenommen werden. Der Schaden hat schon jetzt einen zweistelligen Millionenbereich erreicht. Unklar ist, wer am Ende für den Schaden im verseuchten Ackerbereich und im Grundwasser aufkommen wird. In Betracht kommt eine Regelung nach Bergrecht. Einen derartigen Fall hat es in Deutschland aber noch nie gegeben. Die Bauern fürchten vor allem, dass ihre Felder für den Anbau von Pflanzen für Tierfutter ungeeignet sein könnten.

Wie reagiert die Politik?

Über den aktuellen Stand machte sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) am Freitag im Venn sachkundig. „Das ist etwas anderes, als wenn man die Informationen auf Papier bekommt.“ Erste Sorge sei das Wasser, so Remmel. Der Minister besuchte auch die Familie Sundermann, die von dem Ölaustritt am stärksten betroffen ist.

Ist das Grundwasser verschmutzt?

Teile des Grundwassers in unmittelbarer Nähe der Kaverne S5 sind verschmutzt, es breitet sich weiter aus. Die dort befindlichen Brunnen sind gefährdet, Wasser soll von dort nicht entnommen werden. Durch die Kontrollmessungen ist die Sicherheit der Trinkwasserversorgung jederzeit gewährleistet. Um weiteres Abfließen von verunreinigtem Wasser zu verhindern, soll eine abdichtende Schlitzwand hergestellt werden.

Kavernenspeicher

In Gronau-Epe liegt eines der größten Kavernenspeicherfelder Europas. In den unterirdischen Hohlräumen, die beim Salzabbau entstanden sind, lagern etwa 4,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Außerdem ist Platz für drei Millionen Kubikmeter Erdöl. Solche Untertagespeicher sollen die tages- und jahreszeitlichen Verbrauchsspitzen beim Gasverbrauch auffangen beziehungsweise Vorrat an Öl in Krisenzeiten gewährleisten. Seit 1971 fördert die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SWG) in Epe Salz aus 1000 bis 1500 Metern Tiefe. Die dort gewonnene Sole wird in der Industrie verwendet. Beim Abbau entstehen Hohlräume, deren Salzsteinwände als dicht genug gelten, um Öl oder Gas dort zu lagern. Die einzelnen Kavernen sind durch Pipelines miteinander verbunden. Insgesamt sind in Deutschland an zwölf Standorten mehr als 100 Kavernenspeicher für Erdöl in Betrieb.

(Frank Polke, Martin Borck, WN)


 


 

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