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  • 28.09.2015, 09:05 Uhr
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  • Münster / Raesfeld
Hochspannung tiefergelegt

Netzbetreiber Amprion verlegt die neue 380-kV-Leitung bei Raesfeld unterirdisch

Strom künftig über riesige Entfernungen transportieren, genauso selbstverständlich wie Güter per Lastwagen über die Autobahn? Es ist noch gar nicht so lange her, da galt das als unvorstellbar. Strom wird da verbraucht, wo er auch produziert wird. Sätze wie dieser waren lange Zeit in Stein gemeißelt.

Nun ist die Energiewende beschlossene Sache. Ein Bestandteil: Höchstspannungsleitungen – schließlich muss die in der Nordsee eingesammelte Windenergie in den Süden transportiert werden. Zwölf dieser 380-kV-Trassen sind deutschlandweit vorgesehen, eine davon – eine Art Lückenschluss – hat der Netz­betreiber Amprion von Wesel bis nach Meppen gezogen. Die Leitung quert auf 130 Kilometern das Münsterland. Und hat eine Besonderheit: Bei Raesfeld wurden die dicken Leitungen un­terirdisch verlegt; die Leitungen mit ihren 70 Meter hohen Masten wären zu nah an die Wohnbebauung gerückt.

Eineinhalb Jahre Bauzeit, Kosten von 30 Millionen . „Ja, die Arbeiten sind abgeschlossen“, sagte Amprion-Sprecher Andreas Preuß gestern auf Nachfrage. Irgendwann in der ersten Jahreshälfte sollen die zwölf auf ei­ner Breite von 25 Metern verlegten Kabel unter Strom gesetzt werden.

Klar, die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel NRW“ ist begeistert. „Das Landschaftsbild hat sich positiv verändert“, erklärt Mitbegründerin Gaby Bischop.

Höhere Kosten und Sorgen bei Landwirten

Deutlich verhaltener argumentieren zwei andere Akteure: Amprion selbst – und die Landwirte. Dass das Un­ternehmen mit Sitz in Dortmund auf der gesamten Strecke lieber Strommasten aufgestellt hätte, liegt auf der Hand. Schließlich „hat das Kabel sechs Mal so viel gekostet wie eine vergleichbare Überlandleitung“, sagt Preuß.

Hinzu kommt: „Das ist ein deutschlandweites Pilotprojekt, wir haben einfach keine Erfahrungen.“ Zentrale Frage: Wie kompliziert wäre es beispielsweise, einen Defekt zu beheben? „Die Kabel liegen in einer Tiefe von bis zu zwei Metern“, so der Sprecher. „Da muss dann aufwendig gebaggert werden.“

Nicht wirklich glücklich mit den tiefer gelegten Leitungen sind auch die Landwirte. „Natürlich tragen auch wir die Energiewende mit“, erklärt der Sprecher des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hans-Heinrich Berghorn. Aber: Bis zu 50 Grad warm können die Stränge werden. Da fürchten die Bauern, dass der Boden austrocknet – auch wenn erste Versuche hier Entwarnung geben.

(Elmar Ries, WN)


 


 

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